Schirmherr Henning Scherf zu Gast bei der Parkinson-Selbsthilfegruppe

Wie man es schafft, 100 Jahre alt zu werden

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Henning Scherf begrüßte jeden der zahlreichen Gäste persönlich mit Handschlag.

Verden - Über einen besonderen Gast konnte sich die Parkinson-Selbsthilfegruppe bei ihrem Treffen am Dienstag freuen. Bremens ehemaliger Bürgermeister und Senatspräsident Henning Scherf, seit vergangenem Jahr Schirmherr der Deutschen Parkinson-Vereinigung, war der Einladung der Gruppenleiterin Margret Cordes gefolgt und sprach in der Kassenärztlichen Vereinigung vor 100 Gästen.

Scherf gab sich locker, ging durch die Reihen, begrüßte jeden einzelnen mit Handschlag und wechselte ein paar Worte. Später erzählte er, er habe die Schirmherrschaft der Deutschen Parkinson Vereinigung übernommen, da ihn drei langjährige Freunde, Hans-Jochen Vogel, Heide Simonis und Harald Ringstorff dazu bewogen hätten. Alle drei sind an Parkinson erkrankt. „Wir brauchen jemanden, der noch ‘rumreist und die Leute ermutigt, nicht aufzugeben“, hätten sie übereinstimmend gesagt.

Alter und Parkinson hätten viel miteinander zu tun, vieles könne man nicht mehr so tun wie früher. „Ich wollte rauskriegen, wie man es schafft, 100 Jahre alt zu werden, und habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen alt geworden sind, weil sie Leute um sich haben, Familie oder Freunde, die sie begleiten und ihnen eine Aufgabe geben“, erzählte Scherf. Alle 100-Jährigen, die er kennengelernt habe, hätten bis ins hohe Alter noch etwas zu tun gehabt.

Schmunzelnd berichtete er von einer 122-jährigen Französin, die mit 90 ihr Haus auf Rentenbasis an einen spekulativen Anwalt verkauft hat. „Nach 30 Jahren war der Anwalt tot, aber sie lebt noch. Aus solchen Geschichten hole ich mir meinen Optimismus fürs Altwerden und ich höre ständig neue Geschichten“, versicherte Scherf.

Den Mitgliedern der Parkinson-Selbsthilfegruppe gab er den Rat, nicht nur eigene Veranstaltungen durchzuführen, sondern zu überlegen, mit wem man sich zusammentun könne. Gerade der Kontakt mit kleinen Kindern könne viel bewirken. „Kinder sehen gar nicht, dass man nicht mehr so gut laufen oder sprechen kann, sie nehmen einen so, wie man ist“, wusste Scherf.

Er selber kümmere sich seit einiger Zeit um Flüchtlingskinder. „Sie bringen einem Lebensfreude und Herzlichkeit. Wenn man nur jammert, geht es einem schlecht. Wir leben davon, dass man sich freuen kann, und das geht mit Kindern richtig gut.“ Auch mit Parkinson könne man zum Beispiel in einem Chor singen, dass sei wie ein Gesundbrunnen, empfahl der Schirmherr.

„Man muss sich etwas einfallen lassen, um die Gefahr abzuwenden, sich zurückzuziehen. Brücken bauen, Leute zusammenbringen und Kontakte halten, das möchte ich vermitteln. Wenn ihr das hinkriegt, komme ich wieder“, versprach Scherf.

ahk

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