Transparenzbericht vorgelegt

Rückenwind für Campact-Arbeit: Spenden führen zu Einnahmerekord

Junge Menschen auf einer Fridays for Future-Demo mit Masken und Transparenten.
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Fridays for Future-Demos wurden im Corona-Jahr eine schwierige Aufgabe, auch für die Arbeit von Campact.

Campact hat im vergangenen Jahr einen Einnahmerekord erzielt. Die Spendenbereitschaft der Unterstützer war entsprechend groß.

Verden/Berlin – Als der Bundesfinanzhof 2019 zunächst Attac und dann auch der Bürgerbewegung Campact die Gemeinnützigkeit entzog, war das eine existenzbedrohende Entscheidung. Beide Organisationen, die ihre Keimzelle im Verdener Ökozentrum haben, mussten damit rechnen, dass die Spenden, mit denen sie ihre engagierte Arbeit finanzieren, wegbrechen.

In seinem Transparenzbericht 2020, den Campact nun vorlegte, kann der Verein, der sich für Klimaschutz und Demokratie einsetzt, eine Bilanz vorlegen, mit der er gestärkt aus dem zusätzlich schwierigen Corona-Jahr hervorgeht. Mit diesem Rückenwind will sich die Bewegung auch im Wahljahr positionieren.

Die Kampagnen, in denen sich Campact ebenso gegen Rechtsextremismus wie für eine wirksame Politik gegen die Klimakrise einsetzt, hat der Bürgerbewegung seit ihrer Gründung 2004 den Aufbau einer beachtlichen Organisation ermöglicht. Mittlerweile ist ein großes Heer von Unterstützern von der Arbeit überzeugt. Deren Spenden bilden die Einnahmen, mit denen Campact Proteste und deren öffentlichkeitswirksame Gestaltung organisiert und finanziert hat. Im Lauf der Jahre wuchsen sie zu Millionenetats heran. 2018 überschritten sie die Zehn-Millionen-Grenze, und als der Bundesfinanzhof im Jahr darauf seine folgenschwere Entscheidung traf, summierten sich die Spendeneinnahmen auf 12,6 Millionen Euro.

Christoph Bautz berichtet.

Schwarmfinanzierung hilft Campact

Das Gros dieser Einnahmen stammt von einer großen Zahl von Einzelspendern, deren Beitrag im Durchschnitt unter zehn Euro liegt: Schwarmfinanzierung heißt das im Transparenzbericht, der Einblick in Finanzen und Arbeit der Organisation geben soll. „Genau so transparent, wie wir es von anderen verlangen“, erklärte Mit-Geschäftsführer Christoph Bautz gestern, als er die Jahresbilanz in einer Pressekonferenz vorlegte.

„Wir sind in einer Sondersituation“, kommentierte Bautz die komfortable Lage der Bewegung. Nicht zuletzt mit ihrer großen Unterstützergemeinde. Mit seinem Newsletter allein erreicht der Verein 2,3 Millionen Empfänger. Die sozialen Medien haben vor allem bei der jüngeren Klientel große Bedeutung erlangt. „150.000 Follower auf Twitter und 650.000 Fans auf Facebook“, zählte Bautz auf. Die Älteren erreiche man besser per E-Mail.

Campact ein „wichtiges Standbein der Zivilgesellschaft“

Kleinere Organisationen, die der Richterspruch ebenso getroffen hat wie Campact, seien in massive Probleme geraten, berichtete Bautz: „Die wurden praktisch mundtot gemacht.“ Die Frage der Gemeinnützigkeit ist für ihn deshalb auch noch nicht vom Tisch. „Wir sind ein wichtiges Standbein für die Zivilgesellschaft. Aber eine Reform des Gesetzes ist am Widerstand der CDU gescheitert.“

Mit dem Wegfallen der Gemeinnützigkeit musste der Verein aber gerade hier mit Einbrüchen rechnen, weil ein Anreiz für die Spender wegfiel, die Quittung für ihre Steuererklärung. „Das Gegenteil ist passiert“, konnte er feststellen. 86 000 Menschen verzichteten auf Quittungen und steigerten die freiwillige Förderung um sechs Prozent.

Etat von 13,7 Millionen Euro für Campact aus Verden

Mit einem Etat von 13,7 Millionen Euro konnte die Bürgerbewegung ihre Arbeit fortsetzen, die mittlerweile auch in Berlin zwei feste Standorte hat. Und nicht wenige ihrer Kampagnen haben bundesweite Aufmerksamkeit erlangt. Etwa die 13 000 Stühle vor dem Kanzleramt oder die große Demo zum Klimastreik in Berlin im September.

Im Corona-Jahr allerdings musste Campact die Routine seiner Arbeit verlassen. Schon vor dem Ausbruch der Pandemie sei es beschlossene Sache gewesen, die regelmäßigen Meetings im Verdener Ökozentrum ins Internet zu verlegen. Damit sollte das Pendeln der Berliner Teilnehmer verringert werden. Diese Entwicklung habe Corona natürlich beschleunigt. Ebenso wie auch die anderen Arbeitsbereiche, die genauso gut im Homeoffice erledigt werden können.

Verden bleibt ein besonderer Ort für Campact

„Verden bleibt aber ein besonderer Ort für Campact. Ungeachtet von der Remote-Arbeit kommen wir auch künftig im Ökozentrum in regelmäßigen Abständen als Team zusammen“, ergänzte Pressereferentin Iris Rath.

„Viele ‘Offline-Formen’ von Protest und Engagement waren schwer zu organisieren“, erklärte Geschäftsführer Bautz die praktischen Folgen der Corona-Pandemie für die Bewegung. Neue Formen mussten die Arbeit im Internet, Petitionen und Kampagnen, ergänzen. Menschenketten mit Bändern, die Abstand und Verbundenheit zugleich gewährleisteten, Fahrraddemos, bedruckte Masken und vieles mehr seien gefunden worden.

Bewegung besitzt Bissigkeit auch gegenüber den Grünen

Gerade an Corona hätten sich auch für Campact die Geister geschieden. „Wir müssen uns positionieren“, sei der Bewegung schnell klar gewesen, und so habe sie offen gegen Querdenker-Demos Stellung bezogen. Das habe nicht von allen Seiten Unterstützung erfahren.

Ähnlich klar will sich Campact im Wahljahr 2021 zeigen. „Das muss eine Klimawahl werden“, fasste Bautz das Ziel zusammen. Dabei wollen er und die etwa 90 anderen Beschäftigten parteipolitisch unabhängig bleiben. „Natürlich gibt es da Schnittmengen mit den Grünen. Aber gerade weil sie so stark sind, müssen wir uns unsere Bissigkeit auch gegenüber den Grünen bewahren“, machte Bautz deutlich, dass es keine Wahlempfehlung geben werde. „Alle Parteien müssen sich weiterentwickeln, wenn es beim Ziel bleiben soll, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.“

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