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Holzmarkttunnel: Warnung mit Lichtsignal vor Gegenverkehr

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Von: Markus Wienken

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Radfahrer auf dem Weg in den Holzmarkttunnel in Verden
Der Holzmarkttunnel ist schlecht einsehbar: Eine Signalanzeige soll Radfahrer vor Gegenverkehr warnen, empfiehlt die Unfallkommission. An der Spitze des abgebildeten Fahrerfeldes, der Hinweis muss erlaubt sein, wird zudem falsch, weil auf der Gegenfahrbahn, geradelt. Zur Nachahmung nicht empfohlen. © Markus Wienken

Vollgas mit dem Fahrrad in den Holzmarkttunnel - und dann kracht es. Passiert immer wieder, weil der eine Radler den anderen nicht sieht! Eine Signalanlage könnte den einen vor dem anderen warnen und umgekehrt....und Unfälle verhindern!?

Verden – Es kracht immer wieder im Holzmarkttunnel. Radfahrer gegen Radfahrer oder Fußgänger. Vielfach mit voller Wucht, mit schlimmen Folgen und meist schweren Verletzungen der Beteiligten. Ein Tunnel-Neubau muss her, doch das dauert noch. So lange will Polizeihauptkommissar Stephan Meier nicht warten. „Wir müssen bis dahin andere Lösungen finden.“ Sein Vorschlag: „Eine deutlich sichtbare Lichtzeichenanlage über den Eingängen, die rechtzeitig vor Betrieb im Tunnel warnt.“

Holzmarkttunnel in Verden: „Kopfverletzungen, Knochenbrüche, da sprechen wir schon von Schwerverletzten“

Wer durch den Holzmarkttunnel geht oder fährt, hat gute Chancen, in einen, mal vorsichtig ausgedrückt, „Zwischenfall“ zu geraten. Nach Meiers Erfahrungen aus den zurückliegenden Jahren passieren dort durchschnittlich drei, manchmal mehr Unfälle. „Kopfverletzungen, Knochenbrüche, da sprechen wir schon von Schwerverletzten, die ins Krankenhaus müssen“, sagt Meier. Er ist Mitglied der Unfallkommission des Landkreises, die unter Geschäftsführung der Polizei steht. Als Sachbearbeiter Einsatz und Verkehr der Polizeiinspektion Verden/Osterholz führt Meier das Team an. Und er macht nachfolgende Rechnung auf: „Der Tunnel wird umgebaut, da herrscht soweit Einigkeit. Doch ehe das neue Bauwerk steht, dürften noch mindestens zehn Jahre ins Land gehen, macht demnach mindestens noch 30 Unfälle, von denen ich jetzt schon weiß, dass sie passieren werden“, sagt Meier. „Und wir sprechen von schweren Unfällen.“ Verständlich, dass ein Unfallexperte mit dem Wissen nicht ruhig schlafen kann. „Wir müssen mit dem Problem umgehen und nach Lösungen suchen.“

Holzmarkttunnel in Verden: Eine gelbe Warnbeleuchtung mit Radfahrersymbol über der Tunneleinfahrt

Meier kennt den Tunnel in- und auswendig, hat schon oft dort gestanden und beobachtet. Ein- und Ausgänge, Verhalten von Radfahrern und Fußgängern. Kritisch wird es immer besonders dann, wenn Radfahrer an beiden Seiten zeitgleich in die Röhre sausen, ohne zu wissen, dass ihnen gleich einer entgegenkommt. Radelnde Zeitbomben, so könnte man formulieren. Die Entschärfung wäre denkbar einfach: „Eine automatisierte Lichtanlage, die vor Gegenverkehr warnt“, so Meier. Auch die Umsetzung hat er schon im Kopf: „Eine gelbe Warnbeleuchtung mit Radfahrersymbol über der Tunneleinfahrt am Jugendzentrum, und eine zweite aus Richtung Holzmarkt im Tunnel, in sinnvoller Entfernung zum kritischen Kurvenbereich.“ Das weitere Verfahren ist bekannt: Mit Sensoren gekoppelt, springt das Warnlicht bei „Kontakt“ mit einem Radfahrer automatisch an. Ist die Luft rein, bleibt das Licht dunkel. Nach ähnlicher Methode funktioniert die Anlage an der Autobahn-Anschlussstelle Verden/Nord. Ob es funktioniert? „Es sind noch diverse technische Fragen auf Umsetzbarkeit zu prüfen, aber wir wollen die Idee vorantreiben und – in Absprache mit der Stadt Verden – auch umsetzen.

Auch der Bau von verschränkten Sperren in einigem Abstand zu den Tunneleinfahrten wäre möglich

Und wenn’s nicht hilft? Einen Vorschlag hat Meier noch im Köcher, weiß aber auch um die Schwierigkeiten, die damit verbunden wären. „Als Ultima Ratio kommt aus polizeilicher Sicht der Bau von verschränkten Sperren in einigem Abstand zu den Tunneleinfahrten infrage, um damit die kritische Geschwindigkeit zu unterbinden und die Radfahrer so zum deutlichen Abbremsen zu bewegen.“ Meier gibt zu: „Das wäre natürlich ein starker Eingriff in die Flüssigkeit und Leichtigkeit des Radverkehrs, der tatsächlich nur als letztes Mittel in Frage kommen würde.“

Der Tunnel bleibt, so viel steht fest, bis zu seinem Um- oder Neubau im Zuge von AlphaE ein Dauerpatient. Die Röhre zu schmal, mit dem leichten Knick im Mittelteil, da ist auf die Schnelle nichts zu machen. Also gibt es nur kleinere Stellschrauben: Deutlich besser geworden ist es mit der Beleuchtung. Die Stadtwerke haben innen und außen merklich aufgerüstet. Je nach Tageslicht passen sich die LED-Lampen im Tunnel an. Wer in die Röhre fährt, soll nicht, so das Ziel, durch plötzlich grelles Licht geblendet werden.

Holzmarkttunnel in Verden bleibt bis zum Um- und Neubau ein Dauerpatient

Mehr Licht sorgt in der Röhre Tag und Nacht für bessere Sicht. Doch der leichte Knick versperrt den kompletten Durchblick.
Mehr Licht sorgt in der Röhre Tag und Nacht für bessere Sicht. Doch der leichte Knick versperrt den kompletten Durchblick. © Marklus Wienken

Vor, aber vor allem im Tunnel gibt es eine klare Zuordnung, an die sich Radfahrer und Fußgänger halten müssen. Entsprechende Piktogramme zeigen, wer wo unterwegs sein darf. Gearbeitet wird zudem noch an der Entschärfung eines weiteren Gefahrenherdes: Wer die 18 Stufen vom Bahnsteig des benachbarten Bahnhofs in die Röhre nimmt, der tritt unvermittelt in den Tunnel. „Wir werden in der Röhre einen Spiegel so ausgerichtet anbringen, dass aus allen Richtungen Sichtkontakt besteht“, bestätigt Niklas Radtke vom städtischen Ordnungsamt. Der Spiegel ist bestellt.

Wer die Treppen vom Bahnsteig hinter sich hat, der steht einen Schritt weiter schon im Tunnel. Ein Spiegel soll für mehr Sicherheit und Blickkontakt sorgen.
Wer die Treppen vom Bahnsteig hinter sich hat, der steht einen Schritt weiter schon im Tunnel. Ein Spiegel soll für mehr Sicherheit und Blickkontakt sorgen. © Markus Wienken

Holzmarkttunnel: Mehr Licht im Bauwerk - und auch ein Spiegel soll kommen

Trotz einiger gravierender Mängel, dringend notwendiger Umbauten und Verbesserungen, die eigentlichen Ursachen der Unfälle, so die Ermittlungen der Polizei, sieht Experte Meier beim Verkehrsteilnehmer selbst: „Meist individuell begangene Fahr- oder Verhaltensfehler, weil Radfahrer zu schnell und ungebremst in den Tunnel fahren oder Markierungen missachten.“ Und: „Jeder, auch der Fußgänger, muss auf seinem Weg bleiben.“ Meiers dringender Appell: „Eine gegenseitige Achtsamkeit und ständige Aufmerksamkeit verhindert Unfälle an dieser Stelle.“

Von Markus Wienken

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