Streik ohne Beeinträchtigungen für Nahverkehr / Verdi-Kritik an VWE

Arbeitskampf bei „AllerBus“: Ruf nach drei Euro mehr pro Stunde

Auch Beschäftigte von „AllerBus“ in Verden kämpfen für mehr Lohn. Kollegen in anderen Regionen Niedersachsens erhalten mehr Geld für die gleiche Arbeit.
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Auch Beschäftigte von „AllerBus“ in Verden kämpfen für mehr Lohn. Kollegen in anderen Regionen Niedersachsens erhalten mehr Geld für die gleiche Arbeit.

Die Gewerkschaft Verdi rief für Sonnabend Beschäftigte im Öffentlichen Personennahverkehr zum Streik auf. Auch „AllerBus“-Fahrer legten die Arbeit nieder.

  • Um ihrer Forderung nach mehr Lohn Nachdruck zu verleihen, rief die Gewerkschaft Verdi für Sonnabend zum Streik im ÖPNV auf.
  • Für drei Euro mehr pro Stunde und landesweit einheitliche Tarife legten auch „AllerBus“-Fahrer in Verden die Arbeit nieder.
  • Die Verdener Verkehrsgesellschaft setzte auswärtige Unternehmen ein, um Beeinträchtigungen im Busverkehr abzufedern. Dafür gab es scharfe Kritik von der Gewerkschaft.

Verden – Trotz des Streiks im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist es weder zu Staus noch zu spürbaren Verzögerungen im Verdener Stadtgebiet und in den umliegenden Ortschaften gekommen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hatte anlässlich der laufenden Verhandlungen für die Tarifgruppe Verkehrsbetriebe Niedersachsen ihre Mitglieder für den vergangenen Sonnabend aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

Zwar sind die Busse im Depot der Verdener Verkehrsgesellschaft geblieben, doch die Fahrgäste haben flexibel reagiert. Sie wichen auf alternative Beförderungsmittel aus oder verzichteten angesichts des stürmischen Wetters sogar gänzlich auf eine geplante Fahrt.

Busfahrer von auswärtigen Unternehmen waren als Streikbrecher eingesetzt.

Außerdem hatte die Verden-Walsroder Eisenbahn (VWE) für bestreikte „AllerBus“-Linien andere Anbieter engagiert. Einen Umstand, der Gewerkschaftssekretär Franz Hartmann verärgerte. Die VWE habe als einziges Unternehmen Busfahrer eines auswärtigen Subunternehmens als Streikbrecher eingesetzt, so Hartmann. „Wir kündigen den Streik zwei Tage vorher an, damit sich die Fahrgäste rechtzeitig darauf einstellen können. Diesen organisierten Streikbruch des Unternehmens kritisieren wir scharf. Er ist für alle ÖPNV-Unternehmen in Niedersachsen beispiellos.“

Grund für den Streik war nach Aussage Hartmanns der enttäuschende Verlauf der bisherigen Verhandlungsrunde auf Landesebene. Die Unternehmen hätten kein tragfähiges Angebot gemacht. Laut Hartmann befinden sich die Beschäftigten im Flächentarifvertrag außerhalb der großen Metropolen wie Hannover und Braunschweig gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi in Tarifverhandlungen mit dem Arbeitgeberverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (AVN) um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen.

Nachdem die Arbeitgeber zum wiederholten Male kein abschlussfähiges Angebot vorgelegt hatten, hat Verdi den Druck erhöht. Beschäftigte in Lüneburg, Salzgitter, Buxtehude, Hameln, Stade, Zeven und Verden waren von Dienstbeginn bis Dienstschluss zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Bislang maximal 14,05 Euro die Stunde brutto

Nach Aussage von Hartmann beteiligten sich an den „AllerBus“-Standorten in Verden und Walsrode Busfahrer und Busfahrerinnen an dem Warnstreik. Nach den konkreten Forderungen befragt, antwortete Hartmann, dass es um eine spürbare Lohnerhöhung gehe. Bislang könnten die Beschäftigten selbst nach jahrzehntelanger Betriebszugehörigkeit maximal 14,05 Euro die Stunde brutto erreichen.

Der Gewerkschaftssekretär nannte zum Vergleich einen anderen Flächentarifvertrag, der beispielsweise für Beschäftigte des Nahverkehrs in Hannover, Osnabrück und Göttingen gilt. Laut diesem TV-N erhielten die Mitarbeiter bereits als Einsteiger 15,33 die Stunde brutto. „Wir fordern daher drei Euro mehr pro Stunde mit einer Laufzeit von 24 Monaten“, sagte er.

Die Streikenden in Verden blieben am vergangenen Sonnabend ausgesperrt.

Zudem wolle die Gewerkschaft mit dem Streik deutlich machen, wie ungerecht die unterschiedliche Bezahlung in der Region sei. Es dürfe schlichtweg nicht sein, dass Busfahrer für die gleiche Tätigkeit unterschiedlich entlohnt würden.

Zudem spielten ökologische Aspekte für Verdi eine Rolle. Wenn in der Fläche die Verkehrswende gelingen solle, seien faire Löhne und attraktive Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im ÖPNV nötig.

Dass die finanzielle Lage der Verkehrsunternehmen angesichts der Corona-Krise angespannt sei und der Arbeitgeberverband AVN des Nahverkehrsunternehmens die Auffassung vertritt, dass im Interesse des Erhalts von Arbeitsplätzen Augenmaß und tarifpolitische Vernunft erforderlich wären, vermag Hartmann absolut nicht nachollziehen. „Geld ist ausreichend da“, meinte er und verwies dabei auf den Rettungsschirm, mit dem der Staat den ÖPNV stütze. Der Gewerkschaftssekretär: „Die Arbeitgeber nutzen die Pandemie, um den Beschäftigten ihre Lohnerhöhung bei weiterhin steigenden Lebenshaltungskosten vorzuenthalten. Dabei sind schon weitere Staatshilfen für Einnahmeausfälle auf der politischen Zielgeraden.“

In dieser Woche, am Donnerstag, 18. März, geht es in die nächste Verhandlungsrunde um den Tarifvertrag, unter den nach Gewerkschaftsangaben rund 2 500 Beschäftigte fallen.

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