Panne zum Auftakt des Dörverdener Tötungsprozesses

Richter und Verteidiger hatten verschiedene Anklageschriften

Prozessauftakt mit Hindernissen. Für die fünf Angeklagten aus dem Landkreis Verden und dem Heidekreis, hier mit ihren sieben Verteidigern, fand das Verfahren gestern nur ein vorläufiges Ende. Die Verhandlung wurde ausgesetzt und beginnt am 20. Juni von vorne.

Verden - Wegen einer ungewöhnlichen Panne ist der Prozess gegen fünf Angeklagte vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichts Verden gestern noch vor vollständiger Verlesung der Anklageschrift ausgesetzt worden.

Die fünf Angeklagten im Alter von 21 bis 30 Jahren, es soll sich um zwei Brüder und deren Cousins handeln, müssen sich wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Sie sollen für den Tod eines 42 Jahre alten Mannes in der Silvesternacht 2015/2016 in Dörverden verantwortlich sein.

Richter stutzt nach wenigen Sätzen

Nach Auflösung einer Silvesterparty in einer Gaststätte soll es draußen gegen 4.30 Uhr zum Streit zwischen einer Frau und den Angeklagten gekommen sein. Das Opfer soll sich eingemischt und gefragt haben: „Ihr wollt Frauen schlagen?“ Daraufhin soll der 42-Jährige aus Verden von den fünf Angeklagten aus Dörverden, Hutbergen, Rethem und Hodenhagen umringt worden sein. Sie sollen auf ihn eingeschlagen und der 30-Jährige ihm mit einer Schreckschusspistole einen Schlag seitlich gegen den Kopf verpasst haben. Der 42-Jährige soll noch getaumelt und dann zusammengesackt sein.

Der Staatsanwalt hatte nur wenige Sätze aus der Anklageschrift verlesen, da stutzten die Verteidiger und Richter. Der Wortlaut stimmte nicht mit den ihnen vorliegenden Anklageschriften überein und nach der ersten Verwunderung galt es zu klären, wie das passieren konnte und welches denn nun die aktuelle Anklage sei.

Der Staatsanwalt konnte dies nicht beantworten, er war gestern nur Sitzungsvertreter. Schließlich sollte sich dieser erste Verhandlungstag im wesentlichen auf das Verlesen der Anklageschrift beschränken, wozu es dann nicht mehr kam.

Überarbeitete Version nicht abgespeichert

Nach einer halbstündigen Pause und Rücksprache mit der Sachbearbeiterin teilte der Staatsanwalt mit, dass die Behördenleitung sich in Schwurgerichtsverfahren die Anklageschriften generell vorlegen lasse. Dort sei um eine Straffung des Inhalts gebeten worden. Vermutlich sei die überarbeitete Version nicht abgespeichert und somit die alte Fassung verschickt worden.

Allerdings soll es auch noch Änderungen hinsichtlich der benannten Todesursache in der gekürzten Fassung gegeben haben. Nach der Tat war die Behörde zunächst von einem Tod durch Ersticken an Erbrochenen ausgegangen. Bei einem späteren Gutachten soll ein Herzstillstand auf dem Weg ins Krankenhaus als Todesursache benannt worden sein.

Neubeginn des Verfahrens am 20. Juni

Das Gericht und alle Verfahrensbeteiligten, darunter die als Nebenklägerin beteiligte Mutter des Opfers, einigten sich darauf, dass das Verfahren ausgesetzt wird, die richtige Anklageschrift allen zugestellt und unter Verzicht auf Fristen am 20. Juni neu begonnen wird. Alle darauf folgenden Termine bis September bleiben bestehen.

„Das war ein Auftakt, den ich mir auch anders vorgestellt hatte. Eine dumme Situation“, merkte der Vorsitzende Richter Joachim Grebe abschließend an. Er dankte allen Verfahrensbeteiligten für deren Entgegenkommen: „Ich denke, dass wir das Verfahren dann vernünftig beginnen und durchführen können“, betonte Grebe in seiner Schlussbemerkung. Schnell war die Verhandlung damit beendet.

wb

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