Abrissarbeiten am Allerufer kommen gut voran / Ballastgerüst sichert die Fassade

Sanitärschau steht noch

Ohne Helm und Sicherheitsschuhe können auch Wolfgang Tobias und Andreas Schreiber (v.r.) die Baustelle nur von außen betrachten. 
Fotos: Preuß
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Ohne Helm und Sicherheitsschuhe können auch Wolfgang Tobias und Andreas Schreiber (v.r.) die Baustelle nur von außen betrachten. Fotos: Preuß

Verden – Betreten – leider – verboten. Der Blick hinter die Fassaden bleibt der Presse beim Termin am Allerufer 8 verwehrt. Zu gefährlich. „Wenn da ein Balken herunterfällt ...“, sagt Wolfgang Tobias, Leiter der städtischen Abteilung Hochbau. Und schürt gleichzeitig die Neugier. Lange bevor die Stadt den roten Ziegelbau erwarb, war dort ein Sanitärbetrieb ansässig. Dessen Ausstellungsstücke, vom Waschbecken bis zum WC, stünden noch immer, berichtet Tobias lachend. Die Badkeramik werde jetzt im Zuge der Abrissarbeiten mit entsorgt.

Nach dem Entwurf des Oldenburger Architekturbüros Angelis und Partner bleibt die Fassade, obwohl nicht denkmalgeschützt, nahezu unverändert. Selbst die hohen Fenster der einstigen Turbinen- und Kesselhallen werden erhalten, um den Industriecharakter des Baus zu unterstreichen.

Innen passiert aber eine Menge. Das Gebäude werde nahezu komplett entkernt, sagt Tobias. Ein künstlerisch anmutendes Ballastgerüst, das die Straße Am Nordertor auf ihrer gesamten Breite einnimmt, sorgt dafür, dass die Fassade nicht kippt, wenn Wände und Fußböden weg sind.

Der Umfang des Umbaus ist auch der künftigen Nutzung der markanten Immobilie geschuldet. Die Decken des 1949 als Gaswaschanlage errichteten Hauses sind hoch und somit für Büros wenig zweckdienlich. 10,5 Millionen Euro sind allein für Um- und Ausbau veranschlagt. Inklusive (Wieder-)Herstellung von Parkplätzen, Gehwegen und anderen Außenanlagen sind 14 Millionen Euro kalkuliert.

Apropos Parken: Hier habe die Stadt langfristig noch eine Erweiterung im Sinn, verrät Tobias. Und zwar, wenn die alte Nordbrücke durch einen Neubau ersetzt worden ist. Dann, so Tobias, könnte über eine Verlegung der Böschung nachgedacht werden.

Angepeilt für den Abschluss der Arbeiten sei der Juli, berichtet Andreas Schreiber. Allerdings sei vertraglich eine zeitliche Reserve bis Ende 2021 vereinbart, so der Kämmerer. Bislang kann die Stadt als Bauherrin entspannt auf den Terminplan blicken. Trotz Auftragsboom und coronabedingter Lieferengpässe in der Baubranche. „Der Großteil der Gewerke ist vergeben“, sagt Wolfgang Tobias. Er rechnet damit, dass mit dem Einbau von Stützen und Decken im August begonnen werden kann. An böse Überraschungen, wie sie bei Sanierungen gerne mal auftreten, glaubt Tobias nicht. So sei der Industriebau beispielsweise „kein Asbestgrab“.

Im kommenden Jahr sollen nun Teile der Staatswaltschaft Verden ans Allerufer ziehen. Für 30 Jahre hat die Justiz sich eingemietet. Mit Option auf Verlängerung.

Der Behörde wird nach dem Einzug eine Bruttogeschossfläche von 3 000 Quadratmetern zur Verfügung stehen. „Und wir brauchen jeden Quadratmeter“, betont Wolfgang Tobias. Aufgrund des großen Platzbedarfs der Staatswaltschaft werde der linke Gebäudeflügel auch um ein Geschoss aufgestockt, erklärt Schreiber.

Immer umfangreichere Verfahren, ein Zuwachs an Aufgaben und damit an Personal nennt Oberstaatsanwalt Marcus Röske als Gründe für den steigenden Raumbedarf seiner Behörde. So seien allein seit 2016 die Zentralstellen für Korruption, Internetkriminalität und die Verwertung beschlagnahmter virtueller Währungen bei der Staatsanwaltschaft in Verden angesiedelt worden.

„Wir sind sehr froh“, kommentiert Röske die Anmietung. Andreas Schreiber findet ganz ähnliche Worte – und staunt fast ein wenig, als er daran erinnert, warum die Stadt das Gebäude ursprünglich gekauft hat: um es abzureißen für eine Erweiterung der Parkpalette.  kp

Kein „Walk of Fame“: Auf den weißen Platten wird das Gerüst zum Stützen der Fassade stehen.

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