Bei Erneuerbaren Energien im Mittelfeld

Landkreis Verden hat Pläne für doppelt so viel Windkraft

Bei den aktuell im Fokus stehenden Energiearten wie Windkraft, Photovoltaik oder Biomasse rutscht der Landkreis Verden im niedersächsischen Vergleich ab.

Die Grafik vergleicht die Anteile von erneuerbaren Energien in den verschiedenen Landkreisen.

Eine Erzeugung von bemerkenswerten 27,3 Gigawatt für den Landkreis Verden ermittelte das statistische Landesamt aus dem Vorvorjahr in einem landesweiten Vergleich, was dem Strombedarf von rund 7500 Haushalten entspricht. Richtig zu beruhigen vermag die Topplatzierung aber nicht. Die Wasserkraft ist allenfalls in der Lage, die Energiebilanz der Region noch so einigermaßen zu retten (s. Grafik). Bei den aktuell im Fokus stehenden Energiearten wie Windkraft, Photovoltaik oder Biomasse rutscht der Landkreis Verden im niedersächsischen Vergleich ab.

Neue Anlagen sind viel effizienter

Alles nicht überraschend? Der Raum Achim/Verden ist stärker städtisiert als umliegende Regionen? Überhaupt kein Platz für beispielsweise noch mehr Windenergie? Doch, sehr wohl! Sie wirkten einst wie Fremdkörper in der Landschaft, jetzt haben sich viele Menschen an ihren Anblick gewöhnt. Jene Windspargel, die vor rund zwei Jahrzehnten eine erste Generation ernstzunehmender Energieerzeuger darstellten. An vielen Punkten im Kreis ragen sie aus der Landschaft, im Raum Achim zum Beispiel, in der Samtgemeinde Thedinghausen vor allem, in Kirchlintelner Randbereichen ebenfalls. Sie alle dürften sich über kurz oder lang verabschieden. Nach 20 Jahren fallen sie aus der Bezuschussung, sie rechnen sich nicht mehr. „Eine Reihe von Windanlagen stehen vor dem Rückbau, an ihre Stelle werden häufig jedoch neue Anlagen gestellt“, sagt Karin Vesper aus dem Kreishaus. Repowering nennt sich das Ganze, und das hat es in sich. Um die Energieausbeute von zehn alten Anlagen zu ersetzen, reichen meist eine bis zwei Generatoren neuerer Bauart. „Es wird eine Entdichtung stattfinden“, sagt Vesper. Weniger Windkraftanlagen, dafür aber deutlich mehr Leistung. Die Standorte in Beppen, Blender, Kreepen und Giersberg wären Kandidaten für ein solches Repowering.

Erste Anzeichen sind jetzt schon erkennbar. Lag die Selbstversorgung des Landkreis Verden mit Strom aus der Erneuerbaren Energie im Jahr 2019, dem Jahr, das jetzt die Landesstatistiker betrachten, lag diese Selbstversorgung da noch bei rund 75 Prozent, so ist sie im vergangenen Jahr wie berichtet auf 92 Prozent gestiegen. Und für das laufende Jahr dürfte eine 100prozentige Selbstversorgung nicht mehr ausgeschlossen sein.

Alles aber nur eine Zwischenetappe. Die große Wachstumsphase kommt erst noch. Einen Berg von Papier hat Karin Vesper vor sich aufgetürmt. Regionales Raumordnungsprogramm heißt das Konvolut. Einer der heißdiskutierten Punkte darin: Die Entwicklung der Windenergie. Und das nicht mit irgendwelchen Wolkenkuckucksheimen, sondern mit knallharten Vorgaben aus Hannover. „Wenn wir die Klimaschutzvorgaben des Landes Niedersachsen bis 2030 erreichen wollen, werden wir die Windkraft deutlich verstärken müssen.“ 2,1 Prozent der Landkreisfläche seien in etwa notwendig, um diese Ziele zu erreichen. Aktuell weise das Raumordnungsprogramm 2,4 Prozent aus. „Damit wären wir auf der sicheren Seite.“ Klingt nach Peanuts, bedeutet aber einen gigantischen Zuwachs, ein Plus an Fläche um mehr als das Doppelte. Aktuell seien etwa 1,1 Prozent der Kreisfläche für die Windkraft vorgesehen.

40 Teilflächen in der neuen Satzung

Auf einer Landkarte in den Tiefen der Landkreis-Homepage sind die in Frage kommenden Flächen eingezeichnet. Ob Westlich Riede, ob Achimer Bruch, ob Nördlich Otterstedt oder Nördlich Völkersen, ob Neddenaverbergen, Westen oder Groß Sehlingen – knapp 40 Teilflächen sind in der kommenden Satzung verewigt. Die Kreispolitik hat dem ambitionierten Ausbau bereits zugestimmt. Ob es tatsächlich so kommt, ist noch offen. Die komplexen Regionalen Raumordnungsprogramme werden häufig beklagt, und beinahe eben so oft bekommen die Kläger vor Gericht recht.

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Aber es wird nicht nur die Windkraft sein, die in der Region sprunghaft zunimmt. Auch der Photovoltaik trauen die Energieversorger eine große Zukunft zu. „Zurzeit dürfte jeder zehnte Haushalt mit einer Sonnenstrom-Anlage ausgestattet sein, in fünf bis zehn Jahren ist es jeder fünfte“, wagt Hermann Karnebogen von der Avacon eine Prognose. Wichtige Treiber in dieser Sparte der Erneuerbaren Energien sind allerdings die vereinzelt schon angeschlossenen Solarparks. Im aktuellen Raumordnungsplan des Landkreises spielen sie allenfalls eine Nebenrolle, auch, weil die in der Landschaft stehenden Solarparks von Imageproblemen gezwackt sind. „Photovoltaik ist ideal für Hausdächer, ideal natürlich auch für die Dächer öffentlicher Gebäude, für Industriehallen“, sagt Vesper, „aber bei einer Planung auf freier Pläne kommen sie der Versiegelung von Flächen gleich.“ Und das sei nicht unbedingt zu befürworten.

Rubriklistenbild: © Kracke

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