Was schadet weniger?

Monitoring-Tour zur „Imkermischung Verden“ führt zu interessanter Diskussion

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Möglicherweise wird künftig weniger Raps angebaut. Viele Imker würde das vor Probleme stellen. 

Verden - Wie macht sich die bienenfreundliche „Imkermischung Verden“ auf den Feldern in und um Eissel? Zu einer Bestandsaufnahme im Rahmen einer Feldrundfahrt hatte der Initiator der „Imkermischung Verden“, Heinrich Kersten, gemeinsam mit dem Vizepräsidenten des Landvolks Niedersachsen, Jörn Ehlers, eingeladen.

Zu den 23 Teilnehmern gehörten auch Dr. Johanne Waßmuth vom Landwirtschaftsministerium in Hannover und Dr. Werner von der Ohe vom Bieneninstitut Celle. Weiter verstärkt wurde die Expertenrunde von Teilnehmern der Landwirtschaftskammer Verden und Uelzen und der Landberatung. Auch Landwirte aus den Landkreisen Verden und Uelzen, Imker sowie Vertreter aus Politik und Verwaltung fuhren mit.

2016 wurde die „Imkermischung Verden“ erstmals ausgesät. „Seitdem hat sich die Aussaatfläche im Landkreis Verden im Rahmen der Agrarumweltmaßnahmen von 150 Hektar auf über 270 Hektar in diesem Jahr stetig vergrößert und die Saat stößt überregional auf großes Interesse“, berichtete Kersten. Seit Anfang des Jahres ist die „Imkermischung Verden“ auch in Kleinmengen über den Onlineshop der Firma Wilkens in Langwedel erhältlich. Bereits über 13 000 Kilogramm der „Imkermischung Verden“ konnten so auch überregional verkauft werden.

Von den acht Feldern seines laufenden Monitorings hatte Kersten für die Rundfahrt drei repräsentative Flächen in Eissel und Schülingen ausgewählt. Trotz der vorangegangenen Trockenheit blühten auf allen Feldern bis zu fünf der elf Pflanzensorten.

Schon auf dem ersten Feld entwickelte sich unter den Teilnehmern ein konstruktiver Dialog. Viele merkten auf, als Dr. von der Ohe erwähnte, dass es Grund zu der Annahme gäbe, dass zukünftig weniger Raps angebaut werden wird, was einige Rapslandwirte aufgrund zunehmend geringerer Erträge der letzten Jahre bestätigten. Dieses würde die Imker vor Probleme stellen, da die Bienenvölker den Frühtrachthonig in Niedersachsen zu einem hohen Prozentsatz aus der Rapsblüte einfliegen.

Laut Landwirtschaftskammer betrug die Rapsanbaufläche 2017 im Landkreis Verden 3 000 Hektar, das sind neun Prozent der Anbaufläche. „Mit dieser Rapsmassentracht war immer eine gedeihliche Entwicklung der Bienenvölker gesichert. Sie war somit ein exzellenter Basisbaustein zur Absicherung geringer Winterverluste“, so Kersten. Ähnliches gelte gegebenenfalls auch für andere Bestäuber wie einige Wildbienen- und Hummelarten. Würde der Rapsanbau reduziert, wäre abzusehen wie sich diese geänderte Versorgungssituation mit Pollen und Nektar im Hinblick auf die Anzahl der Bienenvölker und Imker auswirken wird.

Unter Fachleuten besteht nach Angaben von Dr. von der Ohe Uneinigkeit darüber, ob die inzwischen verbotene Saatgutbeizung mit Neonikotinoiden weniger problematisch ist, als das Ausbringen von Insektiziden durch Spritzen in die Blüte. Nach Auffassung von der Ohes erscheint beim Raps die Beizung dem andernfalls notwendigen mehrmaligen Ausbringen des Pflanzenschutzmittels durch Spritzen für die Honigbienen weniger gefährlich.

23 Teilnehmer starteten vom Dorfgemeinschaftshaus Eissel zur Feldrunfahrt. 

Beizen des Saatgutes bedeutet, dass eine geringe Menge Pflanzenschutzmittel an dem Saatgutkorn angebracht wird, die notwendig ist, den Keimling und die Jungpflanze zu schützen. Vorteil der Beizung ist, dass der Schutz des Keimlings nur in seiner unmittelbaren Umgebung erfolgt, während bei einer Spritzung von Pflanzenschutzmitteln die gesamte Fläche zwischen den Pflanzen mit der Spritzbrühe benetzt und dadurch das Bodenleben und Kleingetier beeinträchtigt wird. „Den möglichen Beeinträchtigungen in der Orientierung der Bienen durch Rückstände in Nektar und Pollen aus der Beizung stehen nachweisliche subletale Effekte bei Bienen, die direkt von der Spritzmittelbrühe betroffen werden, gegenüber“, sagte von der Ohe. Grund für die kritische Beurteilung von Beizungen mit Neonikotinoiden seien die massiven Verluste von Honigbienen in Baden im Mai dieses Jahres. Dort habe es sich aber um die Beizung von Mais gehandelt, die zweifelsfrei bis heute wegen des Abriebs und der damit einhergehenden Staubentwicklung sowie des kontaminierten Guttationswassers an den Jungpflanzen als absolut bienengefährlich anzusehen ist. „Es bedarf immer einer differenzierten Betrachtung“, so der Leiter des Bieneninstituts.

Fazit der Abschlussrunde im Dorfgemeinschaftshaus Eissel war, dass sich das Blütenfließband der „Imkermischung Verden“ auch bei weniger Regen zum Wohle der Insekten realisieren lässt. Die Erkenntnisse und Eindrücke der Feldbesichtigungen wurden nochmals diskutiert und werden für die Optimierung der „Imkermischung Verden 2019“ berücksichtigt. 

ahk

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