Sechs Angeklagte vor Gericht

Prozess um Prügelei auf dem Weihnachtsmarkt startet spät

Lange Anklagebank bei der Prozesseröffnung im Landgerichtssaal. - Foto: Bruns

Verden - Ein blutiges Ende hatte der Verdener Weihnachtsmarkt im Jahr 2013 in Verden gefunden. Mitglieder einer Großfamilie sollen beim Abbau eines Glühweinstands auf dem Rathausplatz von Mitgliedern einer anderen Großfamilie angegriffen worden sein. Die sechs Angeklagten im Alter von 28 bis 40 Jahren wurden seinerzeit schnell ermittelt, doch erst gestern hat der Strafprozess am Landgericht Verden begonnen.

Für den Prozessauftakt waren erhöhte Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Schon das lässt darauf schließen, dass sich die beiden Familien bis heute nicht ausgesöhnt haben. Zur Verhandlung gestern war jedoch keiner der fünf Nebenkläger anwesend, und auch auf der Anklagebank nahmen zur Verhandlung nur vier Angeklagte Platz. Zwei im Ausland lebende Angeklagte hatte das Gericht von ihrer Anwesenheitspflicht in dem Prozess befreit.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Verden befanden sich aber am Abend des 29. Dezember 2013 alle Angeklagten in Verden auf dem Rathausplatz. Der Anklageschrift zufolge war die dort verübte Tat ein gezielter Angriff. Die sechs Angeklagten, so die Staatsanwaltschaft, sollen auf die Geschädigten eingetreten und eingeschlagen haben. Dabei seien teilweise Schlagwerkzeugen wie Dachlatte, Schneeschaufel und Schlagstock benutzt worden.

Bei diesen Tätlichkeiten soll der 40 Jahre alte Angeklagte mit der Kante einer Schaufel in Richtung des Kopfes eines Nebenklägers geschlagen haben. Deshalb wird bei diesem Angeklagten sogar eine Verurteilung wegen versuchten Totschlags in Betracht gezogen.

Keiner der Angeklagten ist bereit, sich zu äußern

Doch die Aufklärung der Geschehnisse dürfte sich nicht nur auf Grund der mittlerweile ins Land gegangenen Jahre schwierig gestalten. Zu den Vorwürfen schweigen alle sechs Angeklagte. Nur ein 28 Jahre alter Beklagter, der von der Anwesenheit befreit wurde, hat sich im Vorfeld in einem nicht öffentlichen Termin über seine Verteidigerin zu dem geäußert, was möglicherweise Auslöser des Angriffs war.

Es soll um die damals neue Freundin des Angeklagten gegangen sein. Diese habe bei einem Mitglied der auf dem Weihnachtsmarkt angegriffenen Großfamilie gearbeitet. Die Frau sei von ihrem Chef „bedrängt und belästigt“ worden. Außerdem habe der Chef der Frau untersagt, den Angeklagten zu treffen, so die Aussage.

Bei einer Stadthallenparty Weihnachten 2013 hätten vier Personen den Angeklagten angegriffen und ihn verletzt. Ein anderer Angeklagter sei von dem Chef der Frau in eine Falle gelockt und ebenso verletzt worden. Aus Gründen der „Deeskalation“ sei der 28-Jährige später mit der Frau in die Schweiz gezogen.

Das Gericht könnte mehrere der Verfahren einstellen

Am Mittwoch wurden diverse weitere Schriftstücke verlesen. Dabei ging es vorrangig um die Gründe der langen Verfahrensdauer (wir berichteten) und eine aus Sicht des Gerichts für fünf Angeklagte immer noch in Frage kommende Verfahrenseinstellung. Diese haben die Angeklagten bislang abgelehnt.

Mit den ersten Zeugenbefragungen will das Gericht am 29. August, um 9 Uhr beginnen. Insgesamt sind für den Prozess elf Verhandlungstage bis zum 30. Oktober eingeplant.

wb

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