Ex-Geschäftsführer Gerhard Stelter kämpft vor Gericht um Gerechtigkeit

„Polar wurde verscherbelt“

90 Beschäftigte verloren durch die Insolvenz der Firma Polar Fenster und Türen in Morsum ihren Arbeitsplatz. - Foto: Sperling

Verden/Morsum - Heute ist ein wichtiger Tag für Gerhard Stelter. Der ehemalige Geschäftsführer von Polar-Fenster erwartet ein Urteil am Verdener Landgericht, in dem es ihm nicht nur um sein Geld geht. Im Insolvenzverfahren gegen das Morsumer Unternehmen hatte er als Bürge auch privat 25 000 Euro gezahlt. „Diese Forderung war unberechtigt“, sagt er. Ebenso, dass auch die Landesbürgschaft in Anspruch genommen wurde. 533 000 Euro seien an die Volksbank geflossen, aber das ist nicht Gegenstand des Prozesses.

Das Insolvenzverfahren der Firma Polar Fenster und Türen-Werk in Morsum war eine der größten Pleiten der zurückliegenden Jahrzehnte im Kreis. 90 Beschäftigte verloren 2008 ihren Job. Das Unternehmen auf dem 108 000-Quadratmeter-Gelände in Morsum mit 12 500 Quadratmetern Fabrikations- und Lagerfläche in Hallen ist abgewickelt und verkauft.

Immer beschäftigt mit Dokumenten: Ex-Polar-Geschäftsführer Gerhard Stelter kämpft vor Gericht. - Foto: Klee

Stelter hat damals nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seine Reputation, den guten Ruf als Geschäftsmann. Seither prozessiert der 54-Jährige. Ausgelöst hat er die Prozessflut allerdings nicht. Plötzlich sah er sich mit Vorwürfen wie Unterschlagung und Insolvenzverschleppung konfrontiert und fing an, sich zur Wehr zu setzen. Quer durch die Instanzen geht das mittlerweile, teilweise bis zum Bundesverfassungsgericht und zum Niedersächsischen Finanzgericht. Manches ist mittlerweile vom Tisch, und Stelter hat überwiegend Recht bekommen. Die Anwalthonorare aber haben Zigtausende von Euros verschlungen.

Gerechtigkeit ist für ihn noch nicht wieder hergestellt, und deshalb macht Stelter weiter. Das gilt auch für den Verkündungstermin der 4. Zivilkammer heute um 12 Uhr.

„Polar wurde verscherbelt“, sagt Stelter. Er hat bis zur Eröffnung des Insolvenzverfarens Anfang September 2008 die Geschäfte der Großtischlerei geführt. An dem Betrieb hatte er einen Gesellschaftsanteil von zehn Prozent. Auf den Insolvenzverwalter Edgar Grönda aus Bremen, unter dessen Kuratel der Verkauf abgewickelt wurde, ist Stelter nicht gut zu sprechen.

Ein Gutachten der Hausbank von Polar, der Volksbank, aus dem Jahr 2009 habe dem Unternehmen noch während des Insolvenzverfahrens einen Wert von drei Millionen Euro bescheinigt.

Bürgschaften in Anspruch genommen

Der Verkehrswert war zuvor sogar mit vier Millionen Euro taxiert worden. Als Gebäude und Liegenschaften dann am 24. Juni 2011 den Besitzer wechselten, standen 300 000 Euro für die Liegenschaften und für die technischen Anlagen 125 000 Euro auf dem Vertrag.

Gerhard Stelter hat ein weiteres Problem mit dem Insolvenzverwalter. Er hat das Verdener Gericht angerufen, weil er meint, dass der Jurist einen Teil der Außenstände von Polar-Fenster eingetrieben hat.

Mit Eröffnung des Insolvenz-Verfahrens, so die Darstellung Stelters, seien damals noch Rechnungen von 9,7 Millionen Euro gegen öffentliche Haushalte offen gewesen. Und davon habe der Insolvenzverwalter immerhin 800 000 Euro an Forderungen von den Kunden reingeholt. Es könnte auch mehr sein, vermutet Stelter.

Der große Rest der Forderungen sei an einen Finanzinvestor verkauft worden. Weder die Bürgschaft, die damals das Land gegeben hatte, um das Unternehmen zu retten, noch Stelters Privatbürgschaft hätte herangezogen werden müssen, meint Stelter. Jetzt entscheidet das Gericht, ob er das gezahlte Geld zurückerhält.

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