Projekt „Inklusiv VERbunden“ engagiert sich in vielen Einrichtungen / Besuch in Österreich / Weitere Förderung

Ein Menschenrecht auf Teilhabe

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Die Steuerungsgruppe aus Verden mit (auf dem Sofa von links) Dr. Christiane Morré, Bildungskoordinatorin Stadt Verden, Gunda Ennen (Prozessbegleitung) und Mathias Hinderer (Fortbildung) mit Gemeindevertretern der Kommune Wiener Neudorf.

Verden - Inklusion nur ein Thema für Experten? Die Zeiten sind längst vorbei. Mittlerweile ist die Idee im Alltag angekommen. In Verden heißt es schon seit 2008 „Inklusiv VERbunden“. „Ein intensiver Prozess, Ende offen“, so Margarete Meyer von der Steuerungsgruppe. Ihr klares Signal: „Das befristete Projekt läuft zwar aus, aber wir machen weiter.“ Die Chancen für eine Fortsetzung stehen gut.

Die Verdener wollten es ganz genau wissen. Als vor zirka sieben Jahren das Projekt „Inklusiv VERbunden“ anlief, fuhr eine Delegation nach Österreich. In der Kommune Wiener Neudorf, nahe der Hauptstadt Wien, wurde schon damals Inklusion gelebt. „Beeindruckend, was wir dort an Praxis erfahren durften“, erzählt Margarete Meyer.

Zurück in Verden, machte sich die Steuerungsgruppe an die Arbeit. Im Boot der Gruppe sitzen neben Koordinatorin Margarete Meyer noch Bildungskoordinatorin Dr. Christiane Morré und Sozialarbeiterin Sabine Mandel. Begleitet wird das Projekt zudem von „Arbeit und Leben“, vertreten durch Petra Simonowsky und Mathias Hinderer. Fördermittel steuern das Land Niedersachsen und der Europäische Sozialfonds (ESF) aus ihrem Programm „Inklusion durch Enkulturation“ bei.

Wunsch der Verdener war es von Anfang an, inklusive Prozesse in möglichst vielen gesellschaftlichen Bereichen auszulösen. „Inklusion ist eben nicht nur, dass Rollstuhlfahrer barrierefrei durch die Stadt kommen, es ist vielmehr auch ein Menschenrecht auf Teilhabe“, betont Margarete Meyer. Und: „Inklusion fängt im Kopf an.“

Was in vielen Bereichen zu Beginn des Projektes noch in den Kinderschuhen steckte, sieht Margarete Meyer mittlerweile erfolgreich angeschoben: „Kindergärten, Schulen sowie freie Träger, darunter Jugendzentrum, Bürgertreff, Begegnungsstätte Oderplatz und Stadtwaldfarm, fördern die Teilhabe aller Bewohnerinnen und Bewohner“, so die Koordinatorin. Wichtig ist der Steuerungsgruppe die Schaffung von verlässlichen und nachhaltigen Strukturen. „Dabei spielt die Vernetzung vor Ort eine ganz besondere Rolle“, weiß Margarete Meyer. Sie nennt das Wohngebiet im Bereich um den Oderplatz als Beispiel. „Da gibt es viele verschiedene Einrichtungen rund um den Treff, die bislang nicht miteinander gearbeitet haben.“ Eine Idee, alle an einen Tisch zu holen, hat die Projektgruppe schon: „Bei einem Fest im Juni können nun Kontakte geknüpft werden, die Bewohner können sich und ihre Nachbarschaft kennenlernen.“

Eine große Bereitschaft, Inklusion voranzubringen, sieht Margarete Meyer in den städtischen und freien Einrichtungen. „Mit Unterstützung der Förderung konnten zahlreiche hochkarätige Fortbildungen besucht werden. Das war ein großer Schatz für uns“, freut sie sich.

Doch nicht nur im eigenen Haus wird auf die Inklusion geschaut. Und damit wären die Verdener wieder beim Ausgangspunkt in Österreich. Nach sieben Jahren reiste jetzt wieder eine Delegation in die Kommune Wiener Neudorf. „Nach wie vor ist es beispielhaft, was die Gemeinde mit ihren 9000 Einwohner leistet“, so die Beobachtung. Aber die Verdener nahmen noch eine Erfahrung mit: „Neudorf ist schon ziemlich weit, aber es war schön zu sehen, dass wir in einigen Bereichen bereits auf Augenhöhe oder sogar noch weiter sind.“

Die finanzielle Förderung für „Inklusion durch Enkulturation“ läuft zwar in diesem Jahr aus, doch für die Steuerungsgruppe steht fest: „Inklusion ist kein in sich abgeschlossener Prozess, sondern vielmehr ein Weg, der nie ein Ende findet.“ Daher setzen die Beteiligten auf eine Fortsetzung der Förderung. Positive Signale von zuständigen Stellen des Kultusministeriums habe es bereits gegeben.

Ehe es soweit ist, soll allerdings gefeiert werden. Die Vorbereitungen für ein großes Sommerfest am 10. Juli laufen bereits. Motto: „Wir wollen die Inklusion auf den Rathausplatz bringen.“

mw

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