SPD-Bundestagsfraktion lädt ein: Hitschler und Mäurer in Verden

Prävention gegen Terror

Prävention gegen Radikalisierung: Ulrich Mäurer, Christina Jantz-Herrmann, Dörte Liebetruth und Thomas Hitschler (v.l.). - Fotos: Haubrock-Kriedel

Verden - Berlin, Paris und Brüssel – der Terrorismus ist derzeit in Europa eine reale Gefahr. Doch wie begegnen wir dem Terror, ohne gleichzeitig unsere Freiheit zu opfern? Welche Lösungskonzepte sind wirksam? Um Fragen wie diese ging es bei einem Diskussionsabend, zu dem die SPD-Bundestagsfraktion in den Niedersachsenhof eingeladen hatte. In der von Christina Jantz-Herrmann moderierten Veranstaltung führten Verteidigungsausschussmitglied Thomas Hitschler und der Bremer Innen-Senator, Ulrich Mäurer, ins Thema ein.

In Bremen sei man massiv mit dem Thema islamistischer Terrorismus konfrontiert, berichtete Mäurer. Seit Beginn des Bürgerkriegs in Syrien und den Auseinandersetzungen im Nordirak hätte sich die Situation dramatisch verändert. 440 Personen, die der salafistischen Szene zugeordnet werden, lebten dort: „Circa jeder zehnte ist bereit, sich am Terror zu beteiligen.“ Unter ihnen seien Bremerinnen und Bremer, die normal zur Schule gegangen sind und aus unauffälligen Familien stammen“, betonte Mäurer. Viele seien über Istanbul ausgereist, um sich am Terror zu beteiligen.

Uwe Jordan rief auf, einen klaren Kopf zu behalten.

Als erfahrene Salafisten mit militärischer Ausbildung und als potenzielle Attentäter kehrten sie zurück. „Es gibt nicht mehr das typische Bild eines Salafisten, der sich einen Bart wachsen lässt und keinen Alkohol trinkt“, betonte der Senator. Auch Berlin-Attentäter Anis Amri sei fälschlich als „normaler“ Krimineller eingestuft worden. „Wir können aber nicht alle Rückkehrer aus Syrien oder dem Irak observieren.“ In Bremen habe man nun die Strategie geändert. Man schiebe sie nun massiv in ihre Heimatländer ab. „Man kann nicht abwarten, bis etwas passiert ist.“ In diesem Zusammenhang begrüßte Mäurer das jüngste Urteil des Bundesverwaltungsgerichts. Da man deutsche Staatsangehörige nicht abschieben könne, müsse man sich verstärkt um Prävention kümmern.

Thomas Hitschler stellte klar, dass der militärische Ansatz nicht reicht. Zwar sei es gelungen, den IS zurückzudrängen, die Ideologie bleibe aber bestehen. Hier müsse es einen positiven Gegenentwurf geben. Im Bundestag habe er dazu eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, in der Politiker aller Bereiche gemeinsam nach Lösungen suchen. Einfache Antworten gebe es da nicht: „Populistische Vorschläge bringen nichts, 20 Prozent der Täter sind Konvertiten.“

Als Lösung bot er an, Perspektiven für die Menschen zu schaffen. Viele, die sich dem IS angeschlossen hätten, seien arbeitslos und fühlten sich im Abseits. Außerdem sei Prävention wichtig: „Schulsozialarbeit hilft. Prävention muss vor Ort stattfinden.“ Wichtig sei Vorbeugen auch in Gefängnissen, da dort viele radikalisiert würden. Denkbar sei, dort mit Imamen an einer positiven Seite des Islam zu arbeiten.

In der Diskussion meldete sich auch Uwe Jordan, Leiter der Polizeiinspektion Verden/Osterholz, zu Wort. Er rief dazu auf, einen klaren Kopf zu behalten. Und den Blick auf das zu lenken, was vor Ort machbar sei. Unerlässlich sei, die Terrortypen und Ursachen zu differenzieren. „Man darf nicht Paris mit Ansbach verwechseln, das sind unterschiedliche Typen.“ In Verden lege man Wert darauf, dass die Polizei für alle anfassbar sei, gerade auch für Flüchtlinge, die der Polizei oft skeptisch gegenüberstehen. Nötig seien Konzepte, die Mut machen, dazu gehöre eine bessere Versorgung mit islamischem Religionsunterricht. „Es muss verhindert werden, dass unsere Gesellschaft weiter gespalten wird“, forderte Jordan. 

ahk

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bilder: Nordamerika im Bann der totalen Sonnenfinsternis

Bilder: Nordamerika im Bann der totalen Sonnenfinsternis

Europa sucht Barcelona-Terroristen

Europa sucht Barcelona-Terroristen

Aufbau beim Reload-Festival 2017

Aufbau beim Reload-Festival 2017

Zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist

Zeig mir, wie du wohnst und ich sage dir, wer du bist

Meistgelesene Artikel

Oldie-Treffen in Vethem: Ein Mekka der Trecker-Fans 

Oldie-Treffen in Vethem: Ein Mekka der Trecker-Fans 

Gospelchor Verden tritt zum Auftakt des Hafenkonzertes beim WSA auf

Gospelchor Verden tritt zum Auftakt des Hafenkonzertes beim WSA auf

Scharnhorst: Vor 750 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

Scharnhorst: Vor 750 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

Nasse Schwämme, volle Hosen, allerbeste Stimmung

Nasse Schwämme, volle Hosen, allerbeste Stimmung

Kommentare