Spezialfirma, TÜV und Stadt beteiligt

Nach sechsmonatiger Sperrung: Magic-Park-Achterbahn rollt wieder

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Eine Gondel der Achterbahn hatte sich während der Fahrt mit Insassen an Bord aus den Gleisen gelöst. 

Bei einem Achterbahn-Unfall im Magic Park Verden ist zum Saisonauftakt eine Gondel der „Eisernen Schlange“ entgleist. Bei Facebook brach deshalb ein „Shitstorm“ los. Bei einem zweiten Unfall wurde ein Mitarbeiter des Parks verletzt, als die Achterbahn am Folgetag getestet wurde. Jetzt ist die „Eiserne Schlange“ wieder freigegeben. 

Update, Freitag, 4. Oktober: 

Nach genau sechs Monaten geht die Familienachterbahn „Eiserne Schlange“ im Ritter Rost Magic Park Verden wieder in Betrieb. Im Laufe dieser Zeit seien an der Attraktion umfangreiche Reparatur- und Verschönerungsarbeiten vorgenommen worden, heißt es in einer Pressenotiz des Parks. Die Achterbahn wurde vom TÜV Nord Essen und der Bauaufsichtsbehörde in Verden wieder für den Betrieb freigegeben.

Aus diesem Anlass erhalten alle Kinder bis zwölf Jahre, die den Park bis Sonntag besuchen, eine Freikarte für die nächste Saison. Die Bahn war außer Betrieb, weil im April eine ihrer Gondeln aus den Schienen gesprungen war.

Update, Mittwoch, 3. April:

Eine Spezialfirma hat am Montag den Zug der Magic-Park-Familienachterbahn „Die Eiserne Schlange“ von den Gleisen gehoben und abtransportiert. Die Experten untersuchen nun in Kooperation mit dem TÜV die Ursache für den Unfall am vergangenen Samstag.

Zuvor hatte der TÜV die betroffene Gondel und die Schiene der Achterbahn überprüft. Eine Antwort, warum es trotz der kurz zuvor erfolgten Kontrolle eines TÜV-Sachverständigen zu dem Unfall kommen konnte, war auch nach dieser Überprüfung nicht zu finden, berichtete Park-Geschäftsführer Thomas Lewandrowski am Mittwoch. 

TÜV weist Spezialfirma bei Überprüfung an

Anhand der Sicherheitsvorgaben des TÜV soll sich die Firma nun ausführlich mit der Fehlersuche beschäftigen. Lewandrowski schätzt, dass diese Arbeiten mindestens vier Wochen dauern werden. Da es keinen Ersatzzug gibt und nicht auszuschließen ist, dass das Problem an der Schiene der Achterbahn zu finden ist, bleibt die Attraktion bis dahin geschlossen, ist der Parkbetreiber überzeugt.

Gegenüber der Deutschen Presseagentur bestätigte Birgit Koröde von der Bauaufsicht der Stadt Verden, dass der Park jährlich überprüft werde und Mängel der Stadt mitgeteilt werden müssten.  Auch dass mehrere weitere Attraktionen am Wochenende nicht funktioniert haben sollen, will die Bauaufsicht nachgehen. „Wir sind in Gesprächen mit dem Betreiber, ob weitere Fahrgeschäfte überprüft werden müssen", sagte Koröde.

Thomas Lewandrowski ist seit den Planungen für die vergangene Saison an der Seite von Giovanni Sepe als Magic-Park-Geschäftsführer tätig. Ihr Ziel seitdem: dem 2002 beim Amtsantritt von Sepe in Magic Park umbenannten Märchenpark ein frisches Gesicht zu geben. In diesem Jahr kam zudem die Kooperation mit den „Ritter Rost“-Rechteinhabern zustande. Überall im Park sind seitdem die Figuren aus den beliebten Kinderbüchern und Hörspielen allgegenwärtig.

Ursprüngliche Meldung, 1./2. April:

Verden - Wenige Stunden nach der Eröffnung der Saison im Magic Park Verden ist auf dem Gelände eine mit zwei Personen besetzte Gondel der Achterbahn „Die Eiserne Schlange“ aus der Schiene gesprungen. Der Vorfall am Samstag löste bei vielen Anwesenden Angst aus, nennenswert verletzt wurde laut Angaben des Magic Parks niemand. Dennoch: Ein denkbar schlechter Tag für das Magic-Park-Team in Verden.

Im Internet berichteten mehrere Besucher im Anschluss an den Unfall am Samstag von unterschiedlichsten Problemen, die ihnen die Eröffnung des Parks gründlich vermasselten. Neben einer allgemeinen Empörung äußerten viele Facebook-Nutzer ihre Bedenken, den Park aus Sicherheitsgründen überhaupt noch besuchen zu wollen.

Für Thomas Lewandrowski ist das alles andere als eine Kleinigkeit. Im Gespräch mit kreiszeitung.de reagiert der Betreiber des „Ritter Rost Magic Parks“ auf den „Shitstorm“ und bat alle Gäste, die bei dem Vorfall dabei waren, um Entschuldigung: „Wir bedauern den entstandenen Schrecken zutiefst und sind erleichtert, dass zumindest körperlich niemand verletzt wurde.“

Magic-Park-Mängelliste bei Facebook

Die von den Usern aufgestellte Mängelliste ist lang: Neben der Achterbahn, die nach dem Unfall ab dem frühen Nachmittag nicht mehr im Betrieb war, seien regelmäßig andere Fahrgeschäfte ausgefallen oder gar nicht im Betrieb, heißt es bei Facebook sowohl auf der Seite des Parks als auch in einer Gruppe für Bürger und Freunde der Stadt Verden. Andere Besucher berichteten von starken Verunreinigungen im Park oder unmotivierten und offenbar unqualifiziert handelnden Mitarbeitern.

Michael Curras Varela und seine Joana sitzen kurz vor dem Unfall in der Achterbahn „Die Eiserne Schlange“.

Die Familie, die beim Unfall der Achterbahn mittendrin war, sind Michael Curras Varela (31) mit Frau Bianca (28) und ihre beiden Kindern Leo (7) und Joana (4). Alle vier hatten in der Achterbahn Platz genommen, die kurz nach dem Start aus den Schienen sprang. „Es war der Horror“, erinnert sich Curras Varela. „Die Gondel kippte in einer Kurve nach links, ehe der komplette Zug auf einer leichten Anhöhe stoppte und dann plötzlich rückwärts fuhr“, schilderte er in einem Telefonat seine Erlebnisse. 

Beim Achterbahn-Unfall krachte und quietschte es

Es krachte, quietschte und auch Öl sei ausgetreten, so seine Erinnerung. Ein paar Mal sei die Bahn hin und her gependelt, dann habe er seine Tochter gepackt und aus der Gondel geworfen, so Curras Varela. Er selbst sei aus der Gondel, habe sich an den Zug geklammert, um ihn irgendwie zu stoppen. „Schließlich saßen da ja auch noch meine Frau und mein Sohn drin.“ 

Als die Bahn zum Stillstand gekommen sei, habe er die beiden gepackt und aus der Gondel geholt. „Wir sind dann direkt zum Ausgang, haben unser Eintrittsgeld zurückverlangt und wollten nur noch weg. Wir stehen noch alle unter Schock“, so der 31-Jährige.

Negative Besucher-Kommentare bei Facebook

Mehreren hundert vor allem verärgerten Kommentaren stand Lewandrowski am Sonntag kurz nach Beginn der Saison gegenüber - und reagierte mit einem Facebook-Statement, in dem das Team zum Achterbahn-Unfall am Samstag Stellung bezog: „Aus bisher noch ungeklärten Gründen kam es zu einem Defekt an einem der Wagen mit hoher Geräuschentwicklung. Geistesgegenwärtig hat unser Mitarbeiter unverzüglich den Notaus der Bahn eingeleitet, um schnell Sicherheit für alle Fahrgäste herzustellen“, heißt es dort. 

Um die Sicherheit aller Besucher zu gewährleisten, arbeitet das Magic Park-Team eng mit dem TÜV und dem Landkreis Verden zusammen. Am Ende einer Saison erstellt ein Prüfer eine Übersicht an notwendigen Reparatur, die im Winter abgearbeitet werde. Nur wenn ein Sachverständiger kurz vor Saisonstart mit der geleisteten Arbeit zufrieden ist, reicht er seine Freigabe an den Landkreis weiter und gibt jede einzelne Attraktion im Verdener Märchenpark frei.

Achterbahn bis auf weiteres außer Betrieb

Am Montag konnte Lewandrowski mit Blick auf die Achterbahn noch keinen neuen Sachstand mitteilen. Die „Eiserne Schlange“ werde sicherlich über das kommende Wochenende hinaus außer Betrieb bleiben und erst nach einer umfassenden Reparatur und Überprüfung wieder in Fahrt gesetzt werden. 

Am Sonntag mussten allerdings erst einmal Einsatzkräfte von Polizei und Rettungsdienst in den Märchenpark eilen. Ein Mitarbeiter war von der Achterbahn erfasst worden, während diese im Testbetrieb über die Gleise fuhr. Weitere Personen waren laut Thomas Lewandrowski an diesem Unfall nicht beteiligt. Der Mitarbeiter brach sich bei dem Unfall ein Bein.

Polizei am Samstag nur über Dritte informiert

Im Gespräch mit kreiszeitung.de berichtete Polizeisprecherin Imke Burhop am Dienstag über die Achterbahn-Unfälle. Am Samstag war die Polizei Verden demnach nur über Dritte von dem Vorfall informiert worden. Da keine Straftat oder eine fortbestehende Gefahr bestand, leiteten die Beamten den Sachverhalt an die Bauaufsicht der Stadt Verden weiter.

Den Vorfall, bei dem am Sonntag kurz nach 11 Uhr ein 60 Jahre alter Mitarbeiter des Magic Parks schwer verletzt wurde, ordnen die Beamten als Betriebsunfall ein. Ursache sei nach aktuellem Stand der Ermittlungen ein menschliches Fehlverhalten. Bei Wartungsarbeiten an einer außer Betrieb genommenen Achterbahn wurde der Mann laut Burhop von dieser Bahn erfasst.

„Die Eiserne Schlange“ fuhr bereits am Sonntag wieder zu Testzwecken auf den Gleisen.

Dass im Zuge dieser Ereignisse weitere Probleme bei Facebook zur Sprache gebracht werden, kann der Parkbetreiber gut verstehen. „Da hat sich ein Automatismus in Gang gesetzt, wie er in Sozialen Medien oft zu beobachten ist.“ Einfach ins Reich der Übertreibungen und Unwahrheiten möchte Lewandrowski die Beschwerden aber nicht schieben. „Wir haben zum Saisonstart und dem Wechsel in den Dauerbetrieb der Fahrgeschäfte mit vielen kleineren Probleme zu tun gehabt. Solche Ereignisse potenzieren sich dann auch mal.“ 

Magic Park wegen zahlreicher Gäste mit Problemen

Am Samstag seien bei gutem Wetter sehr viele Gäste in den Magic Park gekommen. Unter anderem erhalten alle Kinder an ihrem Geburtstag freien Eintritt. Wer im Winter ein Jahr älter wurde, hat die Möglichkeit, dieses Angebot zum Saisonstart wahrzunehmen. 

Da im Verdener Freizeitpark häufig wechselnde Saisonkräfte arbeiten, sei es zu vielen kleinen Pannen gekommen, die sich nicht immer vermeiden ließen, aber keinesfalls vom Team als unvermeidlich hingenommen werden, betonte Lewandrowski. Die Erfahrung zeige, dass viele Probleme im Laufe der ersten Öffnungstage aus der Welt geräumt werden könnten.

Einige der Fahrgeschäfte im Magic Park waren am Wochenende störanfällig und fielen kurzzeitig aus - laut mehrerer Facebook-Kommentare betraf das auch die Schiffschaukel.

Dass allerdings - wie bei Facebook berichtet - einige Gäste bis zu 40 Minuten in einem der zeitweise ausgefallenen Fahrgeschäfte feststeckten, könne sich der Parkbetreiber nicht vorstellen. Alle Mitarbeiter seien ordnungsgemäß in ihre Aufgaben eingewiesen. Auch die online geschilderten Beobachtungen lässt Lewandrowski nicht unkommentiert: Zweimal im Jahr werde der Park auf den Hygiene-Standard überprüft. Dies umfasse auch die Gastronomiebereiche, die selbstverständlich auch darüber hinaus unter besonderer Beobachtung der Service-Mitarbeiter stünden.

Magic-Park-Freikarten und Geld-zurück-Aktion

Besuchern, die vom Achterbahn-Unfall direkt betroffen waren oder sich in der unmittelbaren Umgebung aufhielten, war das Freizeitpark-Team „relativ unbürokratisch“ entgegen, sagte Lewandrowski. Einige von ihnen erhielten ihr Eintrittsgeld zurück, anderen boten die Mitarbeiter Freikarten für einen erneuten Besuch im „Ritter Rost Magic Park“ an.

Sobald die „Eiserne Schlange“-Achterbahn wieder in Betrieb geht, möchte Thomas Lewandrowski alle Magic-Park-Fans darüber informieren. Solange dies nicht der Fall ist, weißt das Team ihm zufolge online und am Eingang des Parks darauf hin, dass nicht alle Attraktionen des Parks zur Verfügung stehen.

Birgit Koröde von der Bauaufsicht der Stadt Verden verweist darauf, dass es sich bei der baurechtlichen Aufarbeitung des Unfalls am Samstag und der Freigabe der Achterbahn um einen nichtöffentlichen Vorgang handele. Anhand des Bauordnung der Stadt ist das Bauamt dafür verantwortlich, die Attraktion nach Abschluss von Fehlerbeseitigung und Sicherheitschecks wieder für Parkbesucher freizugeben.

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