Raub in Oyten: Fünfeinhalb Jahre Haft für Angeklagten

Strafkammer sorgt für Paukenschlag

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Mediengruppe Kreiszeitung

Landkreis - Einem Paukenschlag kam gestern Mittag das Urteil in dem Landgerichtsprozess um einen brutalen Überfall im Februar 2015 in Oyten gleich. Der Verteidiger hatte eine Strafe beantragt, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne, also maximal zwei Jahre. Die Staatsanwaltschaft hielt drei Jahre und acht Monate für angemessen. Die 1. Große Strafkammer ging darüber noch deutlich hinaus und verhängte fünf Jahre und drei Monate Haft.

Der 26 Jahre alte Angeklagte aus Bremen wurde des Raubes (nicht wie angeklagt schwerer Raub) in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und räuberischer Erpressung schuldig gesprochen. „Die Kammer geht davon aus, dass seine Rolle größer und bedeutsamer war, als von der Staatsanwaltschaft und Verteidigung angenommen“, so der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk zu Beginn der Urteilsverkündung. Der Angeklagte sei gleichberechtigtes Mitglied der fünfköpfigen Tätergruppierung gewesen. „Es war ein gemeinsamer Tatentschluss und eine gemeinsame Tatplanung“, betonte Stronczyk. Der 26-Jährige sei zudem einer der drei Täter gewesen, die bei der Durchführung der Tat das Sagen hatten. So hatte es die überfallene Ehefrau ausgesagt.

Dies hatte der Angeklagte bestritten. Er habe sich nicht an der Tat beteiligen wollen, sondern sei von den anderen Tätern unter Druck gesetzt, selbst geschlagen und mit einem Messer bedroht worden. Außerdem habe man ihm gedroht, dass man seiner Familie etwas antun werde. Er habe im Vorfeld nicht gewusst, worum es geht und bei der Tat keine Gewalt verübt, sondern lediglich den gefälschten Zollausweis gezeigt, mit dem das 53 Jahre alte Opfer dazu gebracht worden war, die Haustür morgens gegen 7.15 Uhr zu öffnen.

Der Mann war sofort niedergeschlagen worden. Als er bereits mit Kabelbindern an Armen und Beinen gefesselt am Boden lag, wurde weiter auf ihn eingetreten. Ein Täter stach heraus, weil er nett war und der Frau, die dann von den Tätern aus dem Schlafzimmer geholt worden war, ein Glas Wasser, ihrem Mann eine Decke gegeben und deeskalierend auf die Mittäter eingewirkt hatte. Die Kammer glaubte dem Angeklagten, dass er dieser „nette Täter“ war. Die brutale Gewalt sei ein Exzess der Mittäter gewesen. Ansonsten sei die Einlassung unglaubwürdig.

Weder einen minderschweren Fall noch eine verminderte Schuldfähigkeit ließ das Gericht als strafmildernde Gründe gelten. „Das ist kein unterdurchschnittlicher Fall eines Raubes. Es ist das, was dem Bürger am meisten Angst macht. Fünf Täter fallen in ein Haus ein, fesseln den Eigentümer an Armen und Beinen, verletzen ihn und fesseln seine Frau an den Armen“, so der Vorsitzende. „Das Ehepaar lebte idyllisch, und diese Idylle wurde mit der Tat brutal zerstört“, hatte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer betont. „Es ist ein unbescholtenes Ehepaar, das sich nicht mehr sicher fühlt“, so die Anwältin der als Nebenkläger an dem Prozess beteiligten Geschädigten. Das alles für eine Beute von rund 2330 Euro.

Weil der Angeklagte die Mittäter namentlich benannt und zur Aufklärung der Tat maßgeblich beigetragen hat, habe man ihm die Kronzeugenregelung zu Gute gehalten und eine Strafmilderung vorgenommen. Die Einlassung wurde als Teilgeständnis positiv gewertet. Genauso ein Entschuldigungsschreiben an das Ehepaar.

Der 26-Jährige bleibt in Haft. Als Mittäter hatte er einen mittlerweile als mutmaßlichen IS-Kämpfer, in Bremen festgenommenen 26-Jährigen Mann benannt. Nach den anderen Tätern wird gefahndet. Teilweise sollen sie aus Wien für die Tat eingereist sein. Das Auto, mit dem die Gruppe zum Tatort gelangte, soll später in Frankreich sichergestellt worden sein. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

wb

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