Prozessbeginn nach zwei Überfällen auf Rentner in Oyten / Angeklagter nennt Mittäter

„Möchte einen Schlussstrich ziehen“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden/Oyten - Bislang war es der Polizei lediglich gelungen, einen der Täter zu schnappen, die im Herbst 2014 innerhalb von 14 Tagen zwei Männer in Oyten überfallen hatten. Das könnte heute schon anders aussehen. Ein 31 Jahre alter Angeklagter aus Bremen hat gestern beim Prozessauftakt am Landgericht Verden die Taten gestanden und dabei seine Komplizen namentlich benannt.

Im Vorfeld des Prozesses gab es Gespräche zwischen den Verfahrensbeteiligten. Dabei war dem Angeklagten signalisiert worden, dass ihm 13 Jahre Haft wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes drohen. Im Fall eines umfassenden Geständnisses, in dem er die Mittäter benennt, könne er mit etwas weniger als der Hälfte rechnen. Dieses Angebot nahm der vierfache Vater gestern an. „Es fällt mir nicht leicht, aber ich möchte einen Schlussstrich ziehen“, hieß es in einer von Verteidiger Armin von Döllen verlesenen Erklärung.

Es geht um zwei brutale Überfälle auf 68 und 71 Jahre alte Männer in Oyten. Am 26. September 2014, gegen 20 Uhr, klingelten die Täter der Anklageschrift zufolge am Haus des 71-Jährigen. Als dieser die Tür öffnete, soll er von drei Tätern ins Haus gedrängt, zu Boden gestoßen und gefesselt worden sein.

„Geldschrank, wo ist Geldschrank?“, habe einer der Täter ihn gefragt. Aus diesem soll das Trio 1800 Euro geraubt haben. Danach sei der Mann noch einmal zu Boden gestoßen und ihm der Mund dermaßen verklebt worden, dass es nur einem glücklichen Zufall zu verdanken sei, dass er weiter atmen konnte. Die Täter flüchteten, Nachbarn fanden den Geschädigten.

Das zweite Opfer schaute laut Anklageschrift gerade eine Krimi-Serie, als die Täter in das Wohnzimmer stürmten. Einer habe ein Messer mit einer 20 Zentimeter langen Klinge in der Hand gehalten.

Der 68-Jährige sei von seinem Stuhl gezerrt, auf den Boden gedrückt und später mit dem Gesicht auf den Boden geschlagen worden. Er sei dann an einen Stuhl gebunden, die Hände fixiert, die Füße zusätzlich an die Stuhlbeine gebunden worden. Mehrfach habe man ihm den Mund verklebt, Papier hineingesteckt und wieder herausgenommen. Bis er sagte, wo er seine Wertsachen hat. Knapp 4200 Euro, 4000 US-Dollar, 50 Schweizer Franken, Uhren, Münzen, Schmuck, EC-Karten und der Schlüssel für ein Tresorfach war laut Anklage die Beute. Die Täter sollen dem Mann am Ende ein Messer auf den Oberschenkel gelegt haben, damit er sich befreien kann.

Am 24. Oktober war der Angeklagte das erste Mal festgenommen worden. Auf Grund einer Haftbeschwerde kam er später noch einmal auf freien Fuß, doch die Staatsanwaltschaft Verden erwirkte über das Oberlandesgericht Celle am 4. Dezember eine erneute Festnahme. Seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft.

Als Motiv wurden in der Erklärung des Verteidigers hohe Spielschulden genannt. „Ich habe keinen anderen Ausweg gesehen“, verlas der Verteidiger für seinen Mandanten.

Ungewöhnlich war, dass der Angeklagte detaillierte Angaben zunächst bei der Polizei machen sollte, die ihn nach der kurzen Erklärung beim Gericht abholte. Die Staatsanwältin wollte jedoch, dass er ihr angesichts der geschlossenen Vereinbarung die Namen der Mittäter sofort nennt. „Ich kaufe nicht die Katze im Sack“, so Lühning. „Wahrscheinlich will sie gleich die Haftbefehle beantragen“, mutmaßte der Verteidiger.

Morgen soll der Prozess fortgesetzt werden. Bis zum 11. Juni sind insgesamt sechs Verhandlungstage vorgesehen.

wb

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