Reiz zum Mitsingen war hoch

Domchor und Kammerchor des Domgymnasiums geben gemeinsames Konzert

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Gemeinsam bildeten der Domchor und der Kammerchor des Domgymnasiums ein beachtliches Ensemble.

Verden - Von Ilse Walther. Zu einem gemeinsamen Konzert hatten für Sonntag der Domchor Verden und der Kammerchor des Domgymnasiums eingeladen, und sehr viele Zuhörer waren dieser Einladung gefolgt. Sie erlebten ganz neue zeitgenössische Werke aus verschiedenen Ländern, die der Kammerchor bereits auf einer Konzertreise in die USA im Frühjahr aufgeführt hatte. Auch der Domchor hatte selten Gehörtes im Programm.

Der Nachmittag stand unter dem Motto „Cantate Domino“. Der Domchor begann a cappella unter Tillmann Benfers umsichtigem Dirigat mit dem beeindruckenden „Kyrie à 4“ aus der Missa brevis von Giovanni P. Da Palestrina und sang es dicht und ruhig zu Beginn, um dann in dem fugierten Teil das Tempo etwas anzuziehen.

Den reizenden Chorsatz „Musica, die ganz lieblich Kunst“ von Johannes Jeep (1614) aus dem „Studentengärtlein II“ bot der Chor in polyphoner Klangintensität und gut in den Tempowechseln. Sehr interessant war die moderne Fassung des Chorals „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ des 1963 geborenen Kirchenmusikers Burkhard Kinzler. 

Hier begannen die Bässe in unruhigen Figuren, zu denen dann der klar gesungene Cantus firmus im Sopran kam und von den übrigen Stimmen immer weiter variiert wurde. Ein auch in sich etwas zerrissen wirkender Chorsatz, der mit dem sehr hoch gesetzten „Gebt unserm Gott die Ehre“ endete. Nicht ganz einfach zu singen, aber gut gebracht.

Eine der bekanntesten Motetten ist „Jesu, meine Freude“ von Johann Sebastian Bach, teilweise sehr schwierig gesetzt. Hier hörte man dann auch Intonationsschwankungen, vorwiegend im Sopran, was in älteren Chören öfter passiert. Vielleicht hätte der Domchor hier nur die so beeindruckend dicht gesetzten Choralstrophen wählen sollen, die überzeugend gesungen wurden.

Der geradezu ideal besetzte Kammerchor des Domgymnasiums unter seiner temperamentvollen Leiterin Vanessa Galli sang überwiegend auswendig. Und der besondere Klang des Jugendchores machte alle gebotenen Werke zu wahren Hörgenüssen. Absolut rein und makellos bis in die Höhen hörte man den Sopran, ebenso klar und warm den Alt, Tenor und Bass klangschön und homogen.

Ganz großartig war schon „Glory To Thee, My God, This Night“ von Thomas Tallis, den die einzelnen Stimmgruppen von verschiedenen Plätzen aus dem Kirchenschiff in bewegender Dichte sangen, venezianische Mehrchörigkeit in Vollendung bis zum klaren „Amen“, bei dem man Gänsehaut bekam.

Sehr beeindruckte auch „Lamentations of Jeremiah“ von Z. Randall Stroope, 1953 geboren. Hier begann das Klavier ganz düster wie mit Glockenschlägen, die Bässe setzten mit dichter Gregorianik ein. Es folgten Alt, Tenor und Soprane. Diese schwebten überirdisch schön über den anderen Stimmen. Dann lief der Satz flott, jazzig und frisch, ausdrucksvoll und hymnisch weiter bis zum strahlenden Forte. 

Ungewöhnlich war Wildssbok von Renette Bouwer aus dem 20. Jahrhundert, ein in Lautmalerei auf der Silbe No gedachter Beginn des 42. Psalmes „Wie der Hirsch schreit“ mit anschließendem unverständlichen Text, aber beeindruckend gesungen.

Dann fanden sich beide Chöre zu einem beachtlichen Ensemble zusammen. Tillmann Benfer dirigierte die wunderbare Motette „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ aus dem „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, in intensiver Klangfülle und innerer Wärme geboten, wobei die beiden Chöre klanglich miteinander verschmolzen. Und dann dirigierte Vanessa Galli mit großer Begeisterung das mitreißende „Cantate Domino“ des Zeitgenossen Jay Althouse, ein echter Ohrwurm, bei dem es einen schon reizte, mitzusingen.

Das war ein grandioser Schluss, und man merkte auch den beiden Chören an, wie sehr sie das Singen genossen. Langer begeisterter Beifall, für den es dann eine Kurzfassung des eben gehörten „Cantate Domino“ als Zugabe gab. Man ging doch sehr fröhlich und dankbar auf die Heimreise.

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