Gestern Prozessbeginn am Landgericht

Die eigene Tochter missbraucht

Verden - Wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner leiblichen Tochter in 18 Fällen muss sich seit gestern ein 57 Jahre alter Angeklagter aus Verden vor dem Landgericht Verden verantworten. Zum Prozessauftakt wurde lediglich die Anklageschrift mit vielen abscheulichen Details verlesen. Ein umfassendes Geständnis wurde für den nächsten Verhandlungstag angekündigt. Wenigstens die Aussage vor Gericht scheint der Mann seiner Tochter ersparen zu wollen.

Stiefväter als Täter bei Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern gibt es häufig. Leibliche Väter sind die Ausnahme.

Begonnen hat es aber auch in diesem Fall, wie so oft, mit Berührungen in der Dusche und Streicheleinheiten oberhalb der Kleidung im Schambereich des Mädchens, das zum Tatzeitpunkt sieben Jahre alt war. So soll es sich laut den ersten zehn Anklagepunkten verhalten haben. Die Perversion des weiteren Handelns dieses Angeklagten, zumindest wie es in der Anklageschrift dargestellt wird, ist außergewöhnlich. Zum Schutz des Opfers werden Details an dieser Stelle nicht genannt.

Wenn die Kindsmutter zur Arbeit war, soll der Angeklagte die Taten in der gemeinsamen Wohnung verübt haben. Seit einigen Monaten sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Gestern wurde er in Hand- und Fußschellen in den Gerichtssaal geführt. Kurz darauf wurde die Anklageschrift verlesen. Eine Einlassung war für diesen ersten Verhandlungstag nicht geplant, der Vorsitzende Richter Joachim Grebe nutzte die Zeit für einen Appell an den Angeklagten.

„Sie können mit einem Geständnis bewirken, dass ihre Tochter hier nicht zu allen Einzelheiten aussagen muss“, sagte Grebe und wies den 57-Jährigen darauf hin, dass die Aussage vor Gericht bei dem Mädchen zu einem weiteren Trauma führen könne. Sollte der Angeklagte sich dafür entscheiden, die Taten einzuräumen, so wie er es teilweise bereits bei der Polizei getan habe, würde dies seiner Tochter die Aussage vor Gericht ersparen und beim Strafmaß zu seinen Gunsten berücksichtigt.

Verteidigerin Daniela Post schien dies im Vorfeld mit ihrem Mandanten beraten zu haben. Sie kündigte eine umfassende Einlassung für den nächsten Verhandlungstag an. „Das Mädchen soll nicht gehört werden. Das hat oberste Priorität“, betonte Post.

Das Mädchen ist als Nebenklägerin an dem Verfahren beteiligt und wird im Prozess von der Anwältin Ines Landwehr vertreten. Die Juristin stellte einen Adhäsionsantrag, in dem es um zivilrechtliche Ansprüche geht. Konkret um ein noch nicht beziffertes Schmerzensgeld für das Kind. Drei weitere Verhandlungstage bis zum 8. April hat das Gericht für den Prozess eingeplant. - wb

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