Quarantäne schrumpft drastisch

Langfristig rückläufig: die Sieben-Tage-Neuinfektionen.
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Langfristig rückläufig: die Sieben-Tage-Neuinfektionen.

Knapp zehn Tage nach dem Corona-Ausbruch in einem Oytener Pflegeheim entspannt sich die Lage im Landkreis Verden schlagartig. Auch deshalb, weil sich die Brandherde vergangener Wochen aufgelöst haben. „Keine ansteigenden Zahlen“, berichtet Amtsärztin Jutta Dreyer über die aktuelle Entwicklung.

Verden/Achim – Der hundertzwölfte Tag ist ein besonderer. Der hundertzwölfte Tag seit dem Corona-Ausbruch im Landkreis Verden vom 10. März. Der hundertzwölfte Tag mit Abstandsregeln, mit Besuchsverboten, mit Spielplatzschließungen, mit Mundschutz und mit immer komplizierteren Verordnungen. Dieser hundertzwölfte Tag war gestern, und plötzlich ist alles anders. „Die Quarantänezahlen sind drastisch zurückgegangen“, sagt Amtsärztin Jutta Dreyer. Sie verfolgt mit ihrem Team im Verdener Gesundheitsamt nicht nur jeden Corona-Patienten und dessen Infektionskette einzeln, sie legt auch Schubladen an. Beispielsweise jene mit Karteikarten, auf denen Namen aus der Kategorie 1 stehen. Eine Schublade, in der alle direkten Kontaktpersonen von Infizierten landen. Leute, die per amtlichem Bescheid in die häusliche Quarantäne geschickt wurden. Vor einer Woche stapelten sich in dieser Schublade noch rund hundert Karteikarten. Gestern war es plötzlich übersichtlich geworden. „Noch 16 aktuelle Fälle“, sagt Dreyer.

Zwar immer noch 16, und damit 16 zu viel, und immer noch keine endgültige Entwarnung, aber sowas wie ein Hoffnungsschimmer. Eine Art Zäsur. „Wir bewegen uns endlich auf das Niveau der umliegenden Landkreise zu“, sagt Dreyer. Rotenburg, Nienburg, Osterholz-Scharmbeck, Heidekreis – überall sind die Infizierten-Zahlen drastisch bis in die Einstelligkeit geschrumpft. So weit ist es im Kreis Verden noch nicht, aber das Umfeld hat sich gewandelt. „Bisher ließen sich die Hotspots leicht ausmachen. Mal war es das Bremer Güterverteilzentrum, mal ein medizinischer Beruf in der Hansestadt, und jedes Mal war der Landkreis direkt betroffen und wir haben die Auswirkungen sofort gespürt.“ Einzelne Lerngruppen blieben zu Hause, eine ganze Schule machte dicht. „Aber da ist bisher nichts mehr nachgekommen, keine Schließungen, zurzeit alles ruhig“, so Dreyer. Auch deshalb, weil vor allem im Lande Bremen die Zahlen der Neuinfizierten deutlich fallen.

Gestern gaben die nackten Zahlen ebenfalls Anlass zur Beruhigung. Keine neue Infektion, eine Genesung, heißt es aus der Kreisverwaltung. Die Patientenzahlen sinken folglich langsam. Es befinden sich derzeit unverändert sechs Personen in stationärer Behandlung.

Das Problem allerdings: Ein neuerlicher Ausbruch kann nicht ausgeschlossen werden. „Wir verwenden deshalb alle Kraft auf, die bisherigen Infektionsketten im Auge zu behalten.“ Und da in Niedersachsen anlassbezogen im Umfeld betroffener Einrichtungen getestet werden soll, richte man den Fokus eben auch auf die Umgebung des Oytener Altenheimes. Gestern seien zehn Abstriche genommen worden, am heutigen Mittwoch sind 60 Personen an der Reihe. Bewohner, Mitarbeiter, Eltern der Mitarbeiter, Ehepartner: Halt wird vor niemandem gemacht. Und jedes Mal schwingt die Sorge mit, einem nächsten Hotspot auf die Spur zu kommen.

Von Heinrich Kracke

Die roten Flatterbänder sind verschwunden, die Vorsichtsmaßnahmen bleiben: das Verdener Kreishaus in Corona-Zeiten.

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