Schöne Geschichte

Seit zehn Jahren gibt es die ehrenamtlichen Lesepaten der Stadtbibliothek

+
Die stellvertretende Leiterin der Stadtbibliothek, Katrin Koball (l.), mit einigen der aktiven Vorlesepaten.

Verden - Sie bringen Freude in Kitas, Grundschulen und Altenheime - seit zehn Jahren gibt es die ehrenamtlichen Vorlesepaten der Stadtbibliothek Verden. Anlässlich des runden Geburtstages hatte die stellvertretende Leiterin Katrin Koball zu einer gemütlichen Kaffeetafel in die Stadtbibliothek eingeladen.

32 Vorleserinnen und Vorleser sind zur Zeit aktiv. Von Anfang an dabei sind Ria Adamczyk, Gertrud Bieber, Annemarie Farke und Ingrid Hampel. Letztere organisiert und plant die Einsätze der Paten in den verschiedenen Einrichtungen. „Sie ist unsere wichtigste Frau hinter den Kulissen“, verrät Katrin Koball.

Im Oktober 2008 gab es das erste Treffen der Lesepaten, richtig los ging es dann im Januar 2009. „Der Grundgedanke war zunächst, Kindern das Lesen näherzubringen. Schnell stellte sich aber heraus, dass einige Lesepaten lieber älteren Menschen vorlesen wollten“, erzählt Koball. So wurde von Beginn an in Kitas, Grundschulen und Altenheimen gelesen. „Es ist schön, wie die Ehrenamtlichen sich engagieren. Jeder hat seine eigene Methode. Man muss authentisch sein, sonst sind gerade die Kinder gar nicht zu erreichen“, weiß Koball.

Mittlerweile gibt es an festen Tagen Vorleseangbote für verschiedene Altersgruppen in der Stadtbibliothek. Gertrud Bieber lädt in unregelmäßigen Abständen sogar Kinder im Krabbelalter mit ihren Eltern ein. „Es waren auch schon geflüchtete Frauen mit ihren Kindern da. Das war sehr eindrucksvoll. Als junge Mütter waren alle in der gleichen Situation, da war die Sprache nicht ausschlaggebend“, so Koball.

Jeden Mittwoch lesen sich behinderte Menschen in der Bibliothek Bücher in leichter Sprache vor. Ins Rollen kam diese Aktion als Lesepatenprojekt. Dadurch erwachte bei den Teilnehmern der Wunsch, selbst zu lesen.

Die Lesepaten tauschen sich regelmäßig aus, außerdem gibt es Fortbildungen. „Es geht beim Vorlesen immer mehr darum, die Fragen der Kinder zu beantworten. Viele Wörter wie zum Beispiel ,Gemach’ kennen sie nicht mehr, der Wortschatz der Kinder nimmt rapide ab“, bedauert die stellvertretende Bibliotheksleiterin.

Aber auch das Vorlesen in Altenheimen stellt die Lesepaten vor besondere Herausforderungen. „Manchmal, wenn alle mit geschlossenen Augen dasitzen, hat man das Gefühl, dass keiner zuhört. Zum Schluss heißt es dann aber doch, das war eine so schöne Geschichte“, erzählt Ingrid Hampel von ihren Erfahrungen. Besonders schwierig sei es, vor Demenzkranken zu lesen. Zum Einstimmen auf die Erzählungen seien alte Schlager oder bekannte Walzer bei den alten Menschen sehr beliebt.

„Es kommt darauf an, wie man liest“, weiß Annemarie Farke. Die ehemalige Lehrerin, die immer noch gerne ein Jugendbuch zur Hand nimmt und rezensiert, ist Vorlesepatin im Caritasstift. Bei ihrer Zuhörerschaft kommen Geschichten, die Erinnerungen an frühere Zeiten wecken, am besten an.

Einer der wenigen männlichen Lesepaten ist Manfred Bartels. Er ist seit ungefähr viereinhalb Jahren dabei und liest in der Stadtbibliothek jeden Freitag zwei- bis dreijährigen Kindern vor. Wie er die Kinder mit seinen Geschichten fesselt, weiß er durch die Erfahrung mit seinen Enkeln. „Die Geschichte muss für Jungen und Mädchen interessant sein. Es gibt so viele tolle Bücher für Kinder. Wenn es ihnen gefällt, kann man eine Stunde lesen und sie möchten immer noch mehr hören“, schmunzelt er. Wichtig sei aber, nicht nur zu lesen, sondern mit den Kindern zu sprechen, sie nach der Bedeutung einzelner Wörter zu fragen. „Kinder wollen Bilder sehen, sonst lässt die Aufmerksamkeit schnell nach“, weiß der erfahrene Vorleser.

Manchmal entwickelt er die Geschichten auch nur anhand von Bildern oder erzählt sie mit dem Erzähl-Theater Kamishibai. „Schade ist nur, dass manchmal so wenig Kinder da sind, dabei ist das Angebot ja kostenlos“, bedauert er.  

ahk

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Quads, Roller und Co. - Dicke Brummer ab zwei Rädern

Quads, Roller und Co. - Dicke Brummer ab zwei Rädern

"Enorm bitter": Aus für Bayer Leverkusen in Europa League

"Enorm bitter": Aus für Bayer Leverkusen in Europa League

Eintracht Frankfurt nach 24 Jahren wieder im Achtelfinale

Eintracht Frankfurt nach 24 Jahren wieder im Achtelfinale

Tag der offenen Tür an der Integrierten Gesamtschule Rotenburg

Tag der offenen Tür an der Integrierten Gesamtschule Rotenburg

Meistgelesene Artikel

Großer Umbruch bei der Achimer Feuerwehr

Großer Umbruch bei der Achimer Feuerwehr

„Altersarmut ist ein sehr weibliches Phänomen“

„Altersarmut ist ein sehr weibliches Phänomen“

„Faustdicke Freunde“ als Lesefutter

„Faustdicke Freunde“ als Lesefutter

Greta Silver Landfrauenjubiläums-Gast

Greta Silver Landfrauenjubiläums-Gast

Kommentare