Sachorientiert, bürgernah und nicht nach bestimmter Ideologie

Rosebrock will in Verden für frischen Wind sorgen

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Den Erfolg im Blick: Kai Rosebrock bei einer Partie Boccia im Bürgerpark. 

Verden - Zielstrebig greift er sich die blauen Kugeln, setzt zum Wurf an und trifft direkt im ersten Versuch das kleine rote Bällchen, auch Pallino geannt. Er lächelt siegessicher. Es ist das perfekte Wetter für eine Boccia-Partie im Bürgerpark. Und auch wenn es noch so komisch klingen mag, sich während eines Spiels als Bürgermeisterkandidat vorzustellen, ist es genau das, wofür Kai Rosebrock (Freie Wähler) steht: „Ich will eingefahrene Wege aufbrechen“, wird er im Rahmen des Gesprächs mit der VAZ noch öfter betonen.

Während er eine Runde nach der anderen gewinnt, erzählt Rosebrock von den Anfängen seines politischen Interesses. „An der Realschule hat mich unsere Geschichtslehrerin immer dazu animiert, über den Tellerrand zu blicken“, berichtet er. Das sei für ihn der Startschuss gewesen. Er habe sich zu dem Zeitpunkt erstmals gefragt, was er im Leben überhaupt erreichen will. „Ich habe angefangen, mich mit dem Schicksal anderer zu beschäftigen.“

In der zwölften Klasse habe er dann eine schulische Ehrenrunde gedreht. „Ich habe ein Jahr damit verbracht, in einem Ego-Shooter-Spiel auf dem Computer in die Top Ten zu kommen“, gesteht er. Er habe es geschafft, europaweit den achten Platz zu belegen, jedoch kam schnell die Einsicht, dass „die Leistung, die ich im Internet erbringe, weg ist, sobald das Spiel nicht mehr gezockt wird“. Er habe etwas erreichen wollen, was langfristig Bestand hat.

So ist er knapp ein halbes Jahr später erstmals mit der Kommunalpolitik in Kontakt gekommen. Der Auslöser war ein undichtes Dach in den BBS Verden. Um den Missstand zu beheben, hat sich Kai Rosebrock in den Schülerrat wählen lassen – mit Erfolg.

Von Gleichgültigkeit verärgert

Kurze Zeit später stand er vor dem Kreistag, um von dem Problem zu erzählen. „Es hat sich niemand dafür interessiert“, weiß er noch heute. Ein CDU-Politiker habe sogar versucht, ihn mit einem CDU-Sticker zu besänftigen. „Es hat nichts gebracht. Noch heute regnet es rein. Das ist ein peinlicher Zustand“, kritisiert Rosebrock.

Diese Gleichgültigkeit der Politiker habe ihn sehr verärgert. Sogar so sehr, dass er im Dezember 2012, als „jugendlicher Rebell“, beschlossen hat, „den Alten ihre Sitze wegzunehmen“. Daraufhin trat er der Piratenpartei bei. „Mich überzeugte der frische Wind und die Nähe zu den Bürgern“, erinnert sich Rosebrock.

Wenig später zog es ihn nach Stralsund für ein Studium der Software-Entwicklung und Medieninformatik. „Das war aber mehr so Programmierung auf Papier, zu realitätsfern für mich“, begründet er die Entscheidung, das Studium abgebrochen zu haben. Er kehrte in die Heimat zurück und startete an der Hochschule Bremen erneut ein Medieninformatik-Studium – dieses Mal mit Erfolg. Seit rund zwei Monaten hat Kai Rosebrock seinen Bachelor in diesem Fach,

Für ein Semester in Jordanien

Während seines Studiums lebte Rosebrock für ein Semester in Jordanien. „Kurz vorher war ich erst in den Stadtrat gewählt worden“, erinnert er sich. Noch heute bedauere er es, dadurch Gespräche zum Beispiel über die Nordbrücke und die Kaufhalle verpasst zu haben. Das Vorhaben zur Nordbrücke finde er zwar nicht schlecht, „man hätte es aber durchaus moderner angehen können“. Die Gestaltung eines sogenannten Van-Gogh-Radwegs sei realisierbar gewesen. „Ich bin sowieso dafür, generell auf die kulturellen Aspekte zu setzen. Ab 18 Uhr sind die Bordsteine in Verden hochgeklappt“, bedauert Rosebrock, der kein Geheimnis daraus macht, noch viel lernen zu müssen. „Ich war und bin sehr unerfahren in der Politik. Noch heute wird mir des Öfteren gesagt: ,Für diese Anmerkung sind wir in der falschen Bauphase.‘ Es gibt noch einige Wege, die ich lernen muss.“

Daran habe auch der Parteiwechsel nichts verändert. Seit etwa zwei Jahren ist Rosebrock Mitglied der Freien Wähler, Kreisvereinigung Aller-Wümme. „Mir hat die Unterstützung gefehlt“, nennt er einen Grund für seinen Ausstieg aus der Piratenpartei. Die Freien Wähler hätten ihm besonders zugesagt, weil sie „bürgernah, sachorientiert und nicht nach einer bestimmten Ideologie arbeiten – sondern nur nach der Faktenlage“, so Rosebrock, der laut eigener Aussage generell gegen ein Parteiendenken ist und sich mehr gemeinsame Arbeit wünscht.

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Für Rosebrock ist klar, dass er frischen Wind ins Verdener Rathaus bringen würde. „Ich bin noch nicht so eingefahren, würde neue Wege beschreiten“, sagt er. Unter anderem möchte er Steuerausgaben transparenter darstellen. „Wenn öffentliche Gebäude von Steuern der Bürger getragen werden, sollte es auch möglich sein, dass die Bewohner diese Räume nutzen können“, findet Rosebrock. Das würden viele große Städte bereits so machen. „Warum sollte das Verden in Zukunft nicht auch können?“

VAZ fragt nach... Rosebrock antwortet:

Warum wollen Sie Bürgermeister der Stadt Verden werden?

Rosebrock: Die Chance, dass ich Bürgermeister der Stadt Verden werde, ist nicht sehr groß. Trotzdem möchte ich die Bürger auf bestimmte Themen aufmerksam machen. So kann ich Druck auf Jens Richter (CDU) und Lutz Brockmann (SPD) aufbauen. Ich denke sowieso, dass die beiden nicht die besten Kandidaten sind. Beide nutzen ihre lange eingefahrenen Wege. Die will ich gerne aufbrechen. Wie würde Ihr erster Tag als Bürgermeister aussehen? Rosebrock: Schwere Frage. Ich denke, ich müsste erst einmal von den Fachbereichsleitern auf den aktuellen Stand gebracht werden, obwohl ich bereits gut informiert bin. Meine erste Amtshandlung würde auf jeden Fall die Aller-Promenade betreffen. Wir brauchen das Gefühl, dort etwas erleben zu können. Welche drei Gegenstände würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen? Rosebrock: Ein Schweizer Taschenmesser, eine leere Dose zum Aufbereiten von Wasser und ein Kochbuch für exotische Früchte. 

Auf dem neuesten Stand bleiben

Weitere Informationen über den Wahlkampf von Kai Rosebrock erhalten Interessierte auf der Partei-Internetseite www.freiewaehler-verden.de und auf Instagram. Dort informiert Rosebrock regelmäßig über den aktuellen Stand im Wahlkampf, zum Beispiel über die Plakate und Veranstaltungen. Apropos. Jeden zweiten Mittwoch findet im Akzent Hotel Höltje der Stammtisch der Freien Wähler statt. Der nächste Termin ist der 8. Mai. Los geht es um 19.30 Uhr. „Gäste sind herzlich willkommen“, so Rosebrock.

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