KLEINE GESCHICHTEN ZUR GESCHICHTE: Unheimliche Begegnung in der Nacht (Teil 2)

Rätsel um den vergessenen Schatz

Die Brücke über die Alte Aller: Als es den Übergang nicht gab, kamen Händler über eine Sandbank in die Stadt.
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Die Brücke über die Alte Aller: Als es den Übergang nicht gab, kamen Händler über eine Sandbank in die Stadt.

Verden – Was bisher geschah: Ein wenig mulmig war dem Händler, der in der Nähe der Aller, Jahrhunderte vor Christi Geburt, sein Lager aufgeschlagen hatte. Er wollte seine Bronzebeile, die er in der Nähe vergraben hatte, zu seinen Auftraggebern bringen. Nun saß ein Fremder an seinem Feuer. War das Misstrauen des Händlers berechtigt?

„Wer bist du und was treibt dich in diese dichten Wälder?“, fragte der Händler geradeheraus. Ganz war sein Misstrauen noch nicht besänftigt; der Fremde sah doch ziemlich wild aus und die Tatsache, dass er kein Gepäck, Ausrüstung oder sonst etwas mit sich führte, sprach nicht für ihn. Sollte er den Anderen für die Nacht an seinem Feuer dulden, so sollten dessen Antworten schon gut sein. Andererseits, Verstärkung in dieser unwirtlichen Gegend war auch nicht schlecht und mit einem Gesprächspartner verging auf jeden Fall die Nacht schneller!

Sklaven in der Bronzezeit

„Einige Tage von hier nannten sie mich ‚Narbe’“, hob der Fremde zu erzählen an, „es ist viele Sonnenwendzeiten her, dass ich mit zwei Gefährten von zu Hause aufbrach...von weit her aus dem Norden kamen wir...wir suchten Land, um dort zu leben, denn daheim hatte eine Krankheit fast alle getötet...

Jedenfalls trafen wir auf dieses Gehöft, groß und mit wohl dreimal mehr Menschen, als ich Finger an den Händen habe...zunächst waren sie freundlich und nahmen uns auf! Aber dann, ich weiß nicht wie, kam es zum Streit...

Meine beiden Gefährten wurden erschlagen; ich blieb übrig! Ich durfte leben und auch essen; dafür jedoch musste ich arbeiten den ganzen Tag...

Die Leute machten mir sehr deutlich klar, dass ich niemals einer von ihnen sein würde...so machte ich mich auf den Weg, wer weiß, wohin der mich treibt!“

„So mag das Feuer uns beide für die Nacht wärmen und morgen jeder seines Weges ziehen“, sagte der Händler. Die Geschichte des Fremden konnte stimmen; so etwas hatte er schon gehört. Den Begriff ‚Sklave’ gab es hierzulande noch nicht, die Praxis durchaus!

Aus der Begegnung wird ein Überfall

„Und wohin willst du mit deinen Waren?“, fragte der Fremde und warf einen mehr als beiläufigen Blick auf das Maultier.

„Mal sehen; ich weiß es noch nicht“, antwortete der Händler ausweichend.

„Was für Waren führst du denn mit dir; vielleicht kann ich dir einen Rat geben, wo du die Dinge gut loswirst.“

„Ich handele mit allem, was so gebraucht wird und was die Menschen in den Siedlungen nicht selbst herstellen können. Denn jeder hat doch so seine Spezialität, die ihm zwar selbstverständlich scheint, anderswo jedoch dringend gesucht wird. Der eine schmiedet wunderbares Werkzeug, ein anderer, wie du gerade gekostet hast, versteht sich auf das Herstellen sprudelnder Fruchtsäfte. So schaffe ich zwischen beiden einen gewissen Ausgleich.“

„Nicht schlecht“, murmelte der Fremde, „so kommt man viel herum und ist überall gern gesehen!“ Dann deutete er auf die Packtaschen.

„Was könntest du denn mir verkaufen?“

„Was kannst du zum Tausch anbieten?“

„Im Augenblick nur meine Hände; ich bin stark und kann gut arbeiten. Allerdings habe ich kein Werkzeug dabei......das wäre schon etwas!“

„Mir fällt dein Mantel auf; der würde mich selbst gut wärmen in den kühlen und feuchten Nächten“, erwiderte der Händler. „Nehmen wir an, du könntest dich von dem trennen, so gebe ich dir eine Decke aus dicht gewebter Wolle und zudem noch ein Beil aus Feuerstein. Das ist nicht ganz neu und es gibt besseres...doch du bist damit für jede Siedlung eine Bereicherung.“

„Das könnte mir tatsächlich weiterhelfen. Zeig doch einmal das Beil und die Decke. Ich denke, wir können uns einig werden!“ Der Händler raffte seine eigene Decke vom Boden hoch, reichte sie dem Fremden und trat an dem vorbei zu seinem Maultier.

‚Gute Geschäfte versüßen den Abend’, dachte er noch, als ihm eine unbestimmte Ahnung von Gefahr die Nackenhaare aufstellte...

Doch es war schon zu spät! Geschickt hatte der Fremde die Decke ihm von hinten über den Kopf geworfen und den nun blinden Händler zu Boden gezerrt. Sein gleichzeitiger wuchtiger Fußtritt auf den Arm des Händlers lähmte diesen, sodass an Gegenwehr nicht mehr zu denken war. Dann stieß er seinen Dolch aus Feuerstein, den er verborgen im Ärmel des Mantels gehalten hatte, dem Händler tief in den Leib; und er stieß noch einmal auf den Hilflosen ein, und noch einmal...

Die Erinnerung an den Schatz stirbt mit dem, der ihn versteckt hat.

Der erste Stich fuhr dem Händler wie Feuer durch den ganzen Körper; den zweiten und dritten spürte er schon nicht mehr. Er fühlte nur, wie das Leben ihn verließ!

‚Schade’, war sein letzter Gedanke, als die große Dunkelheit ihn in sich hineinsog, ‚schade, nun wird niemand meine Bronzebeile an der Furt mehr finden...!’

In der Serie

„Kleine Geschichten zur Geschichte“ schreibt Dr. Björn Emigholz für unsere Zeitung. Er verknüpft Fantasie mit Wirklichkeit, schildert Ereignisse, wie sie sich im Laufe der Jahrtausende abgespielt haben könnten. So wurden Dokumente aus dem Stadtarchiv, Exponate aus dem Domherrenhaus oder einfach uns heute befremdlich scheinende Umstände zur Inspiration kleiner Geschichten.

Von Dr. Björn Emigholz

Bronzebeile mit Schwert und Dolch, wie sie in der Nähe der Aller bei Ausgrabungen gefunden wurden.
Dr. Björn Emigholz

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