Diskussion in der Verdener Runde

Pingpong um das Amt des Bürgermeisters

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Diskussionen und Gespräche über Verdens Zukunft. Die Runde im Domgymnasium mit (v.l.) Erwin Odermatt, Hermann Dittmers, Lutz Brockmann, Kai Rosebrock, Jens Richter und Volkmar Koy ließ fast kein kommunalpolitisches Thema aus. 

Zieleinlauf der Kandidaten um das Amt des Bürgermeisters in Verden. Projekte, aktuelle Themen und eine geschlossene Toilette, die vier Bewerber live auf dem Podium, das gab es auf der Verdener Runde der Mediengruppe Kreiszeitung. Das Publikum machte mit.

Verden – Von Markus Wienken. Pingpong hatten die Moderatoren, VAZ-Redaktionsleiter Volkmar Koy und Rundfunksprecher Erwin Odermatt, versprochen – und die Kandidaten der Bürgermeisterwahl machten mit und spielten sich fleißig die Bälle zu. Amtsinhaber Lutz Brockmann (SPD) sieht „Verden bestens aufgestellt“. Laut Jens Richter (CDU) „bleibt die Stadt hinter ihren Möglichkeiten zurück“. Hermann Dittmers (Parteilos) würde „die Bürger mehr mitnehmen“ und Kai Rosebrock (Freie Wähler) will „mehr Dampf machen“. Und so wurde mal hart, mal weniger hart über das Netz gespielt.

Die Aula des Verdener Domgymnasiums war bestens gefüllt, knapp 240 Gäste verfolgten das Match. Geboten wurde alles, was die Kommunalpolitik – auch aktuell – hergibt. Das Projekt „Stadtkante“ an der Aller? Der Investor sei zwar abgesprungen, so Bürgermeister Brockmann. „Doch es handelt sich in dem Bereich um ein Sahnestück, das wir erfolgreich vermarkten werden. Wir brauchen dort ein Hotel und werden einen Investor finden“, sagte er. „Es gibt Interessenten.“ Richter widersprach: „Sicher ist nichts. Wir sollten dort erst mal Parkplätze anbieten.“ Laut Dittmers ist das Projekt eine Nummer zu groß für die Stadtverwaltung. „Wäre ich Bürgermeister, dann muss ein Projektleiter mit Team her.“ Rosebrock hätte dort gerne ein Veranstaltungszentrum für Jugendliche.

Zwischendurch menschelte es

Trotz Schlagabtausch, zwischendurch menschelte es sogar. Auch dann, als Kandidat Dittmers seine Idee über den Umgang mit dem Bürger auf Augenhöhe referierte oder den externen Rat von Experten einforderte – und dafür Beifall der Mitbewerber bekam. „Der Bürgermeister nickt mit dem Kopf“, beobachtete Moderator Koy. Brockmann hielt dagegen: „Ja sicher, denn so machen wir es im Rathaus.“

Dann wurde es wieder sportlich, denn der Verkehr in Verden läuft nicht rund. Es staut sich. „Wir brauchen den Innenstadtring, eine Einbahnstraße, die die Autos nur in eine Richtung führt“, forderte Richter. Er will eine halbjährige Testphase, die sich auch Dittmers vorstellen kann. Nicht mit dem Bürgermeister, der sich auf einen Gutachter beruft: „Der Verkehr muss in allen Richtungen fließen, sonst wird es noch schlimmer.“

Aus dem Auto auf das Fahrrad und da gab’s ebenfalls Redebedarf. Tempo 30 in der Innenstadt, Dittmers wäre dafür. Rosebrock will mehr, und vor allem bessere Radwege. Richter auch und deswegen gab es Schelte für den

Ratsmehrheit für den Brückenschlag

Bürgermeister. „Die Radwegbrücke über Aller und Wätern ist mit fünf Millionen Euro deutlich zu teuer. Dafür hätten wir 50 Kilometer Radweg bauen können.“ Nicht er allein, sondern die Ratsmehrheit habe sich für das Projekt entschieden, betonte Brockmann. 1,8 Millionen Euro von der EU, 300.000 Euro vom Landkreis für das Bauwerk und die angrenzende Infrastruktur an beiden Ufern, das Geld für den „Brückenschlag“ sei bestens angelegt. „Wer wird denn regelmäßig über die neue Brücke fahren?“, fragte Moderator Koy das Publikum. Circa 20 Hände gingen in die Höhe.

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Geteilte Meinung auch beim Bahnhof. „Eine Stolperfalle, die wir nicht gewollt haben“, so CDU-Mann Richter. „Die Fachleute haben versagt und sich aus dem Staub gemacht.“ Brockmann sieht den Komplex auf einem guten Weg, auch wenn er eine weitere Hiobsbotschaft verkünden musste. „Das geplante und aufwendige Dach über dem ZOB wird vorerst nicht gebaut. Es ist deutlich zu teuer.“ Das Geld wird an anderer Stelle gebraucht, und zwar für Neubau von Grundschule Walle und Kita Elisabeth-Selbert-Straße. Denn auch da kostet es mehr. Die Baukonjunktur sei schuld. „Wir mussten uns entscheiden, aber die Bildung geht vor“, so Brockmann. Dittmers wollte das so nicht stehen lassen: „Ich hätte die Leute am ZOB nicht im Regen stehen lassen – schade.“

Bei den Toiletten wird es unruhig

Und die Toiletten am Bahnhof? Da wurde es unruhig im Saal. Die Klos sind mit der Schließung des Restaurants dicht – und Stadtgespräch. „Das ist beschämend“, beklagte sich Richter. „Abhilfe wird geschaffen“, so Brockmann. 40.000 Euro soll der Verwaltungsausschuss für eine mobile Lösung bereitstellen. Deutliche Zustimmung im Saal – und Lob von Dittmers: „Dann können endlich auch Taxi- und Busfahrer wieder auf die Toilette.“

Bezahlbarer Wohnraum für alle, Maßnahmen für den Klimaschutz, Fair-Trade, kulturelle Angebote für Jugendliche und eine Disco, die Themen gingen nicht aus, doch die Kandidaten waren bei guter Kondition. Der letzte Ball flog gegen 22.45 Uhr übers Netz. Allein dafür gab’s den Beifall vom Publikum.

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