1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden
  4. Verden

Salamitaktik bei Brückenbau in Verden-Dauelsen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Heinrich Kracke

Kommentare

Eine Visualisierung mit Bahnschienen.
Noch liegt ein Gleis in Richtung Rotenburg hoch oben auf dem Bahndamm in Dauelsen. Wird das Alpha-E-Projekt realisiert, werden es ein paar mehr sein, wie eine Visualisierung der Bahn belegt (Bild). Knackpunkt ist das Gleis ganz links, das in einem sogenannten Überwerfungsbauwerk über die Hauptstrecke Bremen-Hannover (unten im Tunnel) geführt und dann westlich an die Hauptstrecke herangeführt wird. Die kommende neue Eisenbahnüberführung über die B 215 wäre dafür aktuellen Plänen zufolge nicht ausgelegt. © bahn

Einigen schwant schon der Mega-Stau, und das nicht nur für ein paar Tage, sondern über Monate und Jahre. Es geht um die Eisenbahnbrücke über die B 215 in Dauelsen. 50 Meter entfernt soll sie neu errichtet werden, und zwar deshalb ein Stückchen entfernt, damit eine Vollsperrung vermieden wäre. Da hat also mal jemand mitgedacht. Das Problem aber: Schon ein paar Jahre später reicht die neue Brücke nicht mehr.

Verden – Dann wird die Bahnlinie von Verden nach Rotenburg für 1,2 Milliarden Euro ausgebaut. Zweispurig präsentiert sie sich dann, wo bisher eine Spur reichte. Und dann wird die neue Brücke unter Vollsperrung erweitert? Die Verdener CDU greift als erste das Thema auf. „Baut doch gleich eine Brücke, die den gesamten kommenden Schienenverkehr aufnehmen kann“, fordert sinngemäß Frank Medenwald.

Hochkomplexes Kompetenz-Gestrüpp der Bahn

Leicht gesagt, aber nur schwer umzusetzen im hochkomplexen Kompetenz-Gestrüpp der Bahn. „Also“, sagt Tobias Fritsch, Projektleiter für Bahn-Großprojekte im Norden Deutschlands, „also, zurzeit steht erstmal nur der Ersatzbau für die Altbrücke an.“ Dafür befinde sich ein Planfeststellungsverfahren in Vorbereitung. Die Rotenburg-Linie als Teilprojekt von Alpha-E sei etwas komplett anderes, da befinde sich die Bahn in der Abstimmung mit allen anderen, mit den Städten und Gemeinden zum Beispiel, das sei noch längst nicht so weit. Das einzige, was er sagen könne, so Fritsch: „Wir haben die Ausbaupläne übereinander gelegt. Das geht ja heute schon. Und das passt.“

Rathaus hält lange Sperrung für undenkbar

Zu den Alpha-E-Projekten könne er nichts beisteuern, auch natürlich nichts zu Vollsperrungen, die eventuell auf die Region zukommen. Das müsse in der tatsächlichen Bauvorbereitung geklärt werden. Also beim zweiten Brückenbau der Mega-Stau? Wohin die Reise tatsächlich geht, lässt auf Nachfrage Rainer Kamermann aus dem Rathaus Verden durchblicken. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir einer mehrmonatigen Vollsperrung der Bundesstraße zustimmen werden.“ Die Brückenerweiterung müsse halt so geplant sein, dass der Verkehr rollen kann. Höchstens einen oder zwei Tage unpassierbar, das sei wohl nicht abzuwenden, aber länger gehe nicht.

Eine mögliche zweite Variante komme ebenfalls nicht in Frage, ein späterer Ersatz für die Eisenbahnbrücke. Das Bauwerk stamme aus dem Jahr 1917, es habe das Laufzeitende erreicht. Zum Vergleich: die Aller-Nordbrücke war 1930 errichtet worden, sie wird gegenwärtig gegen einen kompletten Neubau ausgetauscht. Und auch die Eisenbahn-Allerbrücke wurde bereits erneuert. Klartext: Es pressiert in Dauelsen über der Bundesstraße.

Visualisierung auf Youtube

Um wirklich nachvollziehen zu können, was die Bahn aktuell plant in Dauelsen und was sie in sieben, acht Jahren vorhat auf der Strecke nach Rotenburg, sei eine Fahrt im Führerstand einer Lok von Verden aus in Richtung Walle empfohlen. Eine Fahrt am besten auf der zukünftigen Linie. Genau das erlaubt die Bahn in einer Visualisierung, die auf Youtube zu sehen ist (https://www.youtube.com/watch?v=bHYQ87k-BZA). Sehr schön zu entdecken, wohin die Reise zwischen dem ehemaligen Grünen Jäger und dem Kreisel mit Abzweig auf die Achimer Straße geht. Bisher liegt dort hoch oben auf dem Bahndamm ein Gleis in Richtung Rotenburg. Künftig werden es drei sein. Die Strecke wird nicht nur zweispurig ausgebaut, sie erhält auch noch einen komfortableren Anschluss in Richtung Nienburg an der Hauptstrecke Bremen-Hannover. Ein zusätzliches Gleis wird dafür aus Richtung Rotenburg über die Hauptstrecke gelegt und westlich an die Hauptstrecke wieder herangeführt. Die Bahn begründet diesen Ausbau mit dem Kollisionsrisiko, das im Verdener Bahnhof bestehe. Aktuell müssen Züge aus Rotenburg über mehrere Weichen an die Hauptstrecke nach Hannover herangeführt werden.

Die CDU fordert, das Bauwerk über die B 215 komplett schon auf Zukunft auszurichten. Medenwald: „Bei der gesamten Planung hinsichtlich der Alpha E-Maßnahmen wurde immer wieder auf die Komplexität dieser riesigen Maßnahmen hingewiesen und wie wichtig ein umsichtiges und cleveres Baustellenmanagement sein wird. Wäre die B 215 dann in diesem Bereich ohne Baustelle, würde das zu einer wesentlichen Entlastung führen.“

Eine Eisenbahnüberführung.
Sie gilt als eine der ältesten Brücken der Stadt: Die Eisenbahnüberführung über die B 215 wurde 1917 errichtet. Sie hat allmählich ihr Laufzeitende erreicht. © Kracke

Auch interessant

Kommentare