IHK Stade will mit Ausbildungsdaten Diskussion um duales System anstoßen

„Schatzkarten“ zur Standortsicherung

IHK-Willkommenslotsin Dr. Nicole Martín y Troyano.

Landkreis/VErden - Dunkelrot ist Verden auf der Karte dargestellt. Dunkelrot ist gut, zeigt die Darstellung doch die Anzahl der Ausbildungsplätze in der Stadt, Stand 2015. 490 sind es laut Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade für den Elbe-Weser-Raum nach Auswertung der Daten ihrer Mitgliedsbetriebe.

Achim bringt es demnach auf 286, Ottersberg auf 169, Oyten auf 128. Kirchlinteln (40) und Langwedel (37) liegen ungefähr gleichauf, Dörverden bietet 32 Menschen in den Bereichen Industrie und Handel eine Ausbildung, in Thedinghausen zählte die IHK 21. Und diese insgesamt 1203 Lehrlinge verteilen sich auf kreisweit 333 gewerblich-technische oder kaufmännische Betriebe.

„Jede einzelne Ausbildungsstätte ist ein Schatz für unsere Zukunft“, betonte Dr. Bodo Stange. Gemeinsam mit IHK-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt und Willkommenslotsin Dr. Nicole Martín y Troyano präsentierte der Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung gestern die Ergbnisse einer intensiven Datensammlung zum Thema Ausbildung. Grafisch umgesetzt, bilden diese Zahlen nun die „Schatzkarten“ der Kammer – und damit ein Instrument, um die Diskussion zur Weiterentwicklung der dualen Berufsausbildung in der Region anzustoßen. So jedenfalls die Hoffnung der IHK.

Denn ebenso wie andere Kammern verzeichnet auch die IHK Stade einen Rückgang der Ausbildungsverträge. Das wiederum bringt die Berufsbildenden Schulen in Nöte. Mittelfristig sei die Hälfte der Berufsschulklassen in ihrem Bestand gefährdet, zitierte Stange aus einer Untersuchung.

Die „Schatzkarten“ sollen der IHK nun als wichtige Argumentationshilfe gegenüber der Politik dienen, wenn es darum geht, bestehende Berufsschulstrukturen zu erhalten. Denn „die Bereitschaft zur dualen Ausbildung nimmt mit der Entfernung zur BBS ab“, nannte Bodo Stange eine weitere Erkenntnis aus der Datenanalyse.

Die Standortnähe sei ein entscheidender Faktor bei der Berufswahl. „Die Infrastruktur darf also auf keinen Fall vernachlässigt werden“, sagte Maike Bielfeldt. Vor allem aber fordert die IHK von der Landesregierung einen „Flächenbonus“. Stange: „Man kann Schulen auf dem Land nicht so behandeln wie Schulen in der Metropole.“ Und auch die BBS nimmt die IHK in die Pflicht. Sie müssten kooperieren und sich gegebenenfalls spezialisieren.

Dennoch: An der Tatsache, dass aufgrund des demografischen Wandels und der Tendenz zum Studium die Azubis wegbleiben, kommt die IHK Stade nicht vorbei. Ihre 47 000 Mitgliedsbetriebe hoffen daher auf Auszubildende aus der Gruppe der Flüchtlinge.

In den nächsten drei bis fünf Jahren rechne sie hier mit Zuwächsen, sagte Maike Bielfeldt. Bislang hätten die Zuwanderer nicht zuletzt aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse nur einen unzureichenden Zugang zum Arbeitsmarkt.

Die vergangenen Monate nutzte die IHK Stade, um sich auf diese gänzlich neue Herausforderung einzustellen. In der Theorie, indem sich die Mitarbeiter über die aktuelle Gesetzlage informierten. In der Praxis bei der Beratung der Mitgliedsbetriebe oder beim Erstellen einer Checkliste für Unternehmen, die einen Asylbewerber oder -berechtigten einstellen möchten.

Seit dem 1. April unterstützt zudem Dr. Nicole Martín y Troyano das Team der IHK Stade. Die sogenannte Willkommenslotsin widmet sie sich der Fachkräfte- und Nachwuchssicherung aus der Gruppe der Zuwanderer, hier speziell der jungen Flüchtlinge unter 25 Jahren. Dafür eignet sie sich gleich doppelt: Als Halb-Spanierin sei ihr „das Thema Integration quasi in die Wiege gelegt worden“, sagte die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin lachend.

Basis ihrer Arbeit, die sich an die kleinen und mittleren Unternehmen richtet, ist der regionale Aktionsplan der IHK zur „Integration von jungen Flüchtlingen in das Berufsleben“. Der wiederum setzt vor allem auf Information, sowohl der Flüchtlinge als auch der Betriebe, auf Kooperation, zum Beispiel mit der Agentur für Arbeit, und auf Multiplikatoren, wie Sprachmittler oder Paten.

Die Früchte ihrer Arbeit wird Nicole Martín y Troyano aber wohl erst im kommenden Jahr ernten könen. Das Gros der Flüchtlinge sei noch nicht so weit, bereits jetzt eine Ausbildung antreten zu können, sagte sie und bezeichnete ihre Tätgkeit vor allem als „Erwartungsmanagement“. Derzeit sei vor allem Geduld gefragt, bei denen, die arbeiten wollen, und denen, die Arbeit anbieten. J kp

www.stade.ihk24/integration

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