Planungen der Erdöl AG (DEA) / Mehr als 200 Zuhörer im „Waller Dörpshus“

Vertrauen hat wohl niemand

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Derek Mösche, Sprecher der DEA (stehend) musste viel Kritik und Misstrauen der Waller Bürger einstecken. Sitzend von links: Ortsbürgermeister Detlef Peterson, Arne Jacobs als Moderator des Abends und der Kreistagsabgeordnete Wilhelm Hogrefe.

Walle - Es war im Vorfeld klar, dass es für Derek Mösche, Sprecher der Deutschen Erdöl AG (DEA), kein netter Abend in Walle werden würde. Gefolgt war er der Einladung des Ortsrates Walle zu einer Informationsveranstaltung am Freitagabend dennoch. Die Einwohner sollten aus erster Hand erfahren, was der Konzern dort plant: einen weiteren Bohrplatz.

Unter Walle in südlicher Richtung in 5000 Metern Tiefe vermutet der Konzern ein großes Erdgasvorkommen. Offenbar sehr groß, denn die möglichen Investitionen bezifferte Mösche mit rund 20 Millionen Euro. Was auf die Waller baulich zukommen könnte, sei ein 100 mal 200 Meter großer Bohrplatz hinter einer Lärmschutzwand. Doch das Projekt sei noch nicht existent. „Konkrete Planungen gibt es nicht“, so der Unternehmenssprecher. Es sei auch noch kein Antrag bei der zuständigen Aufsichtsbehörde gestellt worden. Deshalb sei es eigentlich viel zu früh und für den Konzern unüblich, bereits darüber zu informieren.

Sicher hätte die DEA auch erst einmal in Ruhe weiter nach einem geeigneten Grundstück in der Feldmark des Ortseingangsbereiches (von Verden kommen) gesucht. Doch die Pläne waren publik geworden (wir berichteten) und hatten zur Gründung der Bürgerinitiative „Walle gegen Gasbohren“ geführt.

Dass rund 200 Leute das „Waller Dörpshus“ füllten, zeigte, dass das Interesse groß ist. Deutlich wurde aber durch Fragen und Redebeiträge, dass Ängste bestehen. Es wurde nicht mit Kritik gespart und deutlich Misstrauen gezeigt, sowohl an der Arbeitsweise des Konzerns und dem Wahrheitsgehalt der Aussagen.

Es gab die üblichen Floskeln: „Sie brauchen keine Angst zu haben“, „Es gibt ständige Kontrollen“ oder „Für ein Höchstmaß an Sicherheit wird gesorgt“. Immer mal wieder kam Gelächter auf, wie bei der Aussage Mösches: „Erdbeben würde ich das nicht nennen“. Doch ob Erdbeben oder Seismizität, wie er es nennt, viele Ereignisse und Schadensfälle der vergangenen Jahre wurden thematisiert. Trotz der Bemühungen von Moderator Arne Jacobs geriet die Standortfrage, um die es eigentlich gehen sollte, zeitweise völlig in den Hintergrund.

Der Bundestagsabgeordnete Andreas Mattfeldt hatte wegen einer Auslandsreise absagen müssen. Mit dem Kreistagsabgeordneten Wilhelm Hogrefe hatte sich ein mit viel Hintergrundwissen beeindruckender, redegewandter Ersatzmann gefunden. Er sprach sich deutlich gegen neue Bohrungen aus. Diese seien nicht erforderlich, schon gar nicht in dicht besiedelten Gebieten.

Aber wie kann man das verhindern? „Das A und O sind die Grundeigentümer“, betonte Hogrefe. Enteignungen seien noch nie vorgenommen worden, beruhigte Mösche. „Wer Flächen zur Verfügung stellt, hat ein schlechtes Leben“, warf ein Mann ein und wurde angesichts dieser unterschwelligen Drohung sofort von Hogrefe ausgebremst.

Doch die Stimmung ist offenbar angespannt in der Ortschaft. Oliver Zerbst aus dem Sprechergremium der BI an Mösche: „Wir sitzen hier deshalb zusammen, weil niemand Vertrauen in Ihre Kompetenz hat. Wir Waller werden geschlossen alles dagegen tun, dass hier irgendein Bohrturm errichtet wird.“ Und dabei werde man vielleicht auch zu „semi-legalen Mitteln“ greifen, so Zerbst.

wb

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