„Fakten statt Fake News“

Themenabend der Grünen zum Klimawandel: Nur radikale Maßnahmen helfen

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Emily Karius, Dr. Christian Melsheimer und Dr. Helmut Kruckenberg (v.l.) sprachen auf Einladung der Grünen über den Klimawandel.

Verden – „Klimawandel: Fakten statt Fake News“ war der Titel des Themenabends, zu dem der Ortsverband Verden von Bündnis 90/Die Grünen am Montag ins Norddeutsche Zentrum für Nachhaltiges Bauen eingeladen hatte. Dr. Helmut Kruckenberg, Journalist, Buchautor und Vogelforscher, sowie Dr. Christian Melsheimer, Meereis-Physiker am Institut für Umweltphysik der Universität Bremen, diskutierten über aktuelle Forschungsergebnisse. Daneben stellte Emily Karius von der Verdener Ortsgruppe Fridays vor Future den Forderungskatalog der jungen Klimaaktivisten vor.

„Es passiert etwas mit unserem Klima“, stellte Dr. Kruckenberg unmissverständlich klar. Als Beispiele nannte er zunehmende Stürme, häufigere Waldbrände und Dürreperioden sowie absterbende Korallenriffe durch warmes Meerwasser. Ein weiteres Indiz sei der Rückgang des Grönlandeises. „2040 könnte der Nordpol komplett eisfrei sein“, so der Wissenschaftler. Häufige Überschwemmungen und „Jahrhundertfluten“ durch den steigenden Meeresspiegel sind die Folge. „Bei einer globalen Erwärmung von vier Grad wären im Jahr 2100 etwa 80 Millionen Menschen von Jahrhundertfluten bedroht. Der Klimawandel macht das Wetter extremer, nicht nur wärmer“, zeigte Kruckenberg die dramatischen Folgen auf. Fakten belegten, dass der Erwärmungstrend eindeutig sei. So sei die globale Temperatur seit 1900 um circa 1,2 Grad Celsius gestiegen. Der Meeresspiegel sei seit 1900 um 15 Zentimeter angestiegen und steige jetzt 1,8 Millimeter jährlich. Ursache für diese Erwärmung seien die Treibhausgase wie CO2 und Methan. Davon gebe es heute soviel in der Atmosphäre wie seit 800 000 Jahren nicht mehr.

Auch Meereis-Forscher Dr. Melsheimer ließ keinen Zweifel am menschengemachten Klimawandel. Dies hätten 50 verschiedene Forschungsgruppen unabhängig voneinander festgestellt, wobei es in den Grundzügen einen Konsens gebe. Besonders stark ist die Erwärmung in der Arktis. „Wenn wir weitermachen wie bisher, wird die Arktis zehn Grad wärmer“, warnte Melsheimer. Durchgängige Satellitenbeobachtungen seit 1972 belegen den weltweiten Rückgang des Meereises. „Innerhalb der letzten drei Jahre hat sich die Eisfläche des Jahresminimums in der Arktis praktisch halbiert“, so Melsheimer. Auch die Maxima würden abnehmen. Einen historischen Tiefstand habe es 2017 gegeben.

Ein Rückgang des Eises am Nordpol habe auch für das hiesige Klima gravierende Folgen. Durch weniger Eis gelange mehr Wärme vom Ozean in die Atmosphäre. Die Folgen seien veränderte Hoch- und Tiefdruckgebiete und eine langsamere Westwinddrift, wodurch auch dramatische Großwetterlagen länger bestehen blieben.

„Wir müssen unseren CO2- Ausstoß dramatisch reduzieren“, mahnte Kruckenberg. „Um das in Paris vereinbarte Klimaziel zu erreichen, müsste der CO2-Ausstoß bis 2040 auf Null gebracht werden“, machte er deutlich.

Aus diesem Grund hat Fridays for Future einen Forderungskatalog mit radikalen Maßnahmen bundesweit und auf kommunaler Ebene zusammengestellt. „Verden kann bis 2030 klimaneutral werden“, sagte Emily Karius. Als eine Maßnahme nannte sie eine autofreie Innenstadt bis 2025. Im Gegenzug solle der Radverkehr stärker gefördert werden und der öffentliche Nahverkehr günstiger und attraktiver werden. Bis 2030 soll die Energie in Verden ausschließlich aus erneuerbaren Quellen kommen. „Nur mit radikalen Maßnahmen kann das Klimaziel noch erreicht werden. Jeder kann für sich im Kleinen anfangen“, betonte die junge Frau.

Diese Meinung teilte auch das Publikum. „Der Druck auf die Politik muss aufrechterhalten werden und sogar noch zunehmen.“ „Die Wirtschaft nicht nur um das Prinzip Geld verdienen, sondern auch an die Menschen denken.“ „Man muss sich an die eigene Nase fassen und bereit sein, Einschnitte hinzunehmen“, lauteten einige Stimmen aus dem Publikum.

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