„Werden exzessiv belogen“

Prozess um Messerstecherei am Bahnhof: Ermittlung stößt an ihre Grenzen

Verden - Seit fünf Monaten versucht die 3. Große Strafkammer des Landgerichts aufzuklären, was am 23. November 2017 am Verdener Bahnhof geschehen ist und ob sich die drei Angeklagten strafbar gemacht haben.

„Aber wir werden vor Grenzen gestellt“, sagte Erste Staatsanwältin Dr. Annette Marquardt gestern in ihrem Plädoyer. „Weil Zeugen uns exzessiv belügen“, so die Juristin. Was ein zunehmendes Problem sei.

Mehrere Personen waren damals in Streit geraten. Es soll um ein Rap-Video gegangen sein, an dem die drei 21, 31 und 34 Jahre alten Angeklagten beteiligt waren. Das Video war von einem der späteren Verletzten negativ im Internet kommentiert worden. 

Dieser und noch zwei weitere Männer waren mit Messerstichen verletzt worden. Einer davon lebensgefährlich und der 34 Jahre alte Angeklagte aus Bremen schwer. Alles spreche dafür, dass dem 34-Jährigen der Stich von jemandem aus dem Lager der „sogenannten Opfer“ zugefügt worden ist, so die Staatsanwältin.

Auseinander auch am Tag vor Bluttat

Schon einen Tag zuvor hatte es eine Auseinandersetzung am Bahnhof gegeben. Als die drei Angeklagten am nächsten Abend dort auftauchten, war es zu der blutigen Auseinandersetzung gekommen. Wie ein „wilder Stier“ soll der später mit einem Beinstich verletzte Mann auf die Angeklagten zugestürmt sein.

„Wir haben verschiedene Prügelszenen beschrieben bekommen. Ich weiß nicht, wer angefangen hat“, stellte die Staatsanwältin fest. „Ich denke, Zeugen haben das beobachtet, aber wir können es trotzt aller Bemühungen nicht klären.“

Es sei auch nicht aufzuklären gewesen, ob alle drei Angeklagten ein Messer gezückt hatten. „Es spricht einiges dafür, dass der 31-Jährige aus Langwedel es hatte“, führt Marquardt aus. Dem Mann war mit der Anklage versuchter Totschlag vorgeworfen worden. Am Ende blieben für die Staatsanwältin zu viele Zweifel. Sie beantragte, die beiden älteren Angeklagten freizusprechen.

Beim dem 21-Jährigen aus Verden zeigte sie sich überzeugt, dass er einen Mann geschlagen, getreten und gewürgt hat. Dies wertete sie als gefährliche Körperverletzung. Das Würgen sei potenziell lebensgefährlich. „Bei dem Affenkram, um den man sich da gestritten hat, kommt man zum Ergebnis, dass Reifeverzögerungen vorliegen könnten.“

Würgen potenziell lebensgefährlich

Zwei Wochen Dauerarrest, lautete ihr Antrag, plus einen sechsmonatigen sozialen Trainingskurs. Doch Verteidiger Alexander Grantz sah auch diese Tathandlung nicht als bewiesen an und beantragte einen Freispruch. Er hatte die Aussagen von 17 Zeugen und vier farblich unterteilte Sachverhalte aus der Anklageschrift in einer Excel-Tabelle zusammengefasst. Es bestätigt den Eindruck von Zeugenaussagen aus 15 Verhandlungstagen: alles kunterbunt und durcheinander.

Die beiden anderen Verteidiger konnten sich nach dem Plädoyer der Staatsanwältin große Ausführungen sparen. Ein Urteil will das Gericht am 26. Oktober um 10 Uhr verkünden. 

wb

Rubriklistenbild: © dpa

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