Neue Inszenierung

Der brennende Mönch: Domfestspiele feiern eine überzeugende Premiere

Domprediger Dinkschlag alias Christoph Plünnecke steht neben Bischof Christoph und Bornemacher im Zentrum der Ereignisse.

Verden - Von Christel Niemann. Hauptprobe, Generalprobe und gestern die Premiere: Mit dem mehr als spielfreudigen Ensemble vor einem beeindruckenden Bühnenbild haben die Domfestspiele „Der brennende Mönch“ jetzt schon 2500 Besucher begeistert. Politik, Religion, Liebe, Hass aber auch Humor – teils mit historisch belegtem Bezug – bietet das Drama nach einer Idee von Gabriele Müller und einem Text von Hans König. Bis Ende Juli soll es noch neunmal auf der Freilichtbühne am Dom aufgeführt werden und das Interesse an der Verdener Geschichte wecken.

Die Verdener Domfestspiele begehen bereits ihre achte Saison. In seiner mittlerweile dritten Regiearbeit für den Festspielverein inszeniert Hans König eine „Historische Untat“, die sich zum 500-jährigen Jubiläum der Reformation um das Schicksal des Pastors Johann Bornemacher rankt. Der Geistliche ist ein glühender Verehrer von Martin Luther und dessen 95 Thesen, in denen der Sachse gegen Missbräuche und besonders gegen den geschäftsmäßigen Handel mit Ablassbriefen wettert.

Gegenspieler Bornemachers ist der damals amtierende Bischof von Verden, Christoph, der das Volk mit eiserner Hand regiert. Als Bornemacher sich im Dom zu Verden zu einer verbalen Attacke gegen den Domprediger Johann Dinkschlag hinreißen lässt, ist sein Schicksal besiegelt: die bischöflichen Schergen nehmen ihn gefangen. Der Geistliche wird schwerst gefoltert, zum Tode verurteilt und schließlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Als „Der brennende Mönch“ geht er in die Geschichte der Allerstadt ein.

Sängerin Christiane Artisi sorgt mit ihrem Ave Maria für intensive Momente. - Fotos: Niemann

Die neue Inszenierung erfüllt die hohen Erwartungen an das für die Allerstadt prestigeträchtige Festspielprojekt. Schon wenige Minuten nach Spielbeginn konnte sich das Premierenpublikum dem Sog der Inszenierung kaum noch entziehen. Denn es stimmt eigentlich alles: Der Mix aus geschichtlichen Daten und Fantasie, das Können und die Leistung der Schauspieler, Dramaturgie, Bühnengestaltung und natürlich die intensive Licht- und klangvolle Tontechnik. Alles läuft in einer perfekten Einheit zusammen.

Große Bedeutung für die Gesamtwirkung des Stücks hat auch der musikalische Rahmen: Die Kompositionen sind stimmig gewählt und die von Christiane Artisi in Nonnengestalt intonierte Arie „Ave Maria“ zählt zu den intensivsten Momenten der Aufführung.

Regisseur König hat mit seinem bunten Schauspielerensemble aus einer Handvoll Profis, semiprofessionellen Darstellern und Dutzenden Laien hier Großes erreicht und sich auch als Stückeschreiber erneut wacker geschlagen. Sein Festspieldrama hat er so raffiniert ausgetüftelt, dass der schwierige Spagat zwischen wahrer Begebenheit und Fiktion gelingt. Dabei bekommt das Publikum alles andere, als seichte Unterhaltung serviert und Feingeister seien gewarnt. „Der brennende Mönch“ ist kein leichter Tobak. Aber „leicht“ kann ein Stück mit dem Thema vielleicht auch nicht sein. Die frühe Neuzeit war eben ein dunkles Zeitalter, grausamer und blutiger noch als zuvor das Mittelalter.

Die Rollen hat König mit viel Fingerspitzengefühl glaubhaft besetzt. Allen voran Bernd Maas, der als Bischof Christoph selbst in den Szenen großer Grausamkeit brilliert. Mit seiner Bosheit fesselt er, wenn er mit donnerndem Timbre und diabolischem Minenspiel den macht- und siegeshungrigen Menschenverächter, und Vergewaltiger gibt.

Kein Platz war gestern auf den Tribünen im Schatten des Doms mehr frei. - Foto: Haubrock-Kriedel

In seinem Gefolge Gabriel Stohler Mauch als Titelfigur Johannes Bornemacher, Claudia Rippe als dessen hochschwangere Frau Elisabeth oder Uwe Pekau, der den zuweilen etwas trotteligen Domherr Antonius von Mandelsloh spielt. Nicht minder überzeugend sind Franziska Mencz in der Rolle der von Christoph geschändeten Cäcilie oder Michael Bauckner in der des Ratke Holste. Sehr Intensiv ist die schauspielerische Leistung von Christoph Plünnecke. Er mimt den Domprediger Johann Dinkschlag. Mit seinem Hang zum Sadismus scheint er dem verschlagenen Bischof nahezu ebenbürtig zu sein.

Darüber hinaus überzeugen auch die mit kleineren Rollen betrauten Darsteller. Sie spielen miteinander und mit den Hauptakteuren auf Augenhöhe und hin und wieder sogar darüber hinaus. Dabei ist längst nicht jede Rolle dankbar. Immerhin werden viele historische Ereignisse dargestellt, die das Publikum mit einer völlig anderen Zeit konfrontieren.

Mit viel Applaus belohnten die Besucher die gelungene Aufführung nach einer reinen Spielzeit von drei Stunden. Nicht wenige äußerten sich von dem „wirklich tollen, sehenswerten Stück“ beeindruckt. Viele zollten dem Mut der Festspielmacher Respekt, dass sie das Schicksal von Bornemacher und das Thema Reformation nicht als Geschichtslektion, sondern als unterhaltsames Freilichtspiel aufbereitet haben.

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