Die Mitarbeiter des ALV-Projektes wissen genau, was sie verkaufen können

Schöner wohnen mit Gebrauchtmöbeln

Blick über den Parkplatz auf das Gebäude, in dem das Gebrauchtmöbellage untergebracht ist.
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„Schöner wohnen“ hinter verschlossenen Türen. Selbst angelieferte Möbel werden aber angenommen.

Annahme verweigert. Der zehn Jahre alte Kühlschrank eines Lesers wurde beim Verdener Gebrauchtmöbellager abgelehnt. Er war vollkommen in Ordnung und deswegen ist sein Besitzer irritiert. Aber bis auf das Ausbessern kleiner Fehler kann die Werkstatt der Landkreiseinrichtung keine Aufarbeitung leisten.

  • Das Möbellager bietet gute Haushaltsgegenstände für günstige Preise.
  • Zugleich ist es ein Projekt des Jobcenters, um Langzeitarbeitslose wieder ins Arbeitsleben zu integrieren.
  • Das Projekt ist sehr erfolgreich, aber auch seine Möglichkeiten sind begrenzt.

Verden – Wer glaubt, seinen Sperrmüll problemlos bei der Landkreiseinrichtung „Gebrauchtmöbel und mehr“ loswerden zu können, der irrt. Es wird an Möbeln, Elektrogeräten oder Geschirr nur angenommen, was auch in Ordnung und funktionstüchtig ist. Aber auch da gibt es Ausnahmen. Das hat ein VAZ-Leser zu spüren bekommen, als er seinen etwa zehn Jahre alten Kühlschrank anbot, aber eine Absage bekam.

„Dabei ist der komplett in Ordnung, sauber und gepflegt“, empört er sich. Aber sie nehmen nur Elektrogeräte an, die nicht älter als drei Jahre sind.“ Die Begründung leuchtete ihm nicht ein: „Ich wette, da hätte sich noch jemand drüber gefreut.“

Mitarbeiterin Sabine Wutzke bestätigt auf Nachfrage die Ablehnung und sagt, warum das so ist. „Wir haben ja keine Reparaturwerkstatt. Wenn die Geräte schon kurz nach dem Kauf kaputtgehen, haben wir mit unseren Kunden ein Problem. Deshalb geht das nicht.“ Bei Fernsehgeräten sei das Alter zwar nicht so eng eingegrenzt, „aber einen Flachbildschirm muss er schon haben, sonst werden wir den nicht los“.

Termine für Abholung frühestens ab Mitte Februar

Zur Zeit sind die Verkaufsräume zwar geschlossen, doch Termine für eine Abholung frühestens ab Mitte Februar werden vergeben. Möbel oder alles andere, was in den Verkaufsräumen normalerweise zum Verkauf steht, können per Selbstanlieferung dorthin gebracht werden. Mit Argusaugen überprüfen die Mitarbeiter dann, ob es sich tatsächlich um Gebrauchtmöbel oder um Sperrmüll handelt. Und das hat sich herumgesprochen. Immer mehr Menschen, auch jene, die man nicht als bedürftig einstufen würde, stöbern gerne zwischen den Möbeln und den Regalen mit Haushaltsartikeln. Sie haben dem Landkreisprojekt längst einen anderen Namen gegeben: „Schöner wohnen“. Denn, es kommt vor, dass sich unter den Haushaltsgegenständen ein unversehrtes und hochwertiges Service einer großen Porzellanmanufaktor befindet. Manchmal ist auch ein Möbelstück hier gelandet, dessen Wert der Vorbesitzer unterschätzt hat.

Seit Mai dieses Jahres arbeitet Sabine Wutzke in den Räumen an der Straße Im Burgfeld in Verden und hört auch mal hin, wenn die Fahrer von ihren Touren zurückkehren und von ihren Erlebnissen an den Haustüren erzählen. „Da werden zum Beispiel Sofas mit Brandflecken oder Rissen in den Bezugsstoffen angeboten. Das sind keine Gebrauchsspuren mehr, die man hinnehmen müsste. So etwas können wir hier auch nicht aufarbeiten.“ Kleinere Reparaturen könnten die Kollegen wohl vornehmen oder Möbel aufarbeiten, wenn der Aufwand nicht so groß ist.

Wer in diesen Tagen die weißen Transporter mit dem blauen Schriftzug fahren sieht, muss wissen, dass die Abholung bis voraussichtlich Mitte Februar komplett ausgesetzt ist, aber Kunden beliefert werden, die zum Beispiel beim Landkreis eine Bewilligung für die Erstausstattung ihrer Wohnung bekommen haben.

An den Arbeitsmarkt heranführen

Einige Mitarbeiter arbeiten hier über Jahre – zum Beispiel die Fahrer – andere, die an einer Wiedereingliederungsmaßnahme der ALV (Arbeit im Landkreis Verden) teilnehmen, in der Regel ein Jahr. Das Ziel dabei ist: Selbstvertrauen gewinnen, Abläufe kennenlernen und langsam wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. In diesem Rahmen wird Empfängern von Arbeitlosengeld 2 seit 1993 die Chance gegeben, an einer Beschäftigungsmaßnahme bei Gebrauchtmöbel und mehr teilzunehmen.

Das öffentliche Geschäft, bei dem jedermann ungenutzte Dinge rund um den Haushalt abgegeben und sehr günstig kaufen kann, wird aus Bundes- und Kommunalmitteln finanziert und zum Teil auch aus den Erlösen des Verkaufs. Gearbeitet wird in den verschiedensten Teilbereichen wie Verkauf, Kundenservice, Werkstatt oder Transport.  wen

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