Plädoyers im Prozess um Raubüberfälle in Oyten / Staatsanwältin fordert knapp sechs Jahre

„Ich hatte Angst zu ersticken“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Verden - Fünf Jahre und zehn Monate Haft wegen schweren Raubes hat die Staatsanwaltschaft gestern im Landgerichtsprozess um zwei Überfälle im Herbst 2014 in Oyten beantragt. Zuvor war noch ein 72 Jahre alter Geschädigter gehört worden, der wie ein 69-Jähriger in seinem Haus überfallen worden war.

Es fiel dem Rentner sichtlich schwer, über die Ereignisse vom 26. September 2014 zu sprechen. Der 72-Jährige hatte es sich vor dem Fernseher gemütlich gemacht, als es gegen 19.45 Uhr an seiner Haustür klingelte. Als er öffnete, standen drei unmaskierte Männer vor ihm. „Bevor ich einen Gedanken fassen konnte, stürmte einer rein und der zweite hinterher. Ich konnte noch um Hilfe rufen“, berichtete der Mann. Dann hätten sie auf ihn eingeschlagen und ihn ins Büro gezogen.

Mit einem Messer wurde er an der linken Wange verletzt. Als eine drei Zentimeter lange, klaffende Wunde, wird die Verletzung im Bericht der Rechtsmedizin beschrieben. Die Räuber hätten gezielt nach dem Geldschrank des Rentners gefragt. Er führte die Täter dorthin. Die Beute bezifferte er mit rund 2000 Euro plus zwei Armbanduhren.

Später sei ihm der Mund verklebt worden – bis über die Nase. „Ich hatte Angst zu ersticken.“ Gefesselt ließen sie ihn zurück. Irgendwann konnte er sich aus der Fußfesselung befreien und fand Hilfe bei einem Nachbarn. Die psychischen Folgen sind massiv und er befindet sich deshalb in Behandlung. Im Dunkeln gehe er nicht mehr alleine aus dem Haus. Die Entschuldigung des Angeklagten hörte sich der Zeuge an, zeigte aber keine Reaktion darauf.

Der Angeklagte hatte beide Überfälle gestanden und seine Komplizen, darunter Bruder und Schwager, be-nannt. Zum Prozessauftakt war ihm zugesagt, dass er damit die zu erwartende Strafe von 13 Jahren auf ein Maß zwischen fünfeinhalb und sechs Jahren reduzieren könne.

Staatsanwältin Dr. Maren-Bettina Napp sprach in ihrem Plädoyer von ganz erheblichen Taten. Bei den Geschädigten handele es sich um ältere, allein lebende Männer. Eine gefährliche Körperverletzung wurde nicht angeklagt, sei aber strafschärfend zu berücksichtigen. Als Motiv hatte der Angeklagte Spielschulden angegeben. Hinsichtlich der Rückzahlung habe er unter Druck gestanden.

„So ein detailliertes Geständnis habe ich noch nicht oft gehört“, argumentierte Verteidiger Armin von Döllen. Es sei ein Beleg dafür, dass sein Mandant wirklich mit der Vergangenheit abschließen wolle. „Und er weiß, wie man in Haftanstalten mit Leuten umgeht, die ihre Mittäter verpfiffen haben“, gab der erfahrene Jurist zu bedenken.

Ein konkretes Strafmaß beantragte er nicht, bat das Gericht aber, darüber nachzudenken, ob der Haftbefehl mit der Urteilsverkündung am 9. Juni bis zum Haftantritt außer Vollzug gesetzt werden könne. Sein Mandant habe vier Kinder, das Jüngste sei während der Zeit der rund siebenmonatigen Untersuchungshaft geboren worden. Fluchtgefahr bestehe nicht, so der Verteidiger.

wb

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