Vortrag von Dr. Theo Waigel vor dem Steuerberaterverband

Die klare Nachricht: Positiv über Europa reden

Überzeugte die Delegierten des Steuerberaterverbandes und Gäste wie Landrat Peter Bohlmann (r.) oder Bürgermeister Lutz Brockmann (2.v.r.): Dr. Theo Waigel ist als Finanzministr a.D. ein kompetenter Beobachter der Währungsunion. - Fotos: Wennhold

Verden - Von Erika Wennhold. Als großer EU-Fan bekannte sich der Präsident der Steuerberaterverbandes Niedersachsen Sachsen-Anhalt, Professor Dr. Hans-Michael Korth, während der Festveranstaltung der Landesverbandstagung mit Gästen und Delegierten im Verdener Dom.

Doch wie es fast immer so ist, wenn es um die Europäische Gemeinschaft geht, folgte prompt Kritik: an der möglichen Konkurrenz durch Kollegen aus dem EU-Ausland. Für die Steuerberater eine regelrechte Attacke auf den Berufsstand, für diejenigen mit dem Blick auf das Gesamtgefüge eher Peanuts.

Festredner Dr. Theo Waigel, Bundesfinanzminister a. D., beeindruckte mit einem geschichtlichen Rückblick die Zuhörer in den voll besetzten Stuhlreihen des Domes und mit den unangenehmen Folgen, besonders für Deutschland, gäbe es die Währungsunion nicht. Am Ende seiner Rede konnte man gar nicht anders, als die Europäische Union und den gemeinsamen Euro, der in 19 der 28 EU-Länder offizielle Währung ist, als Glücksfall gerade für Deutschland zu sehen.

Ebenso gelungen muss den Teilnehmern des Festaktes die Wahl der Räumlichkeiten erschienen sein. Sicher teilten sie die Meinung von Gastgeber Pastor Lueder Möring („Ich bin hier eigentlich nur der Türsteher“), dass sie sich in einer der schönsten Kirchen Norddeutschlands befanden. „Die Weite und die Höhe sind Hinweise an die Besucher, den Blick den Tellerrand hinauszulenken. Europa: Welche eine Hoffnung und welch ein Versprechen.“

Mit Bürgermeister Lutz Brockmann meldete sich ein weiterer Gastgeber zu Wort, der sich über sprudelnde Steuereinnahmen freuen kann und zum Besten gab, wie sinnvoll die in Verden unter anderem ausgegeben werden: „Wir investieren jedes Jahr vier Millionen in unsere Kitas und Krippen.“

Es sei moralisch und ethisch hoch anzusiedeln, „dass sie dafür sorgen, dass Steuern gezahlt werden. Wir alle brauchen ein funktionierendes Gemeinwesen“.

Während von den Steuerzahlern immer die Wahrheit verlangt wird, der eine oder andere oder mal nach einer Beichte mit Konsequenzen rechnen muss, hat sich Festredner Dr. Theo Waigel einst von einem Kardinal erlauben lassen, sich mit einer Lüge aus der Affaire zu ziehen. Als es um heikle EU-Belange ging und nichts zu früh an die Öffentlichkeit durfte, habe der zu ihm gesagt: „Sie dürfen nicht nur die Unwahrheit sagen, sie müssen sogar.“

Der frühere Finanzminister hatte sich inzwischen in Laune geredet und eine gewisse Hemmung bei der Vorstellung, als katholischer Christ im Dom aufzutreten, überwunden. Er beklagte, dass im April 1998 mit ihm zusammen festgeschriebene EU-Regeln wie die Verpflichtung, dass jedes Land für seine Schulden haftet und Haftungsübernahmen ausgeschlossen sind, nicht eingehalten wurden. Was ein Finanzminister noch aushalten muss, machte er am Beispiel der Griechenlandkrise deutlich: „Ob ich die christliche Gelassenheit eines Schäuble gegenüber Varoufakis aufgebracht hätte, möchte ich bezweifeln.“

Was die Europäische Währungsunion alles aushalten muss, stand im Raum, aber auch die positive Auswirkung zäher Verhandlungen für Länder wie Portugal, Spanien, Irland und Zypern. Waigel: „Durch den Euro sollte es eine Glättung der Währungsausschläge geben.“ Deutschland wäre ohne Euro in der gleichen Situation wie die Schweiz, deren Bürger sich Lebensmittel im eigenen Land kaum noch leisten könnten. „Lasst uns  positiver über Europa reden.“

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