„Omas gegen Rechts“ bringen Stolpersteine in der Fußgängerzone auf Hochglanz

Mit dem Putzlappen gegen das Vergessen

Werner Schröter macht es vor. Es sind nicht die ersten Stolpersteine, die er auf Hochglanz gebracht hat. Foto: wennhold

Verden - Von Erika Wennhold. Jede hatte einen Eimer mit Putzmittel dabei und am Treffpunkt schon bald eine weiße Rose in der Hand. Am Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust hatten sich die „Omas gegen Rechts“ einiges vorgenommen: Mehr als 20 Stolpersteine sollten in der Fußgängerzone wieder auf Hochglanz gebracht werden.

Doch zunächst führte der Historiker und frühere Gymnasiallehrer Werner Schröter am Mahnmal für die jüdischen Opfer des NS-Regimes in die lokale Geschichte ein. Er wusste zum Beispiel zu berichten, dass die Standortwahl für das Mahnmal keineswegs praktische oder sonst welche Gründe hatte, sondern ausschließlich geschichtliche. Denn hinter dem historischen Rathaus in der Ritterstraße hätten die jüdischen Mitbürger am 13. September 1941 mitgeteilt bekommen, dass sie von nun an einen Judenstern zu tragen hätten.

Die Gruppe „Omas gegen Rechts“ gibt es in Verden noch gar nicht so lange. Das spontane Interesse von gleich 30 Frauen und vier Männern bei der Gründung der Gruppe Ende des vergangenen Jahres zeugt jedoch von einem großen Bedarf an Auseinandersetzung und Aufarbeitung. Gemeinsam wollen sie etwas gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtspopulismus tun. Um sich zu engagieren und auf sich aufmerksam zu machen, sind Tage wie der gestrige, feste Termine beim gemeinsamen Engagement.

Einerseits war das Mahnmal hinter dem Rathaus der ideale Treffpunkt. Andererseits wurde die kleine Gedenkfeier mit einem historischen Rückblick von Werner Schröter jäh unterbrochen, als Polizeibeamte auftauchten, und von einer nicht angemeldeten öffentlichen Veranstaltung sprachen. Da hatte wohl ein übereifriger Mitarbeiter im Rathaus nur seine Pflicht tun wollen.

Die interessanten Ausführungen des Historikers konnten jedoch schon bald und ohne unangenehme Folgen fortgesetzt werden, hätten aber vielleicht kaum ein zeitlich passendes Ende genommen, wäre der Gruppe nicht wieder eingefallen, was ihr eigentliches Anliegen war.

Die ersten Stolpersteine, die geputzt werden sollten, waren nicht weit weg. Sie sollen an die Familien Baumgarten erinnern, die während des NS-Regimes in der Großen Straße 29 wohnten und von dort aus deportiert und umgebracht wurden.

Mehrere Putzmittel brauchte Historiker Schröter, um das stumpfe und dunkelgrau verfärbte Messing wieder auf Hochglanz zu bringen. Alle anderen wussten ab jetzt, was sie zu tun hatten, um den Stolpersteinen in der Fußgängerzone wieder ihren Sinn zu geben: aufzufallen. Damit Menschen stehen bleiben und sich bücken, um die eingravierte Beschriftung zu lesen. Schröter: „Eine Verbeugung vor den Opfern.“

Das Verlegen von Stolpersteinen geht auf eine Initiative des Künstlers Gunter Demnig zurück. Der hatte im Dezember 1992 den ersten Stolperstein verlegt und für große Aufmerksamkeit gesorgt. 2019 verlegte Demnig in Memmingen übrigens den 75 000sten Stolperstein. Eine Aktion, die nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa mit großer Anerkennung bedacht wurde und inzwischen als das größte dezentrale Mahnmal der Welt angesehen wird.

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