Prozess um Oytener Überfälle fortgesetzt / Angeklagter stellt sich in gutem Licht dar und belastet die Komplizen

Räuber angeblich ein Ausbund an Fürsorge

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden/Oyten - Nach fast dreiwöchiger Pause wurde gestern der Landgerichtsprozess um zwei Raubüberfälle im Herbst 2014 in Oyten fortgesetzt. Es wurden weitere Zeugen gehört und der Angeklagte noch einmal zu einer der beiden Taten befragt. Am Tatort sei es unter den Räubern zum Streit gekommen und die Beute alles andere als fair geteilt worden.

Zunächste berichteten Kripobeamte von der Durchsuchung der Wohnung des 31 Jahre alten Angeklagten, der zum Zeitpunkt seiner Festnahme am 24. Oktober mit Frau und Kindern in Bremen gelebt hat. In einem Abstellraum habe die Polizei eine Tüte mit einem Teil der Beute gefunden. Vor dem Haus stand das Auto, mit dem drei der fünf Täter nach Oyten gefahren waren. Im Handschuhfach fand die Polizei zwei Messer, die laut Angeklagtem jedoch nicht zur Bedrohung des zweiten Opfers benutzt wurden.

Ein heute 69 Jahre alter Arzt war am Abend des 10. Oktober 2014 in seinem Haus überfallen worden. Im Prozess hatte der Oytener geschildert, wie die Täter plötzlich im Wohnzimmer standen. Er sei zu Boden gedrückt worden, eine Tischdecke sei ihm über den Kopf gelegt worden und es habe sich so angefühlt, als würde ihm ein Messer in den Rücken gedrückt.

„Das war kein Messer. Das war mein Finger“, behauptete der Angeklagte, der sich selbst in einem guten Licht darstellte. Er habe dem Opfer ein Glas Wasser besorgt, ihm ein Kissen gegeben und Schläge eines Mittäters abgewehrt. Am Ende habe er dem Opfer ein Messer auf den Oberschenkel gelegt, mit dem es sich nach der Flucht der Täter von Fesseln befreite.

Der 69-Jährige habe den Räubern gesagt, wo er sein Geld versteckt hält. Die Mittäter hätten danach gesucht, während er das Opfer bewacht habe, so der Angeklagte. Kurz darauf sei einer der Täter aggressiv geworden, weil man das Geld, je 4000 Euro und US-Dollar, nicht gefunden habe. „Der verarscht uns“, habe der Komplize auf Arabisch geschimpft und das Opfer geschlagen.

Erst später will der Angeklagte erfahren haben, dass sein Bruder die 4000 Euro eingesteckt hatte, ohne dies den Komplizen zu offenbaren. Eine geraubte EC-Karte habe der Bruder versehentlich zerdrückt und ein geraubtes I-Phone in Bremen in einen Bach geworfen. „Na, das hat sich ja alles gelohnt“, merkte der Vorsitzende Richter Joachim Grebe schmunzelnd an. Eine Woche später, als die Familie eine Hochzeit feiere, habe sein Bruder sich mit einem Teil der Beute erst nach Essen und dann in die Türkei abgesetzt. Dort sei er verhaftet worden, behauptete der Angeklagte.

Am ersten Verhandlungstag hatte der 31-Jährige alle Komplizen namentlich be-nannt. Ob diese bereits festgenommen werden konnten, dazu machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Der Prozess wird am 2. Juni fortgesetzt.

wb

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