AfD-nahes Netzwerk sieht den Helfern im Kreishaus auf die Finger

Rechte Beobachter am Wahltag in Verden

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Beim ersten Blick scheint es auf der Internetseite nur um die bürgerlichen Rechte zu gehen. 

Verden - „Ich möchte die Wahl beobachten.“ Mit diesem Hinweis waren auch im Verdener Kreishaus am Wahlabend sechs Herren erschienen, die ihr gutes Recht in Anspruch nahmen. Etwas verwundert war Ulf Neumann in der Informationsstelle schon.

Der Pressesprecher der Behörde hat schon einige Wahlen begleitet, aber solch ein Interesse hat er noch nicht erlebt. Reines bürgerliches Engagement hatte die Beobachter allerdings nicht zu den Briefwahlauszählungen getrieben, sondern eher das AfD-nahe „patriotische Bürgernetzwerk Ein Prozent“.

„Jeder hat grundsätzlich das Recht die Wahl und auch die Auszählungen zu beobachten“, bestätigte Franziska Hoffmeister. Sie hat die Wahlen in den zurückliegenden Jahren für Kreiswahlleiterin Regina Tryta organisatorisch betreut. Das bürgerliche Recht ist ihr bewusst und jeder Besucher willkommen. Nur habe bislang noch keiner davon Gebrauch gemacht.

Am Sonntag war das anders, Sechs Herren trafen im Kreishaus ein, als die Wahllokale gerade geschlossen hatten. Ulf Neumann als erster Ansprechpartner, begleitete sie zu den Zählern. „Einen Ausweis muss man nicht vorlegen“, stellte Hoffmeister klar. Eine Begründung für den Wunsch sei auch nicht nötig.

Sorge um Manipulationen 

Einer von ihnen, ein Mann mittleren Alters, landete beim Briefwahlvorstand Langwedel II. Auch gegenüber der Verdener Aller-Zeitung wollte er nichts zu seiner Person angeben und erklären, warum er den Wahlhelfern auf die Finger sehen wollte. Er verwies aber auf die Internetseite „Wahlbeobachter“ und auf „Manipulationen“ in Bremen.

Der Blick auf die Homepage gibt Hinweise, die das plötzliche große Interesse erklärt: „Wir vernetzen den Widerstand.“ Die Bürgerinitiative „Ein Prozent“ verstehe sich als professionelle Widerstandsplattform für deutsche Interessen. Die Beobachtung der kommenden drei Landtagswahlen und der Bundestagswahl am 24. September werde eine der Hauptaufgaben im Entscheidungsjahr 2017 sein. 

„Unser Anliegen ist es, den Menschen das schreckliche Ausmaß der unkontrollierten Masseneinwanderung vor Augen zu führen. Wir wollen die Bürger bis zur Bundestagswahl über die offensichtlichen Zusammenhänge zwischen Masseneinwanderung und gestiegener Kriminalität aufklären“, heißt es auf der Webseite.

Verschwörungen von Medien und Politik

Das Recherche-Netzwerk „Ein Prozent“ berichte über das, was das Establishment gezielt verschweigt, ist da zu lesen. Von Verschwörungen der Medien mit der etablierten Politik ist die Rede, von der „Auflösung unseres Staates“ und patriotischem Protest. Da wird dann an die Stelle der bundesdeutschen Bürger überdeutlich das Wort „Volk“ gesetzt. Töne, die an die Rhetorik der rechtspopulistischen AfD und der Pegida-Bewegung erinnern.

Ein Zufall ist das nicht. Die Rechtspopulisten rufen selbst auf ihrer Webseite zur Wahlbeobachtung auf. Eine Ein-Prozent-Gruppe des rechten Netzwerks sind die Wahlbeobachter Bremen. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, den ordnungsgemäßen Ablauf in 179 Wahllokalen in 56 Wahlbezirken zu gewährleisten.

Die Verantwortung für die Internetseite übernehmen Philip Stein als Leiter des Projekts „Ein Prozent“ und Helge Hilse. Stein ist Pressesprecher der Deutschen Burschenschaft und der für „Aktivismus und Vernetzung“ zuständige Hilse steht selbst ganz offen der AfD nahe.

kle

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