31-Jähriger steht vor Gericht

Streit mit dem 60-jährigen Vater endet tödlich

Verden - Jahrelang lebte der 31 Jahre alte Angeklagte mit seinem Vater zusammen in einer Wohnung in Verden. Der 60-Jährige soll schwer alkoholabhängig gewesen sein. Als der Sohn in den frühen Morgenstunden des 19. Dezember 2015 nach einer Weihnachtsfeier selbst betrunken nach Hause kam, gerieten die Männer in Streit. Erst verbal, dann körperlich. Die Folgen waren für den Vater tödlich.

Freitag war Prozessauftakt am Landgericht Verden. Knapp zwei Jahre später muss sich der 31-Jährige wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten.

Laut der Anklageschrift forderte der „erheblich alkoholisierte Vater“ den Sohn auf, die Wohnung zu verlassen. Es sei zum Gerangel gekommen, bei dem der Angeklagte mehrfach mit der Faust zugeschlagen habe – gegen den Körperrumpf und mindestens sechsmal gegen den Kopf des Vaters, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Verden. Diese stumpfen Gewalteinwirkungen seien ursächlich für innere Blutungen sowie Schwellungen und Flüssigkeitseinlagerungen im Gehirn gewesen, die zum Tod des Vater geführt hätten.

Besonders tragisch: Als beide Männer am Boden lagen, will der Sohn aufgestanden sein und gesagt haben, dass Schluss ist. Der Vater habe sich aufs Sofa gesetzt und er sei schlafen gegangen. „Verletzungen sind mir nicht aufgefallen“, ließ der 31-Jährige über seinen Verteidiger Torben Müller erklären.

Den ganzen Tag habe er geschlafen, nur zweimal sei er hinaus auf die Straße gegangen, als Freunde da waren. Einer habe ihm das vergessene Geschenk des Chefs von der Weihnachtsfeier gebracht. Zwischendurch hab er sich dann noch an einer Tankstelle zwei Dosen Bier geholt. Erstmalig wieder am Abend habe er das Wohnzimmer betreten, um seine Fische zu füttern. Da fand er den Vater. Dieser habe tot vor der Couch gelegen.

„Zunehmend provozierend“

Konkrete Erinnerungen will der Angeklagte kaum noch haben. Mittlerweile gehe er aber selbst davon aus, Schuld am Tod des Vaters zu sein. „Ich habe meinem Vater nie etwas Böses gewollt“, heißt es in der verlesenen Erklärung. Seinen Schmerz und seine Trauer könne er gar nicht beschreiben.

Ausführlich wird in dem mehrseitigen Schriftstück die offenbar schwierige familiäre Situation geschildert. Zunehmend sei der Vater dem Sohn gegenüber „aggressiv, provozierend und beleidigend“ gewesen. Freunde will der 31-Jährige nie in die Wohnung gelassen haben, „aus Angst, dass der Besuch auf den volltrunkenen Vater trifft“.

Dennoch sei er beim Vater wohnen geblieben, heißt es dazu. „Weil ich Angst hatte, dass ihm etwas zustößt, wenn niemand mehr auf ihn aufpasst. Trotz aller Schwierigkeiten habe ich meinen Vater geliebt. Ich habe bis zuletzt gehofft, dass er mit dem Trinken aufhört.“

Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage bis zum 19. Dezember 2017 eingeplant. 

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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