Künstlerin Katja Priebe nach Pop-up-Erfahrung im eigenen Atelier / Experte lobt Verden

Profitieren von der „Probierstadt“

 Künstlerin Katja Priebe steht in den Ladenräumen mit vielen Bildern an der Wand.
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Vom Pop-up-Store ins eigene Atelier: Künstlerin Katja Priebe hat sich an der Windmühlenstraße eine kleines kreatives Reich geschaffen. Nach Corona möchte sie zusätzlich ein kleines Geschäft betreiben.

Verden – „Ich weiß, was ich will. Und ich brauche Ziele“, sagt Katja Priebe. „Mit diesem Atelier habe ich mir das geschaffen“, fügt sie lachend hinzu und weist auf ihr kleines Reich, einen vielleicht zwölf Quadratmeter großen Raum im Souterrain einer alten Villa an der Windmühlenstraße 30, Ecke Bahnhofstraße. Und den gebe es nicht ohne den Pop-up-Store, den die Künstlerin ein halbes Jahr lang in der Großen Straße 70, ehemals Fisch Bremer, betrieben hat.

Katje Priebe ist ein fröhlicher Mensch. Das zeigt sich auch in ihren Bildern, ihren Figuren, die fast nimmer ein Lächeln im Gesicht haben. Vergangenes Jahr aber, im ersten Lockdown, war es vorbei mit der guten Laune. „Dann hing ich da und mir ging’s immer schlechter“, beschreibt sie ihren damaligen Gemütszustand.

Zukunftsräume für Existenzgründer

Ein Freund erzählte ihr dann von dem Projekt „Probierstadt“, mit dem die Stadt Verden dem Leerstand in der City begegnen will. Gefördert vom Land Niedersachsen und dessen Programm „Zukunftsräume“, haben hier beispielsweise Existenzgründer die Chance, ihre Geschäftsidee zu testen, ohne finanzielle Risiken eingehen zu müssen.

Auf die Erkenntnis „Wow, ich kann was tun“ folgte Priebes Bewerbung bei der „Probierstadt“. Mitte Oktober vergangenen Jahres legte die Künstlerin dann gemeinsam mit Beate Hillwig in dem einstigen Fischgeschäft los. Die eine mit ihren Handzeichnungen, die andere mit Produkten aus Alpaka-Wolle.

„Ich konnte mir vorher nicht vorstellen, einen Laden zu haben“, gibt Katja Priebe zu. „Aber das funktionierte so gut“, klingt sie, als sei sie selber erstaunt darüber.

Nicht nur ihre farbenfrohen Zeichnungen und Postkarten von maritimen Sehnsuchtsorten und Wimmelbildern kamen gut an. Zumal Priebe ihre Werke als Drucke verkauft, „so, dass sich auch Leute mit kleinem Portemonnaie ein Bild hinhängen können“. Außerdem ergänzte die 52-Jährige ihr Sortiment um Puzzles, Becher und großformatige Wandbilder, die von allen ihren Motiven angefertigt werden können. „Im Laden hatte ich ja die Möglichkeit, die ganze Palette zu zeigen“, erklärt sie.

Atelier im Pop-Up-Store

Auch ihr Atelier verlegte die Künstlerin von zu Hause in den Pop-up-Store. „Ich bin zur Arbeit gegangen“, berichtet sie. Diese Trennung von Beruf und Privatleben tat gut. Katja Priebe konnte sich im Geschäft voll auf ihre Arbeit konzentrieren. „Und das wollte ich wieder.“

Ihr kleines Atelier soll aber nur ein erster Schritt für mehr sein. „Es ist, als wenn ich Anlauf nehme“, beschreibt sie die Gegenwart. Ihre Zukunft sieht Katja Priebe in einem kleinen Laden. Nach der Pandemie.

Die Corona-Krise nutzen, um über die Zeit danach nachzudenken, Pläne zu entwickeln: So, wie Katja Priebe es macht, würde sie bei Prof. Dr. Axel Priebs offene Türen einrennen.

Der Planer ist Vizepräsident der Akademie für Raumentwicklung in Hannover, hat Mitte der 80er-Jahre als Regionalplaner auch beim Landkreis Verden gearbeitet und hat die Gegend hier offenbar im Auge behalten. Bei der Netzwerkkonferenz zum Förderpogramm „Zukunftsräume“, zu der Niedersachsens Regionalministerin Birgit Honé jetzt eingeladen hatte, äußerte Priebs sich jedenfalls mehrfach lobend über die Stadt Verden.

Mit der „Probierstadt“ ist diese eine von mehr als 40 Kommunen, deren Projekte aktuell gefördert werden. Im Rahmen der Online-Konferenz mit rund 180 Teilnehmern wurde die Verdener Idee der Pop-up-Stores gemeinsam mit Maßnahmen in Hoya, Lingen und Einbeck als „best practise“, als Erfolgsmodell vorgestellt.

Offenbar hat Verden in der Vergangenheit –  auch unabhängig von Corona – bereits einiges richtig gemacht. Beispielsweise durch den Allerpark als citynahe öffentliche Grün- und Spielfläche. Oder durch das 2012 beschlossene Radverkehrsförderkonzept mit seinen vielen Einzelmaßnahmen. Die Erschließung einer Stadt mit dem Fahrrad sei „eine Zukunftsinvestition“, stellte Axel Priebs fest.

Attraktivität der Innenstädte

Wie zum Beleg berichtete Referent Frank Osterhage vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) in Dortmund den Konferenzteilnehmern von einer Umfrage in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Sommer. Welche Faktoren haben eine hohe Bedeutung für die Attraktivität von Innenstädten, jetzt und in zehn Jahren? Diese Fragen sollten Stadtplaner und -entwickler aller Städte und Gemeinden in NRW beantworten. Zwei Drittel von ihnen nahmen teil. Ein hoher Rücklauf.

Und während sie gegenwärtig die Erreichbarkeit durch den Individualverkehr, Sauberkeit und Sicherheit sowie den Einzelhandel als wichtig erachteten, skizzierten die Experten für die Zukunft ein anderes Bild.

Dann spielt ihrer Ansicht nach die Erreichbarkeit zu Fuß, mit dem Rad und dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) eine große Rolle. Statt nur auf Einzelhandel setzen die Planer in zehn Jahren auf einen Mix aus Handel, Wohnen, Gastronomie, kulturelle, touristische und Freizeit-Angebote, Arztpraxen und Dienstleister. Und auch die Aufenthaltsqualität – Grünanlagen, die Gestaltung des öffentlichen Raumes, Spielmöglichkeiten – gewinnt laut Umfrage an Bedeutung für eine anziehende Innenstadt.

Dafür, so Axel Priebs, sei es wiederum nötig, alle Akteure an einen Tisch zu bekommen. Eine Aufgabe für die Kommunen. Bislang seien die Beteiligten „schlecht aufeinander abgestimmt“, befand Priebs und riet, sich hier durchaus mal an den Shoppingcentern mit ihren gemeinsamen Aktionen ein Beispiel zu nehmen. „Alles, was Frequenz schafft, ist wichtig“, betonte Priebs.

Trotz des boomenden Onlinehandels sah er den stationären Handel nicht auf verlorenem Posten. Das Haptische, das Sehen der Ware „ist etwas, das man nicht unterschätzen darf“, sagte er.

Frequenzbringer Handwerk

Eine Innenstadt zu beleben, so der Experte, das sei eine gemeinsame Arbeit von Händlern, Gastronomen, Kulturtreibenden. Ja, selbst das Handwerk könnte sich Priebs als Frequenzbringer vorstellen. Auch die Eigentümer nahm er in die Pflicht. „Ohne die gehen Veränderungen nur sehr sehr schwer.“ Von den Immobilienbesitzern forderte er, Renditeerwartungen auch mal zurückzustufen.

Mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen, für Priebs eine kommunale Aufgabe. „Das kann dauern“, sagte er, „aber es lohnt sich.“

Von Katrin Preuss

Raumplaner Axel Priebs fordert von den Kommunen, die Corona-Krise zu nutzen, um Weichen zu stellen für den Fortbestand der Innenstädte.

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