Renate Schmidt und Helma Sick lesen aus „Ein Mann ist keine Altersversorgung“

Lieber jetzt unromantisch

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Renate Schmidt (l.) und Helma Sick lasen im Domgymnasium aus ihrem Buch.

Verden - Einen Mann als Altersvorsorge betrachten? Man möchte meinen, dieser Gedanke spielt in unserer modernen Zeit längst keine Rolle mehr. Doch der Schein trügt. Auch heute noch gibt es Frauen, die sich auf einen „Versorger“ verlassen und darauf vertrauen, dass die große Liebe ein Leben lang hält.

Wie schnell man so in die Armutsfalle geraten kann, haben Renate Schmidt, ehemalige Bundesfamilienministerin und Finanzexpertin, sowie Brigitte-Kolumnistin Helma Sick, in ihrem neuen Buch „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ eindrucksvoll deutlich gemacht. Auf Einladung des Zonta Clubs lasen die beiden Autorinnen am Freitagabend im Domgymnasium aus ihrem Buch und diskutierten anschließend mit den Gästen. Das Thema stieß auf großes Interesse, Clubpräsidentin Anita Freitag-Meyer freute sich über ein volles Haus.

„Frauen sind heute so gut ausgebildet wie nie zuvor. Sie können alles werden: Top-Managerin, Nobelpreisträgerin oder Bundeskanzlerin“, sagte Helma Sick zu Beginn. Trotzdem bekommen Frauen immer noch wenig Rente, arbeiten häufig in Minijobs und zahlen bei der Scheidung oft drauf.

Wie schnell Frauen finanziell vor dem Nichts stehen können, belegten Schmidt und Sick anhand einiger Praxisbeispiele von Frauen, die sich vor 25 bis 30 Jahren für die „Versorgerehe“ entschieden haben. Wenn der Mann plötzlich eine neue Partnerin hat und die Scheidung verlangt oder aber der Mann plötzlich zum Pflegefall wird, müssen die Frauen mit einer kleinen Rente auskommen, da sie selbst nichts in ihre eigene Altersvorsorge investiert haben und ein Wiedereinstieg in den Beruf nach der langen Pause meist nicht gelingt.

Aber wie sieht es heute aus? Ergebnisse einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach von 2013 zeigen, dass von den derzeit berufstätigen 30- bis 59-jährigen Frauen lediglich 50 Prozent 36 Stunden und mehr arbeiten, 33 Prozent arbeiten weniger als 33 Stunden „Diese beruflichen Lebensläufe hängen auch mit den gesellschaftlichen Leitbildern für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zusammen“, wissen Schmidt und Sick.

45 Prozent der Eltern der mittleren Generation finden es ideal, wenn der Mann Vollzeit und die Frau Teilzeit arbeitet, 16 Prozent favorisieren sogar einen völligen Berufsverzicht der Frau. Die eigene Altersversorgung der Frau bleibt bei diesem Lebensmodell auf der Strecke. Auch bei den jungen Frauen sei eine Rückwärtsbewegung zu beobachten, berichteten die Autorinnen. Gerade gut ausgebildete junge Frauen ziehen sich verstärkt auf die traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter zurück.

Traditionelle Rolle als Hausfrau und Mutter

Beunruhigend sei, dass junge Leute nur wenig Ahnung von den rechtlichen Rahmenbedingungen und den Konsequenzen einer Ehe haben, so die Expertinnen. „Viele wissen nicht einmal, dass es einen Ehevertrag gibt, geschweige denn, was man dabei beachten sollte.“ Die Autorinnen rieten dringend dazu, einen Ehevertrag abzuschließen, solange die Liebe noch frisch ist. „Lieber jetzt unromantisch als später arm.“ Ist erst einmal eine neue Partnerin im Spiel, sei der Mann meist nicht mehr zu finanziellen Zugeständnissen bereit.

Schmidt und Sick zeigten zudem auf, welche Kosten der Gesellschaft durch Ehegattensplitting, beitragsfreie Mitversicherung in der Krankenkasse und die Witwenrente entstehen. „Das geltende Steuer- und Sozialrecht belohnt den Ausstieg aus dem Beruf“, erklärten sie und forderten, diese „alten Zöpfe“ abzuschneiden.

Von den Frauen fordern die beiden Autorinnen, sich nicht als Opfer zu stilisieren, sondern sich engagiert für Veränderungen einzusetzen. „Jammern stabilisiert das System, dadurch ändert sich nichts.“

ahk

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