81 Frauen und Männer wollen in den Stadtrat

Schon 3 900 Briefwähler in Verden

Blick in das  Briefwahlbüro: An einem improvisierten  Schreibtisch sitzen hinter Acrylglas-Scheiben zwei städtische Mitarbeiter. Davor ist ein Senior im Elektro-Rollstuhl zu sehen, der einen Umschlag ausgehändigt bekommt.
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Der 93-jährige Wolfgang Telle ließ sich von Kerstin Steuerer und Laurin Baldes vom Team des Bürgerbüros die Wahlscheine für Kommunal- und Bundestagswahl aushändigen – und füllte sie dann auch gleich aus.

Offiziell werden die Niedersachsen am 12. September zu den Urnen gerufen, um über die Neubesetzungen der Kreistage, Städte- und Gemeinderäte zu entscheiden. Die Kommunalwahlen sind allerdings schon in vollem Gange. So haben in Verden bereits mehr als 3 900 Menschen die Briefwahl beantragt.

Verden – „Ich bin ja noch vom alten Schlage“, sagt Wolfgang Telle. Dem folgend ist die Wahl für ihn nicht nur ein Recht, sondern auch ein Stück weit Bürgerpflicht. Als ihn nun umzugsbedingt die Wahlbenachrichtigung nicht erreicht hatte, machte sich der 93-Jährige per Elektro-Rolli auf den Weg zum Rathaus, um die Angelegenheit zu klären. Einmal vor Ort, nutzte der Verdener dann gleich die Gelegenheit, seine Stimmen, entgegen seiner sonstigen Gewohnheit, per Briefwahl abzugeben.

Martin Kämpfert kann nur loben, dass Wolfgang Telle sich rechtzeitig gekümmert hat. Deshalb bittet der Gemeindewahlleiter darum, sich zügig zu melden. Vor allem dann, wenn es um die Beantragung der Briefwahlunterlagen geht.

Online ist dies noch bis einschließlich Dienstag, 7. September, möglich. Wer seine Wahlscheine persönlich aus dem Briefwahlbüro (im VA-Saal im ersten Stock des historischen Rathauses) holen oder gleich dort ausfüllen möchte, kann dies noch bis Freitag, 13 Uhr, tun.

Die Stimmabgabe per Post oder direkt im Verdener Rathaus in den Tagen vor dem 12. September erfreut sich in diesem Jahr wachsender Beliebtheit. Weil der Termin der Kommunalwahl noch die Urlaubszeit berührt. Vor allem aber, weil angesichts der Pandemie viele davor zurückschrecken, eines der 28 Wahllokale aufzusuchen. Trotz Hygienekonzept und regelmäßiger Desinfektion der Wahlkabinen.

Gemeindewahlleiter Martin Kämpfert pinnt den großformatigen Musterwahlschein mit den Kandidatinnen und Kandidaten für den Stadtrat an die Stellwand.

2016 habe es in Verden zwischen 2200 und 2300 Briefwähler gegeben, erinnert sich Kämpfert an die jüngste Kommunalwahl. „Jetzt liegen wir schon bei 3 900 ausgestellten Wahlscheinen“, verdeutlicht er die gestiegene Nachfrage.

„Durch die Masse der Anträge hat sich einiges aufgestaut“, sagt der Gemeindewahlleiter. Und so sei auch zu erklären, weshalb ein Ehepaar aus Walle keinen Wahlschein für den Ortsrat erhalten hatte. „Das sind Einzelversehen“, beruhigt Martin Kämpfert und betont, dass sich umgehend melden möge, wer unvollständige Unterlagen erhalten hat. „Wir sorgen dann dafür, dass die fehlenden Stimmzettel schnell zugeschickt oder gebracht werden.“

Die Wahlleitung um Kämpfert und Manuela Rein hat auf die vielen Briefwähler bereits reagiert und die Zahl der Briefwahlbezirke deutlich angehoben. 14 sind es nun statt der sonst üblichen Handvoll.

Mehr Bezirke, das ist gleichbedeutend mit einem größeren Bedarf an Helfern in den Wahlvorständen. Ein ganzes Heer von Ehrenamtlichen, mindestens sechs pro Bezirk, wird benötigt, damit am 12. September alles wie am Schnürchen läuft. Während der Wahl und vor allem, wenn um 18 Uhr die Wahllokale schließen und die Auszählung beginnt.

„Kreistag, Stadtrat, Ortsräte“, nennt Martin Kämpfert die Reihenfolge, in der ausgezählt wird. Allen steht also eine lange Nacht bevor, die möglicherweise erst am Montag endet. Zumal jeder der rund 21 500 Wahlberechtigten in der Stadt Verden auf den Stimmzetteln bis zu drei Kreuze machen kann. Da muss ganz genau und besser doppelt geguckt werden.

Allein 81 Frauen und Männer bewerben sich auf den Listen von CDU, SPD, Grünen, FDP, AfD, Linken und Freien Wählern um 36 Sitze im Verdener Stadtrat. Entsprechend groß, nahezu im Poster-Format, ist der Wahlschein.

Wer sich angesichts dieser Fülle schon mal einen kleinen Überblick verschaffen möchte, kann dies im ersten Stock des Verdener Rathauses tun. Dort hängen sämtliche Stimmzettel, auch der für den Bundestag, als Muster aus.

Von Katrin Preuß

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