Der Schnelltest wird hoffähig

Verdener Amtsärztin: Testzentren zuverlässig

Testkassette mit negativem Testergebnis
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Der Einsatz von Schnelltests führt im Landkreis Verden zu ersten Erfolgen.

Verden/Achim – „Noch niemand positiv getestet.“ Gelegentlich geistern erste Meldungen der Testzentren der Region durch die Medien. Meist mit beruhigenden Aussagen. Doch die Wahrheit sieht anders aus. Die Arbeit beginnt sich auszuzahlen. Das steht für Amtsärztin Jutta Dreyer jetzt schon fest. „Über die Schnelltests kommen immer wieder Neuinfektionen ans Licht, manchmal eine oder zwei pro Tag, zuweilen sogar bis zu fünf“, sagt sie auf Nachfrage. Gleichzeitig hält die Chefin des Gesundheitsamtes beim Thema Kontaktpersonen an „einer Quarantäne mit Augenmaß“ fest.

Nachdem über den Wert von Schnelltests lange gestritten wurde, vor allen Dingen über deren Zuverlässigkeit, liefert jetzt die praktische Anwendung ein eher differenziertes Bild. Zumindest im Raum zwischen Ottersberg und Dörverden. „Wurden sie in Arztpraxen angewandt, in Apotheken, in zertifizierten Testzentren“, sagt Dreyer, „dann erhalten wir eine sehr aussagefähige Anzeige auf dem Teststreifen“. Nur in ganz seltenen Fällen stellten sich die Resultate im Nachhinein als falsch heraus. Tauche der zweite Strich auf dem Tableau auf, werde der jeweilige Proband einem PCR-Test unterzogen, meist dann ebenfalls mit einer positiven Bestätigung.

Anders schaue es bei den Selbsttests aus, vor Schul- oder Kita-Besuch zum Beispiel. „In diesem Bereich ist die Fehlerquote nicht zu unterschätzen“, so Dreyer. Ausschläge zu Falsch-Ergebnissen in beide Richtungen seien vorgekommen, sowohl zur alarmierenden Variante als auch zur beruhigenden. Immerhin: Auch in diesem Bereich seien schon Infizierte frühzeitig erkannt worden, und das halte sie für die wesentliche Botschaft. „Je schneller ein Infektionsherd identifiziert ist, desto weniger Schaden richtet er an.“

Und jetzt schnellen die Inzidenzzahlen in die Höhe? Mehr Tests, mehr Positiv-Fälle? Dreyer relativiert. „Zu Beginn der Schnelltests stieg die Zahl leicht an. Das trifft zu. Inzwischen trägt dieses Instrument aber zur Entspannung der Corona-Lage bei.“ Auch die Testpflicht vor dem Besuch von Einzelhandelsgeschäften, die mit der Bundes-Notbremse in den Kreis Verden Einzug gehalten hatte, die Testpflicht vor dem Haarschnitt, das wirke sich positiv aus.

In einem nächsten Punkt nutzt die Amtsärztin ihren Gestaltungsspielraum. Bei der Quarantäne von Kontaktpersonen. Manche Zeitgenossen rieben sich verwundert die Augen. In Nachbarkreisen mit ähnlich hoher Einwohnerzahl wie im Landkreis Verden schnellten die Quarantäne-Verfügungen in deutlich höhere Sphären. Nicht selten sogar, dass in umliegenden Regionen das Doppelte der Verdener Ausgangssperren verhängt wurde. „Das ist keinesfalls eine Überraschung“, so Dreyer. Die Quarantäne gleich über den gesamten Kontaktbereich des jeweils Infizierten zu stülpen, über die gesamte Abteilung im Betrieb, oder hier differenziert vorzugehen, daran scheiden sich die Geister in den Behörden.

Sie verfolge eine Strategie der genauen Dosierung und sei damit nicht schlecht gefahren, so die Amtsärztin. „Wir filtern die Menschen heraus, die tatsächlich einem engen Kontakt ausgesetzt waren, nur sie werden mit amtlich verfügter Quarantäne belegt.“ Augenblicklich die große Gießkanne auszupacken und gesamte Bereiche mit Ausgehverboten zu belegen, das halte sie für nicht verhältnismäßig. „Es werden Grundrechte beeinträchtigt. Das darf niemand vergessen.“ Gleichzeitig wirke sich eine Quarantäne immer belastend aus. Eine solche Maßnahme gehe an die Nerven, gehe auf die Psyche. „Aus meiner Sicht sind wir gut beraten, dieses Mittel nur dort einzusetzen, wo es wirklich unumgänglich ist.“

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