Verdenerin initiiert Fotoprojekt für an Krebs erkrankte Frauen

„Schau mich an“

Die Verdenerin Peggy Wentzek hatte die Idee für „Schau mich an“. Foto: Haubrock-Kriedel

Verden - Von Antje Haubrock-kriedel. „Schau mich an“ ist ein Fotoprojekt der besonderen Art. Auf den Bildern sind Frauen zu sehen, die aufgrund einer Chemotherapie ihre Haare verloren haben. Selbstbewusst posieren sie vor der Kamera, ohne Haare, mit Kopftuch oder Perücke. Alle Fotos strahlen Optimismus und Lebensfreude aus und zeigen, dass die Frauen trotz ihrer schweren Krankheit schön sind. Ein Bildband mit den Fotos dieser starken Frauen ist in diesem Herbst erschienen.

Initiatorin und Organisatorin des Projekts „Schau mich an“ ist die Verdenerin Peggy Wentzek, die 2011, mit 38 Jahren, selbst an Krebs erkrankt. „Ich fühlte mich nicht mehr als Frau – völlig haarlos und mit all den Narben“, schildert sie die erste Zeit nach Beginn der Chemotherapie. Doch dann begann sie, sich wieder zu schminken. Auch das Ausprobieren verschiedener Perücken machte ihr Spaß.

In dieser Zeit stieß sie auf das Buch „Nana – der Tod trägt Pink“. Es schildert auf ganz persönliche Art, wie frau selbstbewusst mit der Erkrankung umgehen und was ein Fotoshooting bewirken kann. „Mein erster Gedanke war: Genau das hätte ich auch gebraucht“, erzählt Peggy Wentzek. Die Idee für das Projekt „Schau mich an“ war geboren.

Die Verdenerin nahm Kontakt mit Marie Rösler von der Bremer Krebsgesellschaft auf, erzählte von ihrer Idee und stieß sofort auf positive Resonanz. Rösler brachte Wentzek mit der selbst betroffenen Fotokünstlerin Claudia A. Cruz und der Leiterin der Schreibwerkstatt, Senta Bonneval, zusammen. Diese fand auch gleich den aussagekräftigen Namen für das Projekt. „Als ich damals krank war, wussten die Leute oft nicht, wohin sie gucken sollten, wenn sie mich gesehen haben. Daher ist der Titel so passend. Die Menschen sollen die Augen nicht vor der Krankheit verschließen“, so Wentzek.

Schon bald fand ein erstes Fotoshooting statt, drei weitere folgten. Die Bilder wurden in Bremer Rathaus, Kliniken, Praxen und Hotels ausgestellt.

„Die Frauen sollen einfach einmal einen Wohlfühltag bekommen mit Catering, einem Visagisten und professionellem Make up. Sie sollen etwas nur für sich tun, aus den Gedanken an die Krankheit herauskommen und erfahren, dass sie auch ohne Haare schön sind. Sie können sich untereinander austauschen und einfach so sein wie sie sind“, beschreibt Peggy Wentzek ihre Motivation für das Projekt.

Die vielen positiven Rückmeldungen, die sie bekam, zeigten ihr, dass sie mit ihrer Aktion genau richtig lag und die vielen Stunden Arbeit, die sie investiert hat, sich gelohnt haben. „Viele haben beim Fotoshooting eine große Schippe Selbstbewusstsein gewonnen und zeigen sich auch einmal ganz ohne Perücke in der Öffentlichkeit“, erzählt Wentzek. So lag der Gedanke nahe, die Bilder in einem Fotoband zu veröffentlichen.

Im vergangenen Jahr begann Peggy Wentzek damit, Spenden zu sammeln. „Ich habe Hilfe von Menschen erfahren, von denen ich es nie gedacht hätte“, erzählt sie. Von einigen Organisationen ist die Verdenerin aber auch enttäuscht. Doch sie hat es geschafft. Am 17. September wurde das Fotobuch im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen präsentiert. „Es sollte kein Leidensbuch sein, wir wollten ein fröhliches Buch machen“, betont Peggy Wentzek.

Beim Blättern durch die Seiten sieht man, dass das gelungen ist. Die positive Einstellung der Frauen wird auch durch die während des Shootings eingefangenen Zitate deutlich. „Es hat Spuren hinterlassen, aber ich kann daran wachsen“, sagt Gabi. „Schön sehe ich aus, obwohl ich doch so wenig Haare habe“, merkt Elli. „Den Moment genießen und leben“, ist Mandys Philosophie.

Das Fotobuch ist bei den Verdener Buchhandlungen Heine, Mahnke und Vielseitig gegen eine Spende erhältlich. Die Spenden kommen der Bremer Krebsgesellschaft zugute und tragen dazu bei, dass das Projekt „Schau mich an“ fortgeführt werden kann.

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