Jetzt schon 1,5 Millionen Euro

Nach Rathaus-Attacke: Schaden wird immer größer

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Ein Blick in das neue Rathaus. Die Höhe des Schadens ist nur zu erahnen.

Verden - Der Brand im Rathausneubau liegt nun schon fast vier Wochen zurück. Die Schadenssumme hat sich mittlerweile auf 1,5 Millionen Euro erhöht, teilt die Stadtverwaltung mit. Viele Bürgerinnen und Bürger der Stadt fragen sich, was eigentlich genau passiert ist und wie lange noch der sogenannte Rathausneubau in der Ritterstraße gesperrt bleibt.

Am Sonntag, 9. April, wurde ein Fahrzeug vorsätzlich in den Eingangsbereich des Rathausgebäudes gelenkt und anschließend mit Brandbeschleuniger in Brand gesetzt. Hierdurch kam es zu einem offenen Feuer und einer umfangreichen Rußverschmutzung insbesondere im mittleren Gebäudeteil. Auch die beiden Seitenflügel, in denen die Bauaufsicht und das Ordnungsamt untergebracht sind, waren hiervon betroffen, heißt es im Pressetext.

Dank dem vorbildlichen Einsatz der Freiwilligen Feuerwehren wurde ein noch größerer Schaden verhindert. In verschiedenen Zeitungsberichten hatte der Rechtsanwalt des Schädigers unter anderem geäußert, dass die Brandstiftung aus Ärger über den Bau eines Mehrfamilienhauses auf dem Nachbargrundstück erfolgt sei.

Die Stadt Verden hat diese Aussagen zum Anlass genommen, die Sache zu überprüfen. Die Baugenehmigung sei zu Recht erteilt worden, betont die Stadtverwaltung. Obwohl nicht zwingend erforderlich, sei der Nachbar über die erteilte Baugenehmigung schriftlich informiert worden; er habe dagegen keine Einwendungen erhoben. Niemand konnte davon ausgehen, dass der Eigentümer des Baugrundstücks dieses auf Dauer unbebaut lassen würde.

Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung eingeschränkt

Es gebe daher keinen Grund und keine Rechtfertigung für die Brandstiftung am Rathaus. Der entstandene Schaden ist sehr groß für das Gebäude und insbesondere für die Leistungsfähigkeit der Stadtverwaltung und damit für die Stadt Verden insgesamt.

Neben regelrecht verbrannten Gebäudeteilen hauptsächlich im Eingangsbereich haben insbesondere die durch das offene Feuer verursachte Hitze und die dadurch bedingte Rußverschmutzung in weiten Teilen des Gebäudes erhebliche Schäden verursacht. Die Büros von 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind betroffen.

Nach dem Rathaus-Crash: Schaden steigt auf 1,5 Millionen Euro

Das Fachwerkgebäude, in dem unter anderem Mitarbeiter der Bauaufsicht und des Eigenbetriebes Abwasserbeseitigung untergebracht sind, konnte mittlerweile nach einer intensiven Reinigung wieder in Betrieb genommen werden. Das Gleiche gilt für den Trakt entlang der Johannisstraße, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes ihren Dienst wieder planmäßig verrichten. Beide Bereiche sind nur über einen Notausgang zu betreten, daher müssen sich Besucher vorab in der Zentrale im Historischen Rathaus anmelden, so die Stadtverwaltung.

Der Haupteingangsbereich mit seiner Glasfront in der Ritterstraße ist dagegen mit Holzplatten verschlossen. Auch der Zutritt im hinteren Eingangsbereich ist durch Bauzäune verstellt.

Akten werden von Fachfirma gereinigt

Der sogenannte Mitteltrakt des Rathausneubaus wird über mehrere Monate für das Rathausteam und damit auch für die Bürgerinnen und Bürger gesperrt bleiben. Da insbesondere im Erd- und Obergeschoss neben den Fluren so gut wie alle Büroräume mit Giftstoffen kontaminiert sind, ist eine vollständige Entkernung absehbar. Das bedeutet, dass neben der vollständigen Räumung aller Zimmer davon auszugehen ist, dass sämtliche nicht tragenden Innenwände und Deckenverkleidungen entfernt werden müssen. Da Versorgungsleitungen durch den Brand beschädigt wurden, muss auch beispielsweise die komplette Elektrik im Hause erneuert werden.

Selbst im Kellergeschoss ist eine Rußbelastung festzustellen. In diesem Bereich kommt hinzu, dass durch das eingetretene Löschwasser Feuchtigkeit in die Fußböden und Wände gelangt ist. Dieses wird eine vollständige Räumung der im Keller gelagerten Archive und anschließend aufwendige Trocknungsarbeiten zur Folge haben.

Wegen der gefährlichen Kontamination ist es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht ohne Weiteres möglich, an ihre Akten und sonstigen Unterlagen aus den Büros zu gelangen. Diese müssen von einer beauftragten Spezialfirma zunächst gereinigt werden, bevor sie wieder in die Hände der Mitarbeiter gelangen. Auch die historisch wertvollen Unterlagen im Stadtarchiv sind leicht vom Rauchgas belastet und müssen einer Spezialreinigung unterzogen werden.

Mitarbeiter rücken zusammen 

Noch am Montag nach dem Brand hat das Rathaus-Team im Historischen Rathaus ein Ersatz-Bürgerbüro eröffnet. In den verbleibenden Büros wurde zusammengerückt und innerhalb weniger Tage für mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Holzmarkt Ersatz-Arbeitsplätze geschaffen. Durch dieses beeindruckende Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelang in kurzer Zeit die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit. 

Fehlende Akten und längere Wege werden die Arbeit der Stadtverwaltung jedoch über Monate behindern. Unter www.verden.de und dem Stichwort „Rathaus nach dem Brand“ informiert die Stadtverwaltung über provisorische Erreichbarkeiten der Fachbereiche und Dienstleistungen.

Nach derzeitiger Einschätzung des Versicherers der Stadt beträgt der Gesamtschaden vermutlich mehr als 1,5 Millionen Euro. Diesen Schaden finanziert die städtische Gebäudeversicherung, die dann aller Voraussicht nach auf die Kfz-Haftpflichtversicherung des Halters des Tat-Autos zurückgreifen wird.

Als erste größere Maßnahme wird die Erneuerung der gläsernen Dachkonstruktion in Angriff genommen, damit das Gebäude wieder geschlossen ist. Der Rat der Stadt wird sich am 16. Mai mit den Folgen des Brandes beschäftigen und vermutlich richtungsweisende Beschlüsse fassen. Die Verwaltung empfiehlt, die Wiederherstellung der Räume für eine zeitgemäße Anpassung zu nutzen, so mit der Schaffung eines modernen Bürgerbüros.

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