Ausleihbare Ausstellung befasst sich mit Methoden des Antisemitismus

Juden in Verden: „Sara sei dein Name“

Stadtarchivar Dr. Björn Emigholz, seine Stellvertreterin Wencke Hinz und Bürgermeister Lutz Brockmann (v.l.) inmitten der Ausstellung.
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Hoffen auf viele Schulen und Institutionen, die sich die Ausstellung ausleihen: Stadtarchivar Dr. Björn Emigholz, seine Stellvertreterin Wencke Hinz und Bürgermeister Lutz Brockmann (v.l.).

Das Team des Verdener Stadtarchivs hat eine Ausstellung entwickelt, in der es um die Mechanismen des Antisemitismus im Nationalsozialismus geht. Die zehn leicht zu transportierenden Roll-ups sind ab sofort ausleihbar, auch über die Stadtgrenzen hinaus.

Verden - „Verschiedentlich beschweren sich bei mir Volksgenossen darüber, daß an schönen sonnigen Tagen der Rosengarten von den Juden bevölkert ist und die besten Plätze besetzt sind“, schreibt NSDAP-Ortsgruppenleiter Woltersdorf im Oktober 1940 an den damaligen Verdener Bürgermeister Eduard Lang. Zehn Monate später beschließt der Stadtrat daraufhin die Einführung sogenannter „Judenbänke“ in den öffentlichen Verdener Parks.

Der Antisemitismus prägte im Nationalsozialismus auch das Leben der Verdener Juden. Stolpersteine, das Mahnmal in der Ritterstraße und verschiedene Publikationen berichten von ihren Schicksalen.

Wie konnten Helfershelfer gewonnen werden?

Ergänzend dazu zeigt eine neue Wanderausstellung, „wie es geschehen konnte, eine komplette Bevölkerungseinheit zur schrittweisen Vernichtung zu verurteilen und den Rest der Bevölkerung als Helfershelfer zu gewinnen“, wie Stadtarchivar Dr. Björn Emigholz es formuliert. Zehn sogenannte Roll-ups führen den Betrachter zur Antwort: „Durch Gesetze und deren Verordnungen und Durchführungsbestimmungen.“

„Sara sei dein Name“ ist der Titel der Ausstellung, der an das Gesetz über die Änderung von Familien- und Vorname erinnert. Danach mussten jüdische Deutsche ab 1939 den zusätzlichen Vornamen Sara beziehungsweise Israel annehmen. Emigholz macht das Perfide und Zynische dieser Verordnung deutlich. So mussten die Betroffenen ihre Namensänderung selber beantragen und bezahlen.

Gemeinsam mit Wencke Hinz und Katie Hanisch arbeitete sich Emigholz durch das Stadtarchiv. Zu dritt wälzten sie Akten, Protokolle, Zeitungsartikel und befassten sich mit einzelnen Schicksalen. „Es ist wichtig, es mit persönlichen Geschichten zu verknüpfen“, betont Wencke Hinz. „Die Menschen können sich dann besser einfühlen.“

Aufforderung zum Gedankenexperiment

Auch ein kleines Gedankenexperiment soll beim Betrachter Empathie wecken und helfen, das System des Grauens in all seiner Absurdität zu verstehen. „Wir wollen ins Bewusstsein rufen, dass es Mechanismen gibt, die jeden treffen können“, erklärt Wencke Hinz. Und so fordern die Ausstellungsmacher dazu auf, das Wort „Jude“ im Stillen zu ersetzen, zum Beispiel durch „Rentner“ oder „Raucher“.

Die Verdener Werbeagentur sorgte für ein übersichtliches Layout, das es auch dem „Lesefaulen“ leicht macht, die wichtigsten Informationen wahrzunehmen. Rudi Klemm, Projektkoordinator vom Weser-Aller-Bündnis: Engagiert für Demokratie und Zivilcourage (Wabe), lieferte darüber hinaus einen Beitrag zu den aktuellen Formen und Gefahren des Antisemitismus.

Wabe-Koordinator Rudi Klemm setzte sich mit den aktuellen Gefahren des Antisemitismus auseinander.

„Wir haben im Bundestag schon wieder eine Partei sitzen, die von Überfremdung spricht“, deutet Emigholz an, was damit gemeint ist. Und mit einem Seufzer fügt er hinzu: „Ich fürchte, diese Ausstellung wird über lange lange Jahre aktuell bleiben.“

Die Ausstellung, gefördert vom Verdener Präventionsrat und von Wabe, ist ab sofort ausleihbar, auch über die Verdener Stadtgrenzen hinaus. Interessierte Einrichtungen können sich dazu an das Stadtarchiv wenden, E-Mail stadtarchiv-verden.de, Telefon 04231/12230.

Von Katrin Preuss

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