Recht bekommen...

Radfahrer sind eben Freiwild

Es bleibt dabei: In Deutschland Recht haben und Recht bekommen, das sind zweierlei paar Stiefel. Diese Erkenntnis ist zugleich frustrierend und wirft ein merkwürdiges Licht auf unsere Justiz. 

Was war paassiert? An dieser Stelle hatte ich vor einiger Zeit über einen Fast-Unfall berichtet, als der Fahrer eines Lasters, der sinnigerweise Grabsteine geladen hatte, mich auf einem gegenläufigen Radweg in einer Einbahnstraße fast über den Haufen gefahren hätte. Meine Fahrt endete am Kantstein. Mein Protest, ob er mich denn gar nicht gesehen habe, beantwortete der Lkw-Fahrer mit der Gegenfrage gleichen Inhalts. Aha, er hatte offenbar die Exklusiv-Freigabe, einen Radfahrer, der ordnungsgemäß unterwegs war, zu ignorieren. Ich erstattete bei der Polizei Anzeige. Jetzt, nach geraumer Zeit, kam von der Staatsanwaltschaft das entsprechende Schreiben zu diesem Vorgang. Das Verfahren wurde eingestellt. Ein öffentliches Interesse sei nicht vorhanden. Außerdem sei der mir zugefügte Schaden zu gering. Wenn ich weiter Lust habe, den Vorgang juristisch zu verfolgen, müsste ich Privatklage gegen den Fahrer stellen. Wobei die Erfolgsaussichten wohl gleich Null seien. 

Aha, nun habe ich es Schwarz auf Weiß. Von Amtswegen müsste ich totgefahren sein oder zumindest schwer verletzt auf der Intensivstation eines Krankenhaues liegen, bis ein gewisses öffentliches Interesse vermerkt werden könnte. Ja, meine Güte, wo leben wir denn eigentlich? Der Vorgang zeigt in überdeutlicher Schärfe, dass Anzeigen dieser Art bei der Polizei völlig überflüssig sind, weil Unrechtsbewusstsein von einer Strafverfolgungsbehörde, in diesem Fall der Staatsanwaltschaft, auch noch belohnt wird. Mit der Folge: Radfahrer sind Freiwild, aggressive Autofahrer dürfen sich alles erlauben. Etwas anderes ist im Autoland Deutschland wohl auch nicht zu erwarten.

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