Romantik immer teurer

Resthof für 1,1 Millionen Euro angeboten

Bauernhof hinter hohen Bäumen.
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Mit Scheunen und direktem Weg zum Weserdeich: Der zu veräußernde Resthof in Eissel zeigt Flagge.

Verden – Romantisch am Weserdeich gelegen, große Wiesen drumherum. Der Inbegriff eines Resthofes, wie er sein soll. Gut, er muss saniert werden, aber welcher ehemalige Bauernhof nicht? Das Anwesen am Rande der Verdener Ortschaft Eissel ist jetzt zu haben. Seit einigen Monaten zu haben. Und wahrscheinlich hätte es längst einen neuen Eigentümer gefunden, wäre da nicht eine Kleinigkeit. Der Preis.

1,1 Millionen Euro sind für Wohnhaus, Scheunen und die Grünflächen drumherum aufgerufen. Das Segment der Resthöfe hat mit dieser Preisexplosion eine neue Dimension erreicht. Und dennoch: Ein Mondpreis, völlig aus der Luft gegriffen, das ist er nicht. „Es gibt Interessenten“, beschreibt der Achimer Vermarkter Christian Busch die Lage, „es gibt ernsthaftere Interessenten, und wir bewegen uns so langsam in Richtung des gewünschten Verkaufpreises.“

Preise für Resthöfe steigen

Alles keine Überraschung mehr. Schon in den vergangenen fünf Jahren kannten die Erlöse für Resthöfe nur eine Richtung kreisweit, die stiegen, moderat zwar, aber sie stiegen, heißt es jedenfalls vom Gutachterausschauss des Katasteramtes. So um die 200 000 wollten angelegt sein. Vergangenes Jahr der nächste große Schub. Auf 330 000 Euro ist der Durchschnittspreis für die 29 veräußerten Immobilien angestiegen, wohlgemerkt, der Durchschnittspreis. Und sollten Wiesen und Äcker dazugehören, so war ihr Wert herausgerechnet. „Die gestiegenen Preise erklären sich mit der weiter wachsenden Nachfrage und den niedrigen Hypothekenzinsen“, sagt Ausschuss-Vorsitzender Gerd Ruzyzka-Schwob, „der Markt ist weitgehend leergefegt.“ Zeiten jedenfalls, in denen solche Objekte für 100 000 Euro oder noch weniger zu haben waren, liegen mehr als ein Jahrzehnt zurück.

Resthof in Eissel

Wer das Eisseler Ensemble in Augenschein nimmt, braucht erstmal Fantasie. Die Hallen und die Diele des Hofes wollen zunächst aufgeräumt und später hergerichtet werden. Und nur den wenigsten reicht ein Wohnhaus mit einem Standard aus den vergangenen Jahrzehnten. „Da ist natürlich noch einiges zu tun“, räumt auch Vermarkter Busch ein. Dennoch kennt die Resonanz offenbar keine Grenzen. In einer ersten Vermarktungsrunde war noch um einen Preisvorschlag der Interessenten gebeten worden. „Die Telefone liefen heiß“, sagt Busch, „im Schnitt vier Anrufe täglich. Und jeder wollte es besichtigen. Es hat sich eine Art Tourismus entwickelt.“ Alles mögliche an Ideen schwirrte den Interessenten durch den Kopf. Das Anwesen eigene sich doch zur Pferdezucht, es könne als landwirtschaftlicher Betrieb dienen, warum nicht eine Tierarztpraxis, als Konferenzzentrum käme es in Betracht, so nur einige der Vorstellungen. Und natürlich hatte bei den Besichtigungen jemand hier was zu bemängeln und ein anderer dort. Und irgendjemand, der in die tatsächlich angedachten Preisvorstellungen emporzusteigen gedachte, fand sich gar nicht.

Resthofensemble in Verden

Das änderte sich erst mit der zweiten Vermarktungsrunde, mit den 1,1 Millionen Euro, die angeschlagen waren. Die Resonanz gibt Busch mit „jetzt noch 30 bis 40 Kontakten“ an. Natürlich musste er Erklärungen abgeben. Wie rechtfertigt sich diese Summe, war eine der Fragen, vorsichtig formuliert, die ihm gestellt wurden. Bei seinen Antworten verwendet er eine Wortschöpfung, die in diesem Marktsegment immer häufiger herangezogen wird. Liebhaberei. Er gehe davon aus, würden ausschließlich Bodenrichtwert und Gebäudewert herangezogen, käme vielleicht ein Kaufpreis knapp unter einer halben Million Euro heraus. Aber dieses Ensemble befinde sich nun mal in Alleinlage, es liege wunderschön am Deich, und in die Stadt, nach Verden, das sei ja auch nur ein Katzensprung. Alles zusammen weiche Faktoren, die unter Begriffen wie Hobby oder Passion nur schwer in Euro zu messen sind, und genau diesen Betrag wolle er ausloten, wolle der bisherige Eigentümer ausloten.

Auch für den Altbesitzer kein Alltagsgeschäft. Seit gut 150 Jahren befinden sich Haus und Hof in Familienbesitz. Ganze Generationen sind hier groß geworden, haben hier gelebt, sind hier verstorben. Davon trennt man sich nicht so leicht. Jetzt sei allerdings eine Zäsur nötig. Er wolle seinen Lebensabend woanders verbringen, Interessenten für das Areal innerhalb der Familie gebe es nicht. Er müsse sich davon trennen.

Die Nachfrage nach Resthöfen steigt seit Jahren stetig - so auch im Landkreis Diepholz.

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