Praktikanten aus der Partnerstadt

Die Teilnehmer des Austauschs berichteten mit Silke Garms in der Verdener Jugendherberge von ihren Eindrücken in der Partnerstadt. Foto: Niemann

Im Ausland im Einzelhandel arbeiten, in der Produktion eines Unternehmens mithelfen oder in den deutschen Schulalltag hineinschnuppern: Erstmals nehmen acht junge Studenten vom Lycée Sadi Carnot in Saumur die Gelegenheit wahr und machen ein zweiwöchiges berufliches Praktikum in der Verdener Partnerstadt.

VON CHRISTEL NIEMANN

Verden – „Je ne parle pas allemand“, sagt Auriane und blickt hilfesuchend zu Silke Garms, die beim Pressegespräch in der Verdener Jugendherberge als Dolmetscherin fungiert. „Ich spreche kein Deutsch“, wiederholt die junge Frau und Garms erzählt, dass die fehlenden Sprachkenntnisse nahezu allen Praktikanten Schwierigkeiten bereite und demnach auch ihren Aufenthalt erschwere.

Mehr als 20 Gymnasiasten und Auszubildende von den BBS Verden haben trotz der kleinen oder großen Probleme mit der Sprache ein Praktikum in der französischen Partnerstadt absolvieren konnten. Möglich machte das die enge Zusammenarbeit von Silke Garms von den BBS mit Dominique Gautié vom Lycée in der Verdener Partnerstadt an der Loire, die diesen Austausch seit zwei Jahren kordinieren.

Der größte Unterschied zwischen den Lebensgewohnheiten in den beiden Partnerstädten, da sind sich alle acht Teilnehmer einig, liege in den Essgewohnheiten. Vor allem am Abend werde viel zu früh gegessen.

„Manche Kollegen, mit denen ich im E-Center zusammenarbeite, sprechen gut Englisch“, erzählt Victorien Gayraud, der seinen Mitstudenten Grundkenntnisse der deutschen Sprache voraus hat. Er habe an der Realschule zwei Jahre Deutsch gelernt und einen einwöchigen Schüleraustausch in Emmerich am Rhein verbracht, lässt er durch Garms übersetzen.

„Ich finde Deutschland sehr ordentlich und organisiert. Auch fällt auf, dass die Menschen schon freundlicher sind“, stellt Auriane fest. Dennoch sei das Leben dem in Frankreich ähnlich. „Es gibt eher kleine Unterschiede“, fügt Emi hinzu. „Bei uns ist die Benutzung von öffentlichen Toiletten kostenlos. Hier muss man fürs Pippimachen bezahlen“, erzählt sie unter großem Gelächter.

Auch Sauerkraut, Gewürze, Brötchen und Brot hat die Praktikantenriege in Not gebracht. So gäbe es in Deutschland einfach zu viele Brotsorten und die warmen Speisen wären viel zu stark gewürzt. „Zwiebeln, Knoblauch, Pfeffer und Salz...“, Camille rollt mit den Augen. Beim Thema Essen schaltet sich auch Vanessa ein: Sie vermisse französisches Baguette. Nein, adäquates Backwerk aus einer deutschen Backstube habe sie noch nicht probiert. „Peut-être que je le ferai: vielleicht mache ich das noch“, sagt sie.

Und noch etwas ist aufgefallen: „Hier sind alle ständig am Essen“, so Emi, während es in Frankreich eigentlich keine Snacks zwischendurch gebe. Außerdem würden sie daheim abends viel später essen und es gebe auch immer Vor-, Haupt- und Nachspeise. „Nur belegte Brote, das kenne und mag ich gar nicht.“

Gibt es sonst noch gravierende Unterschiede? „Die Deutschen begrüßen und verabschieden sich kühl; weniger herzlich. Sie geben sich weder zur Begrüßung (Bonjour) noch zum Abschied (Au revoir) Küsschen. Das ist sehr ungewohnt“, sind sich die Gäste einig. Hierzulande reiche ein kurzes Hallo oder ein knappes Tschüss, während man sich in Frankreich herzlich umarme und küsse.

Für Garms ist dieser erste Praktikantenaustausch seiner Art trotz der sprachlichen Barrieren positiv, da die Schüler aus dem eigenen Land rauskämen und ihnen durch die Firmen Mars, E-Center Verden, Rewe-Markt Borstel und Kinderparadies Witte ein Blick über den Tellerrand hinaus ermöglicht werde. „Für viele ist es der erste Auslandsaufenthalt überhaupt“,weiß sie.

Sie hat natürlich auch die Hemmnisse im Sprachverhalten der französischen Gäste bemerkt: „Sie sind es nicht gewohnt, eine andere Sprache zu sprechen, und trauen sich nicht so recht. Unsere Schüler kennen das mehr und haben sich während ihrer Praktika in Saumur deutlich mehr zugetraut.“

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