Corona-Pandemie prägt die Struktur und die Bilanz der Kreissparkasse

Schub für Digitalisierung

Mit der Bilanz zufrieden: Vorstandsvorsitzende Silke Korthals mit Matthias Knak (l.) und Dennis Gläß.
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Mit der Bilanz zufrieden: Vorstandsvorsitzende Silke Korthals mit Matthias Knak (l.) und Dennis Gläß.

Verden – Wer erwartet hatte, dass im Lockdown das Geld in der Wirtschaft und in privaten Haushalten knapp wird, findet das nur zum Teil in den Zahlen der Kreissparkasse aus dem Coronajahr wieder. Von vermehrten Anfragen zum Aussetzen von Kredittilgungen, konnten die Vorstände unter dem Vorsitz von Silke Korthals berichten, als sie die Bilanz 2020 vorstellten, aber auch von einer Flut von Einlagen.

  • Die Vorstände haben die Bilanz der Kreissparkasse für 2020 vorgestellt.
  • Bei den Kunden aber auch in der Bank hat die Corona-Pandemie mit Lockdown und Kontaktbeschränkungen einige Folgen gehabt.
  • Die Vorstände berichten von größeren Anstrengungen bei der Digitalisierung der Geschäftsabläufe und der Umstrukturierungen bei den Kundenkontakten.
  • Kredite und Tilgungsausetzungen wegen Corona. Aber auch eine Flut von Einlagen.

Die Pandemie prägte mehr die innere Organisation und die digitale Ausrichtung der Bank im Umgang mit den Kunden. Die wirtschaftlichen Ergebnisse des Kreditinstituts bewerteten Korthals und ihre Mitvorständler mit einer Bilanzsumme von 3,1 Milliarden Euro als „respektabel“.

Bilanzsumme durchbricht Schallmauer von drei Milliarden Euro

Die Bilanzsumme ist im Vergleich zum Jahr vor der Krise um 8,4 Prozent gestiegen. „Wir freuen uns, dass wir die Schallmauer der drei Milliarden Euro durchbrochen haben“, bekannte Silke Korthals. Der Bilanzgewinn von 2,4 Millionen Euro liege auf Vorjahresniveau. Trotz der Zufriedenheit mit den Ergebnissen blicken die Vorständler mit einer gewissen Sorge auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Geschäftskunden. Anzeichen über wachsende Kreditrisiken sieht der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, Matthias Knak, allerdings bislang nicht.

„Schließungen wie im ersten Lockdown hat es in der der Kreissparkasse vorher noch nicht gegeben“, beschrieb Silke Korthals die Ausnahmesituation, in der sich das Bankhaus in der Corona-Pandemie plötzlich wiederfand. Und wie in vielen anderen Bereichen hat diese Krise auch in der Kreissparkasse schnell gezeigt, wo noch Handlungsbedarf ist. „Im ersten Lockdown mussten wir mehr als die Hälfte unserer Geschäftsstellen vorübergehend schließen“, erinnerte sich die Vorstandsvorsitzende.

Als systemrelevantes Rad im Getriebe habe es aber darum gehen müssen, Zahlungsverkehr und Bargeldversorgung aufrechtzuerhalten. Deshalb mussten zunächst die Mitarbeiter und ihre Gesundheit geschützt werden. Großraumbüros seien aufgelöst und Digitalisierungsprozesse beschleunigt worden. Konferenzen laufen über Video-Schaltungen und die Mehrzahl der Bankgeschäfte sind jetzt telefonisch oder online möglich. Hatte sich das im Privatkundenbereich schon zu einem guten Teil etabliert, biete die Kreissparkasse mittlerweile auch ihren gewerblichen Kunden Alternativen zu persönlichen Treffen an.

Nachbesserungen bei IT-Sicherheit

Ein wichtiger Punkt in dieser Entwicklung, aber auch bei der verstärkten Verlagerung der Arbeit ins Homeoffice ist die IT-Sicherheit. „Gerade bei einer Bank“, ist sich Korthals bewusst. Zu Beginn sei das noch „begrenzt“ gewesen. Aber dann habe sich viel getan, sodass beim zweiten Lockdown alle unerwarteten Probleme gelöst seien. Mit dem Digitalisierungsschub sei es dann auch möglich gewesen, beim zweiten Lockdown alle 36 Geschäftsstellen offen halten zu können.

Die Kunden übrigens hätten die neuen Strukturen vielfach angenommen. So sei eine Steigerung beim kontaktlosen Bezahlen um 92 Prozent zu verzeichnen und mit dem Handy zahlen die Kunden mittlerweile um 85 Prozent häufiger. Online- und Mobile-Banking nutze eine Mehrheit der Kunden.

1400 Anträge auf Zins- und Tilgungsaussetzung

Dass der Lockdown und eine wachsende Zahl von Unternehmen, denen wie in der Gastronomie, Tourismus- und Veranstaltungsbranche die Einnahmen wegbrechen, eine Durststrecke in den Firmen und privaten Haushalten auslösen würden, war zu erwarten. „Uns lag viel daran, den Mittelstand und die Privatkunden weiterhin ausreichend mit Kreditmitteln zu versorgen, um die Wirtschaft im Landkreis Verden nicht zusätzlich zu beeinträchtigen“, sagte Korthals. Natürlich habe die KSK auch Zins- und Tilgungsaussetzungen ermöglicht, berichtete Matthias Knak. „Allein in diesem Bereich wurden rund 1 400 Anträge bearbeitet und bewilligt.“

Bei den Betrieben sei der Informationsbedarf zunächst groß gewesen. „Zu Beginn war die Suche nach Informationen zu Hilfs- und Fördermitteln sehr mühsam“, berichtete Korthals. Die mittelständischen Betriebe seien vor allem mit Informationen zu Kurzarbeitergeld, Steuerstundungen und Beratungsstellen versorgt worden. „Zusätzlich haben wir mehr als 270 eigene Überbrückungskredite bewilligt und weitere 129 Anträge auf Corona-Hilfsmittel der KfW und N-Bank bearbeitet, weitergeleitet und ausgezahlt.“

Mehr Einlagen als Kredite

Insgesamt habe die Bank etwa 309 Millionen Euro neue gewerbliche Finanzierungen zugesagt. Das bedeute ein Wachstum um 4,4 Prozent, zitierte Knak die Bilanz. Geringer war der Bedarf bei den Privatkunden: Ihnen seien übers Jahr Darlehen in höhe von 165 Millionen Euro zugesagt worden, eine Steigerung um 1,2 Prozent. Eigentlich hätten die Banker lieber noch mehr Kredite bewilligt. „In der Krise sind wir mit einer Flut von Einlagen überschwemmt worden“, erklärte Korthals. Aus Sorge vor Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit hielten viele ihr Geld zusammen, bot Vorstand Dennis Gläß eine Erklärung dafür an.

Die Sparquote sei in Deutschland auf 16 Prozent gestiegen. Die privaten Haushalte legten also von 100 Euro verfügbarem Einkommen 16 Euro auf die hohe Kante. „Während meiner langjährigen beruflichen Laufbahn kann ich mich an keine höhere Sparquote erinnern“, sagte Gläß. „Daher ist es nicht verwunderlich, dass unser Bestand der Kundeneinlagen im vergangenen Jahr um 198 Millionen Euro auf knapp 2,3 Milliarden Euro gestiegen ist.“ Dies entspreche einer Zunahme um 9,4 Prozent, die ausschließlich bei den kurzfristigen Einlagen, also auf den Girokonten der Kunden zu beobachten sei.

Diese Einlagen bereiten der Bank Kopfzerbrechen, denn sie überschreiten die Kreditsumme. „Somit mussten wir einen Teil der Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Strafzins von 0,5 Prozent parken. Diese Strafzinsen belasten unser Geschäftsergebnis zunehmend“, so Korthals.

Die weiteren Geschäftsbereiche haben unterschiedlich auf die Bedingungen in der Corona-Krise reagiert. So hält der Immobilienboom an, auch wenn Baugrundstücke und Objekte nur noch vereinzelt verfügbar sind. Das Versicherungsgeschäft musste ein Minus von 20 Prozent verkraften. Die Aktienkurse unternahmen eine Achterbahnfahrt, aber Anleger hätten sich in diesem Jahr mutiger gezeigt, berichtete Dennis Gläß über ein Plus von 20 Prozent.

Von Ronald Klee

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