Geklärtes Flusswasser zum Panzenberg

Politik berät Lösung für Trink- und Grundwasser-Problematik in Verden

Die Brücke gibt es noch, das Wasser nicht mehr: die trockengefallene Halse in Dovemühlen kurz hinter der Einmündung eines Grabens namens Steinbach unterhalb der Kreisstraße zwischen Bundesstraße und Scharnhorst.
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Die Brücke gibt es noch, das Wasser nicht mehr: die trockengefallene Halse in Dovemühlen kurz hinter der Einmündung eines Grabens namens Steinbach unterhalb der Kreisstraße zwischen Bundesstraße und Scharnhorst.

Das Grundwasser sinkt auf Rekordwerte, ein ganzes Ökosystem droht zu verdorren. Doch im Streit um die Fördermenge am Wasserwerk Panzenberg in Scharnhorst könnte sich langsam, ganz vage, eine Lösung abzeichnen. Die Versickerung von Flusswasser ist ein potenzieller Ausweg, der jetzt erstmals in der Verdener Politik beraten wird. 

Verden – Ist das schon die Lösung im Streit um die Fördermenge am Wasserwerk Panzenberg in Scharnhorst? Das Grundwasser ist auf Minusrekorde gesunken, das ganze Ökosystem mit der Halse droht auszudörren, die Gemüter laufen heiß wegen gigantischer Wassermengen, die nach Bremen geliefert werden. Aber jetzt kommt eine Quelle ins Spiel, die andernorts bereits erstaunliche Erfolge zeitigte: Flusswasser. Ein Ausweg, der erstmals in der kommenden Woche in der Verdener Politik beraten wird.

Völlig aussichtslos ist eine solche Variante nicht. In der Flußauenlandschaft Hessisches Ried waren riesige Gebiete schon in den 70er-Jahren trockengefallen. Regenarme Jahre von 1971 bis 1976 sowie zu Beginn der 90er-Jahre und eine sprunghaft angestiegene Wasserförderung für den Großraum Frankfurt führten bereits vor 30 Jahren zu Alarmzuständen. Seither fließt Rheinwasser in den Auen-Untergrund, aufbereitetes Rheinwasser, vorgeklärt. Aber nur so viel, wie tatsächlich für einen stabilen Grundwasserpegel gebraucht wird. Auch im Hamburger Umland ist eine solche Lösung kein Tabu-Thema mehr. Im Landkreis Harburg wird als Gegenleistung für die Heidewasser-Lieferung in die Metropole aktuell ein Versickern von Elbwasser gefordert.

In der Verdener Politik wird eine solche Variante auf kleinster Flamme gekocht. Noch jedenfalls. Auf den Tisch kommt sie nicht im Stadtrat, auf den Tisch kommt sie in einem der Ortsräte, im Scharnhorster Ortsrat, und das am kommenden Mittwoch auch nur als letzter von acht dorfbezogenen Anliegen. „Verbesserung der Wasserführung in der Halse“ heißt der Tagesordnungspunkt, zu dem Ortsratsmitglied Werner Bredehöft (FDP) mal einen Vorschlag zu unterbreiten hätte, wie er schreibt.

Auch Umlenken des Wassers aus Fließgewässer sei geeignet

Die Versickerung von Flusswasser halte er im großen Umkreis der Rotenburger Rinne für sinnvoll, jenes mächtigen Grundwasser-Reservoirs also, aus dem auch das Wasserwerk Panzenberg gespeist werde. Bredehöft: „Ergänzend könnten Wasserstauanlagen oberhalb der Rotenburger Rinne gebaut, unterhalten oder wieder nutzbar gemacht werden.“ Auch ein Umlenken des Wassers aus Fließgewässer, etwa der Wümme, halte er für geeignet.

Im hessischen Ried ist es mit Rheinwasser gelungen, seit Mitte der 90er-Jahre einen Grundwasserstand von im Schnitt dreieinhalb Metern unter der Geländehöhe zu halten. Zuvor war dieser unterirdische Pegel munter hin und her geschlagen. Mal landete er bei einem Meter unter der Geländehöhe, zu Beginn der 60er-Jahre etwa, mal bei acht Metern unter der Oberfläche, Mitte der 70er-ahre beispielsweise.

Untersuchungen sollen Auswirkungen auf den Bereich um Panzenberg zeigen

Klingt nach einer Lösung, ist es im Hessischen aber noch nicht ganz. Ein durchgängig akzeptabler Pegel führt zwischen Darmstadt, Frankfurt und Kassel allerdings noch nicht zu zufriedenen Gesichtern auf allen Seiten. „Für den Wald reichen diese Maßnahmen offenbar noch nicht aus“, heißt es in einem Papier der Bezirksregierung in Darmstadt aus dem vergangenen Jahr. Daher werde ein Ausweiten des versickerten Rheinwassers in ausgesuchten Waldgebieten untersucht. Auch diese Erkenntnisse dürften Auswirkungen auf den Bereich rund um den Panzenberg in Scharnhorst haben. Hier liegen ebenfalls großflächige Waldgebiete. Erste Trockenschäden und der Einfall des Borkenkäfers sind schon zu erkennen.

Die Erkenntnisse aus dem hessischen Ried nehmen inzwischen im Norden Kommunalpolitiker aus dem Landkreis Harburg zum Anlass, eine ähnliche Lösung als Ausgleich für Wasserlieferungen nach Hamburg auf den Weg zu bringen. Und zwar auf Kosten der großen Hansestadt. Ersten Überlegungen zufolge solle die Elbe südlich der Staustufe Geesthacht angezapft und dann das Wasser Richtung Nordheide gepumpt werden. Eine Größenordnung schwebt den Initiatoren auch schon vor: 18 Millionen Kubikmeter pro Jahr – so viel wie an Trinkwasser in die Stadt Hamburg schwappt.

Um rund neun Millionen Kubikmeter geht es im Landkreis Verden. Eine offizielle Genehmigung ist weiterhin nicht erteilt. Gegenwärtig und noch bis in den Juni hinein läuft das zähe Ringen um Fördermengen, die zu genehmigen sind. Stellungnahmen bereiten unter anderem der BUND und die Stadt Verden vor. Ein höchst komplexes Verfahren mit zahllosen Verästelungen. Dessen Titel: Abweichende Bewirtschaftungsziele gemäß Wasserrahmenrichtlinie für den Halsebach.

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