„Bis zum Frühjahr wird etwas passieren“

Polizeichef Jordan: Mehr Maßnahmen zur Stärkung des Sicherheitsgefühls

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Die Auseinandersetzung zweier Gruppen sorgte vor wenigen Wochen am Verdener Bahnhof für einen größeren Polizeieinsatz.

Verden - Von Volkmar Koy. Die Schere zwischen subjektivem und objektivem Sicherheitsempfinden in der Bevölkerung scheint immer größer zu werden. Diesen Eindruck haben Verdener Beobachter ganz besonders nach den diversen Konfliktsituationen im Allerpark und am Bahnhof gewonnen. Anlass für Polizeichef Uwe Jordan, jetzt im Pressegespräch dazu Stellung zu nehmen.

Mehrere Auseinandersetzungen zwischen Einzelpersonen und Gruppen hat es in diesem Jahr gegeben, die größere Polizeieinsätze zur Beruhigung der Lage und aufwendige Ermittlungsverfahren zur Aufklärung des Tatgeschehens nach sich gezogen haben. Allein gegen einen Hauptaggressor aus Syrien, der mit der großen Flüchtlingswelle vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen war, wurden im laufenden Jahr 46 Strafanzeigen wegen verschiedenster Delikte eingeleitet. Am Ende führte seine Unbelehrbarkeit in die Untersuchungshaft.

„Vor allem das Auftreten von Gruppen junger männlicher Migranten wirkt ungewohnt für unsere Stadt. In Kombination mit den erfolgten Auseinandersetzungen sind nach unserer Wahrnehmung Unsicherheiten im Lebensgefühl von Anwohnern und Besuchern in den öffentlichen Räumen der Innenstadt entstanden“, sagt Uwe Jordan, um hinzuzufügen: „Diese Situation sollte ernst genommen und weder dramatisiert noch bagatellisiert werden. Nur in einem differenzierenden und sachlichen Klima können Gegenmaßnahmen entworfen werden.“

Unsicherheitsgefühl „passt nicht in unsere Stadt“

Bislang 311 Fälle von zumeist Körperverletzungen hätten die Beamten in diesem Jahr beschäftigt, betont der Leiter der Polizeiinspektion Verden/Osterholz. Das Unsicherheitsgefühl „passt nicht in unsere Stadt“, so Jordan. Gegenmaßnahmen seien nur in enger Zusammenarbeit mit der Kommune, also mit der Stadt Verden, umzusetzen. Verschiedene Dinge seien bereits angedacht worden. „Bis zum Frühjahr wird etwas passieren“, ist sich der Polizeichef sicher. 

Darin seien sich die beteiligten Parteien einig. „Es soll aber keinen Schnellschuss in Sachen Prävention geben“, hofft Jordan auf einen breiten Konsens in Verden, der dann aber auch in der Öffentlichkeit spürbar werden soll. Das werde ein erweiterter Strauß an Maßnahmen sein, in den sich die hiesige Polizei sehr stark einbinden werde.

Dazu könnten städtebauliche Maßnahmen genauso gehören wie Regelungen im Ordnungsrecht, aber auch Veränderungen in der Milieuarbeit. Uwe Jordan: „Wir sollten hierbei allen Beteiligten zuhören und ihre Bedürfnisse mit einbeziehen. Das gilt genauso für Anwohner und Besucher der betroffenen Bereiche wie für die in Verruf gekommenen Migrantengruppen. Das Hin- und Herschieben der Gruppen durch repressive Maßnahmen wird aber allein keinen Erfolg haben.“

Bürger werden nicht ernst genommen

von Volkmar Koy

Sagen wir es mal so: Der Polizeichef räumt zwar ein angespanntes Klima in Verden ein, aber aus objektiver Sichtweise ist die Allerstadt kein unsicheres Pflaster. Ja, was ist sie dann? Wenn es wieder darauf hinausläuft, quasi die schweigende oder nur tuschelnde Mehrheit in der Bevölkerung nicht mitzunehmen, wird sich an dem Grundsatz nichts ändern. 

Es ist auch nicht angezeigt, die ewigen Quacktaschen aus den sozialen Netzwerken einzubeziehen. Die sollen bei ihrem geliebten Facebook bleiben. Und zielführend ist auch nicht, Verden ständig als bunt zu bezeichnen und Bürger, die sich nicht ernst genommen fühlen und daher lieber AfD wählen, von vornherein auszuschließen. In dieser Beziehung gibt es in der Kommune Verden einen gewaltigen Nachholbedarf. 

Uwe Jordan bringt es auf den Punkt: Wir sollten allen Beteiligten zuhören. Wie wahr, wie wahr. Wenn es der Polizeichef dann noch fertig bringt, sich nicht ständig hinter objektiven Kriterien zu verstecken, könnte daraus noch was Großes werden. Woher kommt denn das ständige Unsicherheitsgefühl unter Verdens Bürgern? Weil manche Straße schlicht zu dunkel ist, weil einige städtebauliche Maßnahmen nie unter Betrachtung möglicher Gefahrenquellen umgesetzt wurden, weil sich Politik lieber aus allem raushält. Stimmt’s oder habe ich recht?

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