Prozess über Messerstecherei

Versuchter Totschlag in Verden: Rap-Video als ein möglicher Auslöser

Verden - Der Prozess um einen versuchten Totschlag und eine gefährliche Körperverletzung an Gleis zwei im Verdener Bahnhof ist am Mittwoch am Landgericht fortgesetzt worden. Laut einem Augenzeugen haben die drei Angeklagten nicht den Streit provoziert, sondern sind von Personen aus einer Gruppe angegriffen worden, zu der die mit Messerstichen verletzten Opfer und auch der Zeuge gehörten.

Die 21, 31 und 33 Jahre alten Angeklagten bekamen zunächst selbst die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen zu äußern, lehnten dies aber ab. Gemeinsam sollen sie vor der angeklagten Tat, die sich am frühen Abend des 23. November 2017 ereignet hat, ein Rap-Video gedreht haben. Darüber soll sich einer der später mit Messerstichen verletzten Männer im Internet lustig gemacht haben, was Auslöser für die blutige Auseinandersetzung gewesen seien soll.

Eine Rolle soll aber auch eine Auseinandersetzung am Tag zuvor gespielt haben. Laut damaliger Polizeimeldung war ein 19-Jähriger aus Dörverden ebenfalls im Bereich des Bahnhofs mit Schlägen gegen den Kopf und Tritten traktiert worden. Offenbar kein Einzelfall. Ein Polizeibeamter merkte gestern an, dass man im vergangenen Jahr „beinahe täglich, manchmal mehrfach“ am Verdener Bahnhof im Einsatz gewesen sei. Der 21-Jährige sei ihm vorher schon bekannt gewesen. „Das ganze Jahr hatten wir schon mit unbegleiteten jungen Flüchtlingen zu tun“, so der Zeuge.

Wegen gefährlicher Körperverletzung müssen sich der 21 Jahre alte Angeklagte aus Verden und ein zum Tatzeitpunkt noch in Achim wohnhafter 33-Jähriger in dem Prozess verantworten. Der 33-Jährige soll selbst bei der Auseinandersetzung mit einem Messer schwer verletzt worden sein. Dem 31 Jahre alten Angeklagten aus Langwedel wird zudem versuchter Totschlag vorgeworfen. Als einziger sitzt er in Untersuchungshaft. Er soll einem anderen Mann einen Stich in den Thorax versetzt haben, was eine Notoperation erforderlich gemacht habe.

Über das Opfer sagte am Mittwoch der Augenzeuge, dass dieser Stress machen wollte und gezielt auf den 21 Jahre alten Angeklagten am Bahnhof gewartet habe. „Er wollte kämpfen“, so der Zeuge über das Opfer. Dessen Freunde seien dann auf die beiden anderen Angeklagten losgegangen. Selbst habe er zu deren Gruppe gehört, will sich jedoch an der Auseinandersetzung nicht beteiligt haben.

Die Befragung des Augenzeugen erwies sich insoweit als schwierig bis verwirrend, da dieser in seiner arabischen Muttersprache aussagen sollte, aber viel lieber auf deutsch antwortete.

Er wurde für Dienstag erneut geladen, denn bis zu den Fragen zur Tat kam man am Mittwoch gar nicht. Laut Anklageschrift würgte der 21-Jährige das Opfer und versetzte diesem zwei Messerstiche ins Bein. 

wb

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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