Beschluss von Bischof, Domkapitel und Rat

Heute vor 440 Jahren: Räume des Schlafhauses werden zur Schule

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Im Bereich der hinteren Fenster, teilweise zugemauert, lagen die Räume der Domschule. 

Verden - Von Jürgen Siemers. Es war in der damaligen Zeit ein durchaus denkwürdiges Ereignis: Am 29. März 1578, es war Ostersonnabend vor 440 Jahren‚ unterzeichnete Bischof Eberhard von Holle (1566 bis 1586), mit Zustimmung von Domkapitel und Rat der (Norder-) Stadt Verden die 13 Folioseiten umfassende Fundationsurkunde über die Einrichtung der Domschule*. In diesem Schriftstück legte der Bischof a die dafür gedachten Räumlichkeiten fest. Sie sollten in der Nähe, am Dom liegen.

Und so heißt es (in heutiger Schreibweise): „So haben wir uns mit unserem ehrwürdigen Domkapitel verglichen, eine ziemliche Schule in unserer Stadt Verden, im Süderende, zu verordnen und einzurichten, und dazu das alte Schlafhaus beim Dom zur Schule bequemlich erbauen zu lassen.“

Werfen wir einen Blick auf das erste Schulhaus des heutigen Domgymnasiums. Diese frühesten Klassenräume aus 1578 hinter den vermauerten gotischen Fenstern in der alten Mauer (siehe Bild), sind noch vorhanden und werden anderweitig genutzt. Zu jener Zeit stand noch der überwiegende Teil des aus dem 12. Jahrhundert herrührenden romanischen Kreuzganges. Der Südflügel dieser Anlage wurde 1473 beim Bau des nördlichen Seitenschiffes des gotischen Domes überbaut, während Nord- und Westumgang später abgebrochen worden sind, ist der Ostflügel als Zugang zum Dom erhalten. An seiner Ostseite stand bereits im Mittelalter das „Schlafhaus“, etwa zeitgleich mit dem Kreuzgang erbaut. Es diente unter anderem den Priestern, die die Morgenmesse lesen mussten, zur Übernachtung. Überliefert ist dieses Haus auch als „Dormitorium“, später als „Kapitelhaus“.

Im Erdgeschoß des Hauses befanden sich die Räume der aus vier Klassen bestehenden Schule. Dazu ist der kapellenartige Raum durch Bretterwände in vier Abteile getrennt worden, von denen zwei die Fenster zum Außengarten besaßen. Die anderen Klassen verfügten über Fenster in den Kreuzgang und litten dadurch unter ungenügendem Lichteinfall. Der Zugang erfolgte durch den Kreuzgang. Heute befinden sich in diesem Trakt die Wirtschaftsräume vom Domgemeinde-Zentrum.

Der Teil des jetzigen Hauses, in dem sich Ölzweig mit Eine-Weltladen befinden, ist 1578/79 bei der Gründung dem Dormitorium vorgebaut worden. Dabei ist der Renaissancegiebel zum Lugenstein – mit dem Wappen des Bischofs – vorgesetzt worden. Dieser Anbau diente als Wohnung für den Rektor. Für die weiteren Lehrkräfte (Conrektor, Kantor und Infimus) waren Dienstwohnungen im und auf Ost- und Nordflügel des Kreuzganges eingerichtet.

Erst 1651 befasste sich die Regierung, es war die Schwedenzeit‚ mit der Erweiterung der Domschule durch die Einführung einer fünften Klasse und eines weiteren Lehrers. Es fand sich in einem Gemach über den Klassen – heute Teil des Gemeindesaales – ein Raum für die neue Klasse. Als Wohnung für den Lehrer wurde die restliche Fläche auf dem Kreuzgang genutzt.

In den Jahren nach 1687, genauer ist es nicht überliefert, sind die Klassenräume aus dem Erdgeschoß in das umgebaute Obergeschoß des Ostkreuzganges gelegt worden. Aus dieser Zeit rührt wohl der Fachwerkaufbau auf der Innenseite des noch bestehenden Kreuzganges her. Nun waren alle Klassen im Obergeschoss untergebracht eingerichtet (wird fortgesetzt).

* Abgedruckt Christian Gustav Rehboom, Der Stadt Verden Denkwürdigkeiten, geschrieben um 1750, herausgegeben von Dr. Margarete Wolters‚ Band 2, 1998

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